Donnerstag, 22. Juli 2021

Westjordanland: jüdisches Erbe oder palästinensische Scholle?

 

Zum legalen Status der Besetzten Gebiete. Überarbeitete Fassung vom 8/21

 

Wo findet sich das erste rechtlich relevante Dokument?

"Und an dem Tag schloss der Herr einen Bund mit Abraham und sagte deinem Samen gab ich dies Land vom Fluss Ägyptens bis zum grossen Fluss, dem Euphrat." Moses 1, 15, Vers 18.
"Und ich werde deine Grenzen setzen vom Roten Meer bis zum Meer der Philister und von der Wüste bis zum Fluß denn ich werde in eure Hand die Bewohner des Landes geben und ihr sollt sie vertreiben von eurem Angesicht" Moses 2, 23, Vers 31
Für manch nationalreligiösen Siedler und manch notorischen Israelkritiker mögen diese Jahrtausendealten Versprechungen sehr relevant sein, da sie allerdings ohne Zeitangabe gemacht worden sind lassen wir das Alte Testament mal außen vor.
Es ist auch gar nicht nötig tausende von Jahren zurück zu gehen, denn 1920 wurde das Mandatssystem vom Völkerbund verabschiedet. Die Balfour Deklaration von 1917 war ein Bestandteil davon. Es ist von
"the historical connection of the Jewish people with Palestine" und die "grounds for constituting their national home in that country." die Rede. Artikel 6 spricht sogar von "encouraged close settlement by Jews on the land," was natürlich auch das Westjordanland = WJL einschloss. Es sollte eine Heimstatt für das Jüdische Volk geschaffen werden wobei die Rechte der bereits im Gebiet lebenden Bewohner berücksichtigt werden sollten. Juden sollten überall dort siedeln konnten wo sie die Interessen der Araber nicht einschränkten. Der ehemalige Souverän, das Ottomanische Reich existierte nicht mehr, und sein Nachfolger die Türkei hatte, laut Artikel 132 des Vertrags von Sevres, jede Entscheidung zu akzeptieren. 1922 wurde das Mandat an Großbritannien vergeben um diesem Landstrich auf die Beine zu helfen.

Briten beim Erhalt von Ruhe und Ordnung in Haifa

 

Unter Ausnutzung einer Klausel im Mandat wurden 77%, einschließlich 1760 QKm landwirtschaftlicher Anbaufläche, von den Briten abgetrennt. Es war der ganze Teil östlich des Jordans um so das Hashemitische Königreich - das heutige Jordanien, zu schaffen. Juden waren aus diesem neugegründeten Staat Transjordanien ausgeschlossen.

Ist Israel dank des Teilungsplans entstanden?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Völkerbund von der UN abgelöst in dessen Charta ausdrücklich von der Beibehaltung der bereits existierenden Mandate die Rede ist. Sonst wäre ja auch das Britische Mandat von 1945 bis 1948 garnicht möglich gewesen.
Der Teilungsplan in Form von Resolution 181 ist so relevant nicht, denn die Arabische Seite lehnte ihn nicht nur ab, sondern griff das neugegründete Israel an. Man kann ihn aber als nochmalige Anerkennung der internationalen Staatengemeinschaft auf das natürliche und historische Recht des Jüdischen Volkes sehen sich in Palästina niederzulassen. Israels Aufnahme in die UN wurde mit ihm und mit Resolution 194 verbunden.

Die "Yedioth Achronot" am Tag der Unabhängigkeitserklärung

Israel ist aber nicht Ergebnis dieses Plans, sondern (wie übrigens die meisten Staaten auf der Welt) durch die Erklärung der eigenen Unabhängigkeit, die Verteidigung mit Waffengewalt gegen die Angriffe anderer Staaten und die Einrichtung einer geordneten Verwaltung in dem Gebiet daß unter stabiler eigener Kontrolle stand. Die Formulierung der Unabhängigkeitserklärung war mit der UN abgestimmt.  

 Man kann Israel vorwerfen daß es in ihr unterließ seine eigenen Grenzen zu definieren, man kann aber auch argumentieren daß der Ausbruch eines Krieges vorhersehbar war, in dessen Folge dann die Grenzen mit Gewalt (von allen beteiligten) festgelegt wurden. Tatsache ist das Israel in seiner aus dem Unabhängigkeitskrieg hervorgeganenen Form, die sich vom Teilungsplan unterschied, anerkannt wurde.

Gaza Streifen, Israel, Westjordanland - wo ist der Unterschied?

Nach internationalem Recht entstand nach Abzug der Briten ein Souveränitätsvakuum. Die Annektion des WJL, die Jordanien 1951 vollzog, wurde nur von Grossbritannien und Pakistan anerkannt. Keine anderen Europäischen Staaten und auch keine Arabischen. Israel war bis dahin von 42 Staaten anerkannt worden.
Auf den ersten Blick sieht es gleich aus:
Jordanier und Israelis besetzen in Folge von Kriegen dasselbe Gebiet. Der Unterschied liegt darin das die Jordanier ein benachbartes Gebiet besetzt haben was im Wiederspruch zur UN Charta steht, während wir das Gebiet besetzt haben von dem aus wir angegriffen wurden. 

Besetzung von Territorium ist möglich wenn es zur Selbstverteidigung nötig ist. 

Wäre dies nicht so dann könnte jeder Agressor unbeschadet einen Angriff starten, in der Gewissheit selbst nach einem verlorenen Krieg sein Territorium zurückzubekommen. Man könnte von einem Angriff also nur gewinnen, nicht verlieren. Ein solcher Zustand wäre absurd. Als Bedingung für den Rückzug kann der angegriffene Staat verlangen daß Vorkehrungen getroffen werden damit dieses Gebiet nie mehr eine Bedrohung darstellt die wieder einen Akt der Selbstverteidigung bedingen würde. Das Internationale Recht erkennt an daß ein angegriffener Staat erobertes Land von einem angreifenden Land solange besetzt halten kann bis ein Friedensvertrag ausgehandelt ist.

Ägypten seinerseits betrachtete den Gaza Streifen nicht als Ägyptisches Hoheitsgebiet sondern als militärisches Sperrgebiet ohne irgendeine Form von Sebstbestimmung für seine Bewohner. Die hatten nicht mal ein Anrecht auf die Ägyptische Staatsbürgerschaft. 

Bis Heute ist die Lage der Palästinenser in Syrien, Libanon und Kuwait nicht viel besser.

Israel greift an und soll trotzdem im Recht sein?

Im Mai 1967 sandte der Ägyptische Präsident Nasser seine Truppen in den Sinai und konzentrierte sie entlang der Israelischen Grenze, nachdem er UN Truppen aufgefordert hatte das Gebiet zu räumen. Gleichzeitig sammelten sich Syrische Truppen in den Golanhöhen. Der Suezkanal wurde für Israelische Schiffe gesperrt und der Hafen von Eilat blockiert. Jordanien, Algerien, Irak, Kuweit und Saudi-Arabien sendeten Truppen.
Wie schon beim Unabhängigkeitskrieg greift wieder das internationale Recht und auch Artikel 51 der UN Charta (Recht auf Selbstverteidigung) denn all dies reicht als casus belli – ein Vorgang der den Ausbruch eines Krieges rechtfertigt. Dieser Umstand ist wichtig denn Israel griff an um der, oder besser den Gegenseiten zuvorzukommen. Ein Verteidigungskrieg war geplant um die Grenzen zu sichern, es lief aber besser als erwartet. Um den Vorgang zu stoppen kam die Resolution 242 vom UN Sicherheitsrat.


Resolution 242, Grenze oder sinnvolle Abgrenzung?

Es ist in der Resolution nicht nur von Rückzug die Rede, sondern auch vom Recht jeden Staates in dem Gebiet in Frieden, frei von Gewaltakten, in sicheren annerkannten Grenzen zu leben. Dies ist natürlich an beide Seiten gerichtet.
"...the establishment of a just and lasting peace in the Middle East which should include the application of both the following principles:
(i) Withdrawal of Israel armed forces from territories occupied in the recent conflict;
(ii) Termination of all claims or states of belligerency"

Was die Forderung nach Rückzug angeht gibt es eine bemerkenswerte Unterlassung – die Wörter „all“ und „the“ fehlen. In zwei meiner Quellen sagen Zeitzeugen es sei nicht darum gegangen daß Israel alle besetzten Gebiete räumt sondern dass besetzte Gebiete geräumt werden, aber nicht unbedingt bis auf den letzten Quadratmeter. „secure and recognized boundaries“ kann als Aufforderung zu Verhandlungen mit Grenzkorrekturen verstanden werden.
Der seinerzeit amtierende US Präsident Johnson soll dazu in einer Ansprache am 10,9,67 gesagt haben:
"Es ist jedenfalls klar daß eine Rückkehr zum Stand vom 4.6.67 keinen Frieden bringen wird. Es müssen sichere und anerkannte Grenzen geschaffen werden."

Im Juni 1967 wurde vom Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs der US Streitkräfte, Earle Wheeler ein Plan vorgelegt der Israels Mindestsicherheitsbedürfnisse zusammenstellen sollte. Präsident Johnson und UN Botschafter Goldberg waren einer Meinung daß er im Einklang mit der Resolution 242 steht. Dem Plan zufolge sollten die Golan Höhen und etwa zweidrittel des WJL in Israelischer Hand bleiben. Das entspricht ziemlich genau dem heutigen Zustand.
Zusammengefasst: die Resolution strebt also eine dauerhafte Lösung mit sicheren Grenzen und eine Beendigung aller Forderungen an. Mit einem völligen Rückzug sind sichere Grenzen nicht machbar denn wir haben es mit einem Hügelland, mitten in einem schmalen, dichtbesiedelten flachen Küstenstreifen zu tun.

Die Flüchtlingsfrage

In der Resolution 242 ist auch von der notwendigen Lösung der Flüchtlingsfrage die Rede – die Laut UN insgesamt 711.000 geflüchteten Palästinenser werden nicht namentlich erwähnt, es können darunter also auch zumindest ein Teil der 820.000 Juden fallen die aus den Arabischen Ländern oft unfreiwillig ins Land kamen. Ich formuliere das so umständlich weil nicht alle diese Länder ihre Juden vertrieben haben.
Man kann aber argumentieren dass hier eigendlich ein Bevölkerungsaustausch stattgefunden hat, 

Nehmen wir mal an alle Palästinenser in den Arabischen Staaten (4,1Mill.) wollen zurück, wir haben nichts dagegen und der Rest (0,91Mill.) bleibt lieber in Amerika und Europa. 

Alle Rückkehrer kommen ins WJL. Zu den 2,7 Mill. Palästinenser hier gesellen sich also weitere 4,1Mill. , insgesamt 6,8 Mill.
Und nun zu den Fragen:
Woher kommt das Geld um die nicht Rückkehrwilligen 910.000 zu entschädigen?
Wer und wie wird die Sicherheit der 7.25 Mill. Jüdischen Israelis, ihren 1,75 Mill. Arabischen Nachbarn und den 6,8 + 2 Mill. Palästinensischen Nachbarn auf der anderen Strassenseite garantiert?

Kann ein Land in Wüstenrandlage 17.8 Mill. Menschen ernähren? Dies bei einem Bevölkerungswachstum von zwischen 2 - 3% jährlich.


Klipp und Klar, oder Sonderfall?

Resolution 242 fordert zur Lösung des Problems durch Friedensverhandlungen auf. 

Die kathegorische Absage der Arabischen Seite – die drei "nein" auf der Konferenz der Arabischen Liga 1967 in Khartoum, verzögerten diesen Vorgang. Dann kamen die Friedensverhandlungen mit jenen von denen das Gebiet erobert wurde - den Jordaniern. Die haben aber ihren Anspruch auf das Gebiet 1988 an die PLO abgetreten. 

Wir haben also hier einen Sonderfall mit drei beteiligten Parteien: B besetzt Gebiet dass von A bewohnt wird, welches dann aber B von C abgerungen wird. B verzichtet dann auf seine illegitimen Ansprüche auf das Gebiet und nun muß sich C mit A auseinandersetzen. Wie schon vorher bemerkt kann der angegriffene Staat als Bedingung für den Rückzug verlangen daß Vorkehrungen getroffen werden damit dieses Gebiet nie mehr eine Bedrohung darstellt. Dafür muß aber A in der Lage sein dies sicherzustellen. Israel ist nun in der besonderen Situation ist daß es sich seinen Verhandlungspartner der diese Verantwortung übernehmen kann, erstmal heranziehen muß.

Trizonesien

1993 wurden die Osloer Verträge mit der PLO unterzeichnet, die als alleinige Vertretung der Palästinenser anerkannt wurde. Damit wurde auch die PA = Palestinian Authority eingerichtet.
1995 wurde das WJL infolge der Verträge in drei unzusammenhängende Zonen aufgeteilt. In allen hat das Israelische Militär die Souveranität.
· Zone A: alle Palästinensischen Städte, die meisten Dörfer und etwas Land drumherum werden von der PA selbst verwaltet, Israelisches Militär nur in bestimmten Fällen, keine Israelischen Zivilisten.
· Zone B: einige Dörfer, einige Felder, von der PA verwaltet, Israelisches Militär, keine Israelischen Zivilisten.
· Zone C: (62% der Fläche) sollte größtenteils schrittweise der PA übergeben werden, der Prozess blieb jedoch stecken. Militär und Zivilverwaltung teilen sich die Verantwortung. Letztere ist für die Infrastruktur zuständig und stimmt sich mit der PA ab. Alle Städte und Dörfer die Siedlungen genannt werden, Israelisches Militär und natürlich auch Siedler finden sich hier. Palästinenser können nach vorheriger Kontrolle in diese Zone hinein um dort zu arbeiten. Da die Flächen der beiden anderen Zonen immer in diese Zone eingebettet sind, kann die Bewegungsfreiheit der Palästinenser vom Israelischen Militär eingeschränkt werden.

Seither leben 60% der Palästinenser unter eigener Jurisdiction. Der Rest lebt in Dörfern oder Flüchtlingslagern wo die PA für alles ausser der Sicherheit verantwortlich ist. Nur ein paar zehntausende Palästinenser leben in Gebieten unter voller Israelischer Kontrolle und auch hier übt die PA die funktionelle Jurisdiction über sie aus.

 

Die Vierte Genfer Konventions Keule.

Ich höre in meinem inneren Ohr wie mich nun die Pro-Palästinensischen Protagonisten und Israelkritiker anschreien: 4te Genfer Konvention, Artikel 49!
"The Occupying Power shall not deport or transfer parts of its own civilian population into the territory it occupies."

Hier stellt sich die Frage was mit  "deport or transfer" gemeint ist, denn die 560.000 Israelis die in den besetzten Gebieten wohnen sind freiwillig gekommen.
Auswirkung bei Beachtung: die Hauptstadt Jerusalem müßte mit einem 6 x 20 Km schmalen Korridor auskommen. Das von den Jordaniern zerstörte Jüdische Viertel in der Jerusalemer Altstadt, in dem nachweislich seit etwa 2700 Jahren Juden gelebt haben, könnte bis Heute nicht wieder aufgebaut werden. Und wie würde der Zugang zur Klagemauer geregelt werden? Nachdem die Jordanier nur einer kleinen Gruppe von Orthodoxen und nur am am Busstag das Gebet dort erlaubten, wäre man heutzutage etwa von der Genehmigung der PA abhängig?
Man stelle sich vor, nach der Wiedervereinigüng dürften in Berlin keine Änderungen vorgenommen werden da die DDR in die BRD einverleibt worden ist, ohne wie vorgesehen eine neue Verfassung zu erarbeiten und die Internationale Gemeinschaft dies moniert. Hier prallen eine Buchstabengetreue Auslegung mit Gesundem Menschenverstand wie auch korrekter historischer und funktioneller Einordnung aufeinander.

Offizieller Israelischer Standpunkt

Die Israelischen Regierungen sehen das WJL als ehemaliges Mandatsgebiet an, welches noch nicht formell einem Staat zugesprochen wurde, daher ist das Gebiet nicht besetzt und da die Genfer Konvention sich nur auf Aktionen von Staaten auf dem Gebiet anderer Staaten bezieht, gilt sie hier nicht und demnach ist Israel auch kein erobernder Staat. Ich habe bisher keinen Beleg dafür gefunden dass das Mandat für die Zone C im WJL nicht mehr gültig ist.

Hier möchte ich darauf hinweisen daß viele Europäische Staaten das Glück hatten genug Zeit zur Expansion zu haben von ihrer Gründung bis zum Inkrafttreten der UN Charta am 24,10,1945. Israel hat diese Chance um 3 Jahre verpasst.

Israelische Sicherheitsanliegen

Das WJL ist aus militärisch – strategischer Sicht wichtig da es ein wenig strategische Tiefe und einen Bergrücken nach Osten bietet. Feinde können abgefangen werden, ehe sie an die Ballungsräume Tel Aviv und Jerusalem herankommen.
Allerdings wird es wegen der Bevölkerung auch als problematisch angesehen.
Ende 1967 lebten 1.25 Mill. Araber in allen besetzten Gebieten und es gab 300.000 Israelische Araber. Heute leben um die 4.7 Mill. Araber im WJL und im Gaza Streifen zusammen, dazu kommen noch 1.75 Mill Israelische Araber. Die Zahlen haben sich also vervier- bis versechsfacht.
Ebenso wie der Sinai eine demilitarisierte Zone ist, so sollen auch diese Gebiete demilitarisiert sein.


Quellen:


What Occupation? Efraim Karsh http://www.aish.com/jw/me/48898917.html

Why Israel Is Free to Set Its Own Borders Michael Krauss & J. Peter Pham
http://www.jmu.edu/nelsoninstitute/Israel's%20Borders%20(Commentary%202006-Krauss&%20Pham).pdf

Extracts from "Israel and Palestine - Assault on the Law of Nations" by Julius Stone http://www.strateias.org/international_law.pdf


http://en.wikipedia.org/wiki/Israeli_settlement

Freitag, 17. Juli 2020

 

Zur Schulbuchdiskussion

 

Neulich kam im Zeitforum wieder dieses Thema auf, welches offensichtlich beweisen soll wie schlimm wir Israelis sind. Ich finde es bemerkenswert wie Menschen die sich für modern und aufgeklärt halten nicht davor zurückscheuen ihre Meinung zu diesem Thema zum Ausdruck zu bringen. Dies ohne Arabisch oder Hebräisch lesen zu können.

Bild 1 aus dem Geschichtsbuch meiner Tochter namens "מסע אל העבר". Eine Karte die den Ausgang des Unabhängigkeitskrieges zeigt. Schwarze Punkte sind arabische Ortschaften, hellbraune jüdische Ortschaften und in Braun die drei gemischten Städte Jerusalem, Jaffa und Haifa. In Grün ist die Grüne Linie eingezeichnet die als Waffenstillstandslinie vom 24.2.1949 bezeichnet wird.




























Bild 2 aus demselben Buch zeigt die Lage nach dem 6-tage Krieg von 1967. In Helllila die Flächen die als Flächen die im Krieg erobert wurden bezeichnet werden und in Grün was als Waffenschtillstandslinie von 1949 bezeichnet wird.

Unter Punkt 4 werden die Schüler gefragt warum die israelischen Regierungen bis heute nicht festgelegt haben ob bestimmte eroberte Flächen zu israel gehören sollen.
Und hier das Gegenstück aus einem Geografiebuch der Palestinian Authority.
In Orange, direkt am Mittelmeer gelegen sind die Umrisse des ehemaligen Mandatsgebietes zu erkennen. Ich kann zwar kein Arabisch lesen, aber ich kenne welche die es können. Dort steht Palästina.

Freitag, 28. September 2018

Vor der eigenen Haustüre - Khan al-Ahmar



In der letzten Zeit tauchen hier und da Bilder einer Ansammlung von Schuppen irgendwo im Westjordanland immer wieder in der Weltpresse auf. 173 Beduinen (53 Familien) des Jahalin Stammes sollen ihre Behausungen in Khan al-Ahmar in der Judäischen Wüste bis zum 1.10.18 räumen.
Ein Beduinencamp mitten in der Wüste wie man es gewohnt ist...


 Man ist verführt den Text gar nicht erst zu lesen. Wieder arme, wehrlose, indigene Ureinwohner die nun von bösen, traumatisierten Kolonialisten, die selber noch vor drei oder vier Generationen wehrlos waren, vertrieben werden sollen. Kolonialisten denen das ihnen schon zugestandene Territorium nicht genug war und sich bei einer sich bietenden Gelegenheit auch noch den benachbarten Teil, der für die Ureinwohner gedacht war, unter den Nagel gerissen haben, eben weil sie so traumatisiert und böse sind. Letztere werden nun systematisch drangsaliert um sie zu vertreiben – zugunsten der territorialen Expansion der Ersteren.
Stoff der geeignet ist das Weltbild gutmenschiger Israelkritiker zu festigen.
Zu Beginn des Monats September hat die EU eine Resolution gegen die Räumung verabschiedet und bei der letzten Sicherheitsratssitzung der UN am 17.9.18 sprachen sich auch die UN Botschafter von Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Italien, Polen und Schweden dagegen aus.
Wie soll ich sagen? Ich sehe das anders.


...wenn man sich allerdings etwas nach Süden wendet sieht man eine voll ausgebaute 4-spurige Schnellstrasse...
 
Dieser Beitrag soll nicht ein griffiges Gegennarrativ aufstellen das keine Gegenrede mehr zulässt (das wäre Propaganda), sondern mit Bildern und Informationen zu einer ernstzunehmenden Diskussion führen. Nicht Mäuler stopfen, sondern Gehirne füttern.

Gibt man bei Bing „Jahalin“ ein bekommt man etwa 25.000 Treffer.
Es kommt daher daß dieser derzeit 15.000 Seelen zählende Beduinenstamm nicht alleine in der Welt dasteht. bimkom.org, peacenow.org, btselem.org, unwra.org, Dikania, Amnesty, Rabbis for human rights, Roman Catholic Society of St. Yves, The Palestinian human rights group Land and Water Establishment (LAWE) und nicht zuletzt Jahalin.org, sie alle stehen ihnen zur Seite wie man bei den Suchergebnissen sehen kann.

Im Unabhängigkeitskrieg wurde der Stamm aus dem Negev nach Norden vertrieben und lebte auf beiden Seiten der Jordansenke.
Ich hatte Gelegenheit mich mit einer der Gründermütter von Maale Adumim zu unterhalten. Sie hat mit erzählt daß ebenjene Jahalin Beduinen seinerzeit (1975) nur im Winter ihre Herden in diese Gegend hochtrieben. Einfach weil es hier kaum Wasser gab. Das änderte sich Anfang der 80ger mit dem Bau der Wasserleitung nach Maale und Kfar Adumim.
Der Name Khan al-Ahmar ist eigentlich die Bezeichnung für Überreste eines byzantinischen Einsiedlerklosters der mit seiner riesigen Zisterne später als Khan, als Herberge für Karawanen diente. Heute liegt er mitten im Mishor Adumim Industriegebiet, zweieinhalb Km entfernt von den Schuppen die mit diesem uralten und bedeutenden Namen bedacht wurden. Wie alt ist der heutige Khan al-Ahmar? In der folgenden Quelle kann man eine Reihe von Luftbildern sehen. Ihr zufolge tauchten die ersten Bauten um 1980 auf.
https://www.camera.org/article/the-la-times-the-bedouin-of-khan-al-ahmar-and-their-land/
Den jüdischen Anwohnern der nahegelegenen Siedlung Kfar Adumim zufolge, vergeht kein Monat ohne Steinwürfe. Aber das scheint mir nicht das wesentliche.

... warum seine Zelte mit Kindern, Schafen und Ziegen so nahe an der Strasse aufschlagen?
Längst sind die traditionellen Zelte kleinen Gruppen von Holz- und Blechhütten gewichen, was auch darauf hindeutet das ihre Bewohner mittlerweile sesshaft geworden sind. Man würde erwarten daß sie weiträumig auf den Hügeln und Abhängen der judäischen Wüste verteilt wären, da Beduinen meist Schaf und Ziegenherden und auch Kamele halten. Die etwa 30 Camps der Jahalin liegen aber fast ausnahmslos direkt an einer Schnellstraße. Ende 2014 hat die rechte NGO „Regavim“ einen Bericht vorgelegt demzufolge aus 209 Bauten im Jahre 2003 in 11 Jahren 774 Bauten geworden sind.
Eine Fahrt in Richtung Jordantal und zurück...
...der Blick nach Süden...


...Und der Blick nach Norden.
Die Schnellstraße ist nicht irgendeine Schnellstraße. Jerusalem liegt in 800 Höhenmetern auf einem Bergrücken. Nach Osten hin fällt das Terrain bis zum Toten Meer auf minus 400 Höhenmeter ab. Entlang der Jordansenke verläuft die Grenze nach Jordanien. Diese Straße, die Nr.1, ist die für Israel strategisch wichtige West – Ost Verbindung in der Mitte des Landes, die von Tel Aviv kommend über Jerusalem runter zur Jordansenke bis zur Grenze führt.


Und noch eins...

...und noch eins...
Der Palästinenserführung ist die Verbindung von Samaria im Norden und Judäa im Süden wichtig. Hier, östlich von Jerusalem, wo auch der zum Politdrama avancierte Hügel E1 liegt, treffen sich die beiden Entwicklungsachsen.

...und noch eins...
„Regavim“ zufolge, versucht die PA (Palestinian Authority) ein Band von Beduinencamps entlang der Straße zu schaffen. Das kann jeder selber nachprüfen. 
Eine genaue Karte findet sich hier: https://www.btselem.org/map
Östlich von Jerusalem hineinzoomen und entlang der nach Osten verlaufenden Schnellstraße Nr.1 nach den braunen Flecken schauen. Etwa von Bir al-Maskub A über Khan al-Ahmar bis nach Wadi al-Qatif, nachdem die Straße nach Süden abschwenkt. 
 Da beduinische Männer mehrere Frauen heiraten können und 30% von ihnen dies auch tun, sind sie Weltmeister was die Wachstumsrate angeht – sie liegt bei ihnen bei 5,5%. Das bedeutet eine Verdoppelung jeweils innerhalb von 14 Jahren. Wie man an meinen Bildern sehen kann ist der Khan wirklich nicht das einzige Beduinencamp entlang der Strasse.

...und noch einer...
...und noch eins. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Da der Khan al-Ahmar in der Zone C liegt, hat laut Osloer Abkommen Israel die Planungshoheit. Demzufolge kann die israelische Zivilverwaltung (COGAT) den Abriss anordnen.
Es geht auch anders. Zwei Beispiele für Camps die mitten in der Landschaft liegen
Würde es sich um eine entschädigungslose Vertreibung handeln so wäre die mediale und politische Aufregung im Ausland vielleicht noch nachvollziehbar. Als 1997 27 Familien von einem Hügel direkt am Stadteingang von Maale Adumim umgesiedelt wurden, haben sie vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof dagegen geklagt. Dieser entschied daß sie zwar kein Anrecht auf das Land hatten, wohl aber mit einer dauerhaften Lösung entschädigt werden müssen. Wie man im folgenden Link sehen kann, existieren bereits jeweils 1000 Qm große Grundstücke mit Wasser und Stromanschluss am Ortsrand des nahegelegenen, palästinensischen Abu Dis. Jede Frau die sich zur Umsiedlung bereit erklärt erhält ein solches Grundstück. Der Beduine der mehr als eine Frau hat profitiert also. Dazu gibt es eine finanzielle Unterstützung von umgerechnet etwa 10.000 Euro laut „Btselem“ und 117.000 Euro dem Gatestone Institut zufolge. In einer 10 Jahre andauernden Schlacht vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof um alternative Standorte für den Khan hat dieser nun festgelegt daß die Einwände, wie z.B. die Nähe zur Jerusalemer Müllkippe, unbegründet sind.

An dieser Schlacht um die Dominanz der Entwicklungsachsen beteiligen sich seit einigen Jahren auch unerwartete Mitspieler. Die EU und einige ihrer Mitgliedsstaaten.
181 Behausungen und 232 Schuppen wurden von der EU finanziert. Diese Bauten bestehen aus Paneelen die einen Aufbau innerhalb von Stunden erlauben. Da es sich um ungenehmigte Bauten handelt kommt ein EU Aufkleber drauf der ihnen diplomatische Immunität verleihen und so den Abriss verhindern soll.
Wer genau hinschaut kann auf den Bauten die dunkelblauen Aufkleber der EU erkennen.

2014 wurden 11 Mill. Euro allein für die Beduinen in Zone C aufgewendet.

Mehr zu den Hintergründen findet sich bei "Regavim"  hier: 

https://www.regavim.org/category/e1-adumim-region/

und speziell in dem Clip hier:

https://www.regavim.org/how-the-palestinian-authority-cynically-uses-bedouin/ 

Ein solches Vorgehen halte ich aus zwei Gründen für falsch. Zum einen wird die Verhandlungsbereitschaft der Palästinenser herabgesetzt wenn tatkräftig bei der Schaffung vorhandener Tatsachen geholfen wird. Zum anderen ist es moralisch fraglich ob man einerseits 11 Mill. Euro in beduinische Outposts investieren kann, und gleichzeitig lauthals gegen jüdische Outposts protestieren kann.

Der einen Seite helfen vorhandene Tatsachen zu schaffen ist kein probates Mittel um beide Seiten zu einer Verhandlungslösung zu bewegen.

Dienstag, 10. April 2018


 

Narrative

Um Vorgänge einordnen zu können ist es hilfreich die Narrative der beteiligten Parteien zu kennen. Es gibt keine Positionspapiere in denen die einzelnen Narrative festgelegt sind. Sie werden aber über längere Zeit hinweg klarer. Und so ist das was ich hier wiedergebe die Zusammenfassung aus vielen einzelnen Eindrücken über etwa zweieinhalb Jahrzehnte hinweg – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Das faszinierende daran ist wie man dieselben Vorgänge völlig anders darstellen kann. Die Grenzen zwischen dem palästinensischen und dem westlich linken Narrativ sind fließend, so wie auch die Grenzen zwischen dem der Siedler und dem allgemeinen Israelischen. Ausgehend von den Gegensätzen in den Narrativen kann man beginnen nachzuforschen wo denn die Wahrheit unter all den Behauptungen verschüttet liegt.

Das palästinensische Narrativ

Eines Tages kamen die bösen Zionisten aus dem Nichts um sich die fruchtbaren Felder der palästinensischen Ureinwohner unter den Nagel zu reißen. Das ist nicht verwunderlich, denn Juden sind von Natur aus habgierig und böse. Die Idee kam von einem reichen Juden aus Wien und ist eigentlich eine Neuauflage des Kolonialismus. Und so kamen Leute, die sich für ein Volk ohne Land hielten, in ein Land von dem sie behaupteten es habe kein Volk. Dabei ist das Volk der Philister mindestens ebenso alt wie das jüdische. Sie kamen in ein entwickeltes Land und behaupteten später alles selber aufgebaut zu haben, was natürlich auch einen rassistischen Unterton enthält, so als ob die Palästinenser nicht in der Lage wären etwas aufzubauen. Obwohl selber von den Nazis vertrieben, taten sie das dasselbe in zwei Kriegen, der Nakba und der Nachsa, der Urbevölkerung an. Wer blieb wurde Unterdrückt. Da alle Juden aus dem Ausland kamen wäre es die beste Lösung wenn sie wieder dorthin zurückkehren würden. Die meisten kamen aus der USA und der ehemaligen UDSSR und man sieht ihnen sofort an das sie nicht hier hingehören. Am schlimmsten sind die Siedler. Während arme Palästinenserkinder nach Wasser dürsten, schwimmen die in ihren privaten Swimmingpools. Dank ihrer zionistischen Ideologie haben sie auch keinerlei Skrupel im Westjordanland eine Apartheid einzurichten.
Darüber hinaus versucht man nun den Tempelberg zu erobern. Schon seit Jahren wird der Zugang zum Berg für g-ttesfürchtige Muslime, die dort beten wollen, von der Polizei immer wieder beschränkt. Nun haben die Siedler begonnen den Berg in grossen Besuchsgruppen systematisch zu überfluten. Jeder Muslim muß alles ihm Mögliche tun um dem Einhalt zu gebieten. Abgesehen von heimlichen archäologischen Grabungen unter dem Berg betreibt ein privater Verband Grabungen nebenan (Silwan) wobei nur die für Juden relevanten der 22 vorhandenen Schichten berücksichtigt werden.

Das westlich-linke Narrativ

Am Anfang war der Teilungsvorschlag. Die Juden stimmten schon damals zu und bekamen sofort ihren Staat von der UN. Nun wollen die Palästinenser ihren Teil und die frechen Juden, die inzwischen diesen Teil erobert haben, wollen ihn nicht mehr hergeben. UN Resolutionen die Israel zu einer Räumung auffordern (die haben ja schon ihren Staat bekommen) und die Unrechtmäßigkeit der Besiedelung beweisen, werden von Israel einfach ignoriert. Dabei ist ganz klar das nur eine 2-Staaten Lösung, die sich an der Grünen Linie orientiert, Frieden schaffen kann. Laut Artikel 49 der 4ten Genfer Konvention sind Siedlungen eindeutig Völkerrechtswidrig.
Da Israel der stärkere ist, muß es den ersten Schritt hin zu einem Frieden machen. Aber Israel kann sich ja alles erlauben da das Weltjudentum die USA in der Hand hat und diese schützt Israel in der UN mit ihrem Vetorecht.
Und so wird aus den einst vom Reich des Bösen unterdrückten und verfolgten, das Reich des Bösen von Heute, welches im Unterschied zu den Deutschen, nichts dazugelernt hat und daher skrupellos die armen Palästinenser unterdrücken kann. Diese haben natürlich keine andere Wahl als mit Terror und Feuerwerkskörpern aus dem Gazastreifen zu antworten. Obwohl 2005 geräumt, ist der Streifen ein riesiges Freiluftgefängnis für 2 Mill. Menschen. Von Mal zu Mal startet der jüdische Aggressor einen Krieg um Völkermord begehen zu können und so die Zahl der Palästinenser dort niedrigzuhalten.

Das Narrativ der ideologischen nationalreligiösen Siedler*

Zum einen hat uns der Herr das ganze Land westlich des Jordans versprochen (und eigentlich auch östlich davon) und daher gehört es uns, zum anderen gibt es keinen Gesprächspartner. Daher ist das Westjordanland zu annektieren – ohne die Zonen A und B in der weicheren Version und völlig in der puristischen Version. Wer von den dortigen Arabern bereit ist zu kuschen, darf bleiben - vielleicht.
Derzeit tobt ein Krieg um das Land. Nicht mit Waffen sondern mit Tatsachen vor Ort. Wir bauen Siedlungen dort wo schon zu biblischen Zeiten jüdische Ortschaften existierten und die Palästinenser benutzen die Beduinen um östlich von Jerusalem eine Nord-Süd Achse zu schaffen und am Rand der Negev Wüste um Gaza mit dem Westjordanland zu verbinden.
Wenn wir das Westjordanland erstmal annektiert haben werden sich die da draußen entweder schon daran gewohnen, oder sie sind Antisemiten und daher sowieso in jedem Fall gegen uns.

*Diese enge Eingrenzung ist wichtig, denn NICHT jeder der jenseits der Grünen Linie lebt denkt so, ich eingeschlossen. Vor einiger Zeit wurde dieser Abschnitt im Forum von "der Standard" wiedergegeben und als meine Position dargestellt.

Das israelische Narrativ

Am Anfang war eine abgelegene, heruntergekommene Provinz des Ottomanischen Reiches. Hier lebte eine kleine, verarmte jüdische Minderheit, dies aber zu allen Zeiten. Sie wurden auch zu allen Zeiten von Juden, die nicht im Land lebten, finanziell unterstützt. Weil wir eine Bindung zu diesem Land haben. Hier sind unsere Wurzeln.
Mitte des 19ten Jahrhunderts wurden die Ottomanen von europäischen Mächten unterstützt und in der Folge zu einer Öffnung des Landes gezwungen. Pilger aus Europa fingen an das Land zu besuchen. Erste Schritte zum Aufbau einer modernen Infrastruktur wurden gemacht. Mit dem Aufkommen der zionistischen Idee, die aus den bleichen Gettojuden selbstständige Menschen machen wollte, kamen ab 1882 Juden nach Pogromen in Rumänien und Russland ins Land. Sie wurden von reichen Jüdischen Gönnern aus Westeuropa unterstützt die für sie den arabischen Großgrundbesitzern Ländereien abkauften.
Der Aufbauwille der Neueinwanderer verbesserte die Infrastruktur. Die Kindersterblichkeitsrate sank dramatisch und entstehende Arbeitsplätze zogen Araber aus den umliegenden Ländern an (etwa 100.000). Den Arabern bereitete der ständige Zustrom von Juden aus Europa Unbehagen, obwohl es nicht mehr als etwa 10.000 pro Jahr waren. In den zwanziger Jahren begann mit dem britischen Mandat, die Patenschaft eines fortschrittlichen Landes um dem rückständigen Gebiet auf die Beine zu helfen. Bestandteil des Mandates war auch die Schaffung einer Heimstatt für das jüdische Volk durch Besiedelung, dort wo es die Anderen nicht störte.
Während der gesamten Mandatszeit gab es Unruhen zwischen Arabern und Juden. Dies obwohl der Peel Kommission zufolge, die 1936 für einige Monate im Land weilte, die Araber von dem jüdischen Aufbau profitierten. Die Kommission kam zu dem Ergebnis das es gemeinsam nicht geht, also müsse, entsprechend der demografischen Verteilung, geteilt werden. Die Situation verschärfte sich als durch den zweiten Weltkrieg hunderttausende Juden ins Land kamen. Der Teilungsvorschlag, der auf den Erkenntnissen der Peel-Kommission basierte, kam auf den Tisch. Er wurde aber von der Arabischen Liga abgelehnt und so kam es 1948 zum Unabhängigkeitskrieg. In der Unabhängigkeitserklärung wurden die Araber im Land aufgefordert sich am Aufbau zu beteiligen. Die Arabische Liga hingegen forderte die arabischen Bewohner zur vorübergehenden Räumung auf damit man das zionistische Gebilde ungestört vernichten könne. Einige leisteten dem Aufruf Folge, andere flohen aus Angst. Es gab feindlich gesinnte Dörfer und solche mit denen man Stillhalteabkommen hatte.
1967 griff Israel Ägypten und Syrien an um ihnen zuvorzukommen. Es lief besser als erwartet und so wurden Gazastreifen, Westjordanland und die Golanhöhen erobert. Die eroberten Gebiete wurden nicht besiedelt um als Faustpfand für den Frieden dienen zu können. Nach dem fast verlorenen Yom-Kippur Krieg von 1973 und nachdem die Likud 1977 die Regierung stellte, änderte sich die Auffassung. Man setzte von nun ab auf Sicherheit durch Präsenz. Seither und bis Abschluss des Oslo Abkommens wurden Siedlungen gebaut. Der Bau von Siedlungen ist legal, da die Zone C im Westjordanland rechtlich gesehen noch nicht verteiltes Mandatsgebiet ist, dem Mandat zufolge die Besiedelung durch Juden legitim ist und es seit dem Niedergang des Ottomanischen Reiches keinen legalen Souverän in dem Gebiet gab.
Mit dem Abschluss des Osloer Abkommens von 1993/95 verwalten sich die Palästinenser selbst, wobei immer noch die aus Sicherheitsgründen notwendige Kontrolle ausgeübt werden kann. Darüber hinaus wurde der Gazastreifen 2005 geräumt.

Sonntag, 26. November 2017


Bemerkungen zum Tempelberg (Ver. 2.0)

 

Vorwort


Wann immer etwas auf dem Tempelberg passiert, oder etwas was mit ihm zu tun hat, geht ein Rauschen durch die Medienlandschaft und Millionen Muslime regen sich auf.
Über den Tempelberg kann man nicht nur Bücher, sondern ganze Büchereien schreiben. Aber darum geht es mir nicht. Hier soll der Leser in möglichst kurzer Form jene Informationen finden die nötig sind um die Zusammenhänge zu verstehen.

Die Klagemauer während des einwöchigen Laubhüttenfests
2015 begann eine Welle der Gewalt mit Ausschreitungen ebendort. Jede Menge Beiträge und Kommentare in den Medien. Die Einen berichteten mehr über randalierende arabische Jugendliche, die Anderen mehr über gutausgerüstete, schwerbewaffnete israelische Polizisten – je nach Gusto. Nur das wesentliche fehlte: eine Erklärung der Hintergründe.
2015 fiel das jüdische Neujahrsfest mit dem muslimischen Eid al Adha zusammen. Der Tempelberg war wie immer an muslimischen Feiertagen voller Gläubiger und der Vorplatz der Klagemauer war wie immer an jüdischen Feiertagen voller Gläubiger.

Quelle: siehe (1)

In Bildern



Das wesentliche kann man ganz einfach durch das anschauen von Bildern verstehen. Leider habe ich keine eigenen Luftbilder, es gibt aber einige passende in dem oben angegebenen Link zu sehen. Im obersten Bild sieht man die gesamte Altstadt, mit einem Teil der Neustadt im Hintergrund und dem Tempelberg im Vordergrund. Vorne in der Mitte, mit dem schwarzen Dach die al-Aqsa Moschee und dahinter mit der goldenen Kuppel der Felsendom. Links, etwas oberhalb der Moschee ist der Vorplatz der Klagemauer erkennbar.
Geht man weiter runter und klickt auf Bild 9 bekommt man es in besserer Auflösung. Nun kann man deutlich die Klagemauer mit dem gesamten Vorplatz im Vordergrund erkennen. Hier kann man den eingeschossigen Bau auf dem Tempelberg, der den oberen Abschluss der Klagemauer bildet, deutlich sehen. In Bild 11 sieht man dasselbe von Süden aus. Vorne die al-Aqsa Moschee, in der Mitte der Felsendom, links davon die Klagemauer. Sie ist eine der Böschungsmauern des Tempelberges. Man muß also lediglich auf das Flachdach eines eingeschossigen Baus klettern um vom Tempelberg aus den ganzen Vorplatz der Klagemauer zu Füßen zu haben.
In Bild 27 kann man rechts vom Felsendom, vorne in der Mauer einen Turm erkennen. In ihm zwei zugemauerte Bögen. Vor ihm muslimische Gräber. Es ist das Goldene Tor, durch das jüdischen Überlieferungen zufolge, einst der Messias nach Jerusalem Einzug halten soll. Der Messias wird ein Kohen sein (Nachfahre jener die für den Tempeldienst bestimmt waren) und die dürfen im wahrsten Sinne des Wortes nicht über Leichen gehen. Hier kann man sehen wie sich Religion auf Stadtplanung auswirken kann.

Ohne Gefühl, Morphologie und Baugeschichte


Der Tempelberg war ursprünglich ein felsiger Hügel der von ebensolchen Hügeln umgeben war. Der erste Tempel wurde um 960 v.Chr auf ihm erbaut und stand 374 Jahre dort bis er von den Iranern, pardon den Persern, um 586 v.Chr zerstört wurde. Bereits 70 Jahre später, im Jahre 516 v.Chr wurde dann der zweite Tempel eingeweiht und stand dort bis zur Zerstörung durch die Römer um 70 n. Chr., also 586 Jahre lang. Damit der Tempel auf dem Hügel von riesigen Höfen umgeben sein kann, die dem Menschenandrang Rechnung tragen können, ließ König Herodes ein etwa 300 x 480m. großes, künstliches Plateau erbauen. Es existiert bis in den heutigen Tag und ist das was wir heute als Tempelberg kennen. Ein kleiner Teil einer der Böschungsmauern ist die Klagemauer.
Insgesamt stand an diesem Ort 960 Jahre lang ein jüdisches Heiligtum.

In Byzantinischer Zeit hat dort wahrscheinlich ein Kloster gestanden.
621 Jahre nach der Zerstörung des zweiten Tempels und 70 Jahre nach der „Nachtreise“ Mohammeds, wird 691 n.Chr. der Felsendom eingeweiht, gefolgt 715 n.Chr. von der ersten al-Aksa Moschee. Der Felsendom ist das älteste, heute noch erhaltene Werk islamischer Architektur. Der Initiator des Baues, der Kalif Omar, wollte an dem Ort ein alternatives Machtzentrum zu Mekka und Medina errichten.

Zuviel Gefühl? Bedeutung des Ortes


Beim Jüdischen Neujahrsfest wünscht man sich gegenseitig das nächste Jahr in Jerusalem zu sein und selbst wenn man als Jude ein Dankgebet für das Essen sagt ist auch hier von Moriah, Zion und Jerusalem die Rede.
Um sich auf sein Gebet konzentrieren zu können wird nach Geschlecht getrennt.
Männer auf der linken Seite, Frauen auf der Rechten.
Dieser Ort hat seinen Stellenwert für uns Juden wegen dem ersten Buch Mose, Absatz 22. Abraham soll mit seinem Sohn zu einem Ort im Hügelland Moria kommen der ihm vom Herrn gezeigt werden wird. Um den Sohn zu opfern wie es scheint. Doch es kommt nicht dazu, denn in der Legende geht es darum klarzumachen daß das Judentum nicht nur mit nur einem G-tt, sondern auch ohne Menschenopfer auskommen muß. Bevor man sich nun als aufgeklärter Westeuropäer an den Kopf fasst, sollte man sich vergegenwärtigen daß dieses Vorkommnis etwa 3500 Jahre zurück liegen soll, als Menschenopfer durchaus zur religiösen Praxis gehörten. Wie Moorleichen beweisen, nicht nur im Orient.
Hier findet ein Paradigmenwechsel statt: das Geschöpf existiert nicht um seinem Schöpfer zu dienen, sondern der Schöpfer hat die Schöpfung erschaffen um des Geschöpfes willen. Eine solche Sichtweise räumt dem Geschöpf natürlich Freiheiten ein. Will man den Schöpfer erfreuen, braucht es keine Menschenopfer, sondern lediglich ein Leben seinen Geboten zufolge.
Auch soll von diesem Felsen aus der Herr die Welt erschaffen haben. Eigentlich unlogisch, aber es geht hier um Glauben.
Aus diesen Gründen werden an derselben Stelle später zwei jüdische Tempel in Folge gebaut. Und daher kommt etwa 1000 Jahre später der Gründer der christlichen Religion an diesen Ort und etwa 600 Jahre nach ihm auch der Gründer des Islam, allerdings in einer Vision.

Der muslimischen Tradition zufolge begann hier der Aufstieg Mohammeds himmelwärts vom Tempelberg, wo er den Koran in Empfang nehmen sollte. Direkt erwähnt wird der Ort im Koran aber nicht.

Der islamische Anspruch auf das Tempelbergplateau beruht ausschließlich auf Mohammeds Selbstbeschreibung dieser Nachtreise, die aber nicht einmal Jerusalem, sondern eine "Äussere Moschee" benennt. Ob Traum oder Realerfahrung war schon bei den Zeitgenossen der Quraisch Sippe in Mekka als unglaubwürdig verworfen worden und ist zwischen Schiiten und Sunniten bis heute umstritten.
Auch ein naher Verwandter des Propheten -Mohammed ibn al-Hanafiya (638-700) verunglimpft die Ansicht, dass der Prophet jemals einen Fuß auf den Felsen in Jerusalem gesetzt habe; “diese verdammten Syrer", womit er die Omajjaden meint, "tun so, als ob Allah Seinen Fuß auf den Felsen in Jerusalem setzte, obwohl [nur] eine Person jemals den Felsen betrat, nämlich Abraham."

Der historischen Gerechtigkeit zugute sollte aber auch gesagt werden daß es ebenjene Moslems unter dem Kalifen Omar waren, die 638 n.Chr. den Juden die Wiederkehr in die Stadt erlaubten. Und als Sultan Saladin die Stadt im Jahre 1187 von den Kreuzrittern erobert, erlaubt auch er den Juden wieder in der Stadt zu wohnen.

Jerusalem wird im Alten Testament 699-mal, Zion (Synonym für Jerusalem, manchmal auch für das ganze Land Israel) 154-mal, insgesamt also 823-mal erwähnt. Die christliche Bibel erwähnt Jerusalem 154-mal und Zion 7-mal. Der Koran kein einziges Mal.

Quelle: siehe (2)

  

Heiligkeit/Religion



Um die Bedeutung dieses Ortes zu erfassen muß man sich mit dem Stellenwert von Glauben und Religion befassen.
Die Aufklärung warf der Religion vor sie sei ein Instrument um Gläubige einfach und bequem mithilfe des Glaubens zu lenken. Wenn ich Aufgeklärt bin brauche ich keine heiligen Stätten, folglich kann es auch keinen Streit darum geben. Selbst die Gräber von Descartes, Leibnitz, Lambert und Kant als Wallfahrtsorte brauche ich nicht – wie schön.
Aber bedeutet dies das Glauben von vorneherein etwas Schlechtes ist? Wenn sich Jahrtausende lang Menschen darüber Gedanken machen wie man menschliches Zusammenleben gestalten und regeln kann, sammelt sich dabei eine Unmenge von empirischem Wissen an.
Ist der Ruhetag einmal in der Woche eine Erfindung der Gewerkschaftsbewegung? Das Sie ihren Nachbarn nicht umbringen wenn Sie mit ihm Meinungsverschiedenheiten haben, das Sie es sich zweimal überlegen bevor Sie mit seiner Frau fremdgehen, das Sie sich an die Polizei wenden wenn Sie betrogen worden sind und nicht den Betrüger und auch gleich seine ganze Sippe umbringen – sind dies alles Errungenschaften der modernen Rechtsprechung? Nein, all dies steht schon in den 10 Geboten, im Alten Testament.
Briefkasten des Herrn: man kann eine Bitte auf einen Zettel schreiben
und irgendwo in der Mauer in einen Spalt stecken.
Und nun stellen Sie sich vor das es in Ihrer Umgebung Orte gibt die mit diesen uralten Geboten in direkter Verbindung stehen sollen.
Man überlege sich was es einem Kölner Katholiken macht daß sich der Dreikönigsschrein im dortigen Dom befindet. Man kann die Authentizität anzweifeln, aber wenn es sich vielleicht doch um Caspar, Melchior und Balthasar handelt, würden hier Glaubensinhalte anfassbar. Und wie wäre es um die gebotene Friedfertigkeit bestellt wenn Andersgläubige den Kölner Katholiken den Anspruch auf den Dreikönigsschrein streitig machen wollten? Gleiches gilt für die Machpelah Höhle in Hebron, die Klagemauer und Mekka.
Die Machpelah Höhle ist der Ort wo die Vorväter und Mütter begraben sind – in den alten Schriften findet sich eine genaue Ortsangabe. Sie können nach Hebron fahren und über der Grabeshöhle die im Alten Testament, in Mose1, Kapitel 23 beschrieben ist, beten. Als Aufgeklärter kann man natürlich behaupten daß die Authentizität des Ortes nicht nachweisbar ist. Selbst wenn dies eine Höhle mit Skeletten in Hebron ist, es kann sein daß dies die falsche ist, weil es vielleicht noch eine gibt.
Nicht alle sind durch die Heiligkeit des Ortes ergriffen...
Mit der Authentizität der Klagemauer sieht es schon besser aus. Sie gilt als solch ein anfassbarer Beweis dafür daß der Tempel existiert hat und wird so zum Symbol dafür daß wir Juden eine Bindung zu diesem Ort haben. Wenn auch der Wakf Ausgrabungen zu verhindern sucht, die hebräischen Steinmetzzeichen der Mauerblöcke sprechen im wahrsten Sinne des Wortes eine deutliche Sprache. Der traditionelle und der religiöse Normal-Israeli wächst in dem Bewusstsein auf das hier der Herr durch Abraham und Isaak die Menschenopfer–nein-danke Doktrin in die Welt gesetzt hat und hier die Tempel standen. Das ist für die Realität das wesentliche: Menschen glauben an etwas und handeln danach.
Endlose Streitereien um heilige Orte lassen Religion und Überlieferung in einem schlechten Licht erscheinen. Religion ist aber nicht von vorneherein schlecht. Schlecht ist wenn man ihre Errungenschaften nicht respektiert und noch schlechter wenn man ihre Inhalte missbraucht.

Status Quo

Vor dem Sechstage-Krieg war die Klagemauer, wie auch das jüdische Viertel der Jerusalemer Altstadt für Juden 19 Jahre lang nicht zugänglich da sie jenseits der Grünen Linie liegen.
Das jordanische Königshaus hat in der Mandatszeit das Schlüsselrecht für den Tempelberg bekommen. Es setzt den Wakf ein, eine muslimische Körperschaft für die Verwaltung religiöser muslimischer Stätten die den Ort verwaltet. Nachdem Nord- Ost- und Südjerusalem 1967 von Israel erobert wurden, beließ Verteidigungsminister Dayan erstaunlicherweise die Verwaltung bei dem Wakf. Der dabei festgelegte Status Quo besagt daß dieses Areal zweimal am Tag außer Freitags von Nichtmoslems betreten/besucht werden darf. Beten ist Nicht-Moslems nicht erlaubt, wohl aber der Besuch des schönen Haram al Sharif, des Felsendomes. Für Sicherheit und Archäologie ist Israel zuständig.
Wieso übergibt der Oberbefehlshaber einer siegreichen Armee die Verwaltung eines Ortes, der seiner Religion als heilig gilt, den Vertretern des Gegners?


Als der erste und der zweite Tempel noch existierten, gab es eine Hierarchie von Zonen - eine äußere die auch von Nichtjuden betreten werden durfte, eine die auch von Frauen betreten werden durfte, eine die von allen jüdischen Männern betreten werden durfte, eine die für die Priester reserviert war und ins Allerheiligste durfte nur der Hohepriester nur am Busstag. Heute sind diese Zonen nicht mehr erkennbar, obwohl man davon ausgehen kann daß das Allerheiligste - dort wo die Bundeslade mit den Gesetzestafeln aufbewahrt wurde - etwa dort war wo heute der Felsendom steht.


Suchbild: wer genau hinschaut sieht etwas unerwartetes.
Wenn man heute auf dem Plateau rumspaziert könnte es sein daß man dies unwissentlich in einem Bereich tut den man nicht betreten dürfte, stände der Tempel noch. Daher sind die meisten Rabbiner der Meinung man solle den Tempelberg als Jude gar nicht erst betreten.
Merke: während der Wakf Andersgläubigen das Beten auf dem Tempelberg untersagt, untersagen die Rabbiner nur den eigenen Leuten das Betreten des für sie heiligsten Ortes – nicht den Anderen.
Erstaunlich ist auch das der Status Quo kein geschriebenes Dokument ist, sondern eine mündliche Abmachung.
 

Wakf

Auf dem Gelände gelten die Gesetze Israels, was unter anderem bedeutet dass der Wakf Bau- und Grabungsarbeiten nur in Abstimmung mit der Archäologiebehörde ausführen darf. 1996/2005 wurde die Al Aqsa Moschee um einen Gebetsraum für 7000 Gläubige an der Südostecke des Plateaus unterirdisch erweitert. Zum einen ist es das einzige Beispiel einer unterirdischen Erweiterung einer Moschee daß ich kenne, zum anderen war der Aushub von unschätzbarem archäologischem Wert, da sich ja direkt unter dem heutigen Fußboden die Reste der beiden Tempel befinden. Israelische Archäologen mussten die 300 LKW Ladungen (etwa 13.000 Tonnen) Aushub ausfindig machen um sie zu sieben. Dabei wurden einige wichtige Funde gemacht. Die Arbeiten dauern bis zum heutigen Tag an.
Es gab keine Folgen für den Wakf wahrscheinlich weil der Staat Israel sich nicht mit 1,5 Milliarden Moslems anlegen wollte.
Der Wakf versucht mit allen Mitteln archäologische Grabungen auf dem Tempelbergplateau zu verhindern, da man die Existenz eines Tempels an dem Ort leugnet und offensichtlich daß Auffinden von archäologischen Beweisen für seine Existenz verhindern will.
Quellen: siehe (3 – 5)


Alltag

Das jüdische Viertel gegenüber der Klagemauer.
Während der jordanischen Besetzung völlig zerstört,
nach dem Sechstage Krieg neu aufgebaut
gilt es heute als Siedlung da es jenseits der Grünen Linie liegt
Faktisch ist der Tempelberg mit Al Aqsa Moschee und Felsendom den Moslems zugänglich und die Klagemauer uns Juden. Weil Israel dem Status Quo zufolge für die Sicherheit verantwortlich ist stehen an jedem Zugang zum Tempelberg ständig zwei oder mehr Grenzschützer/Polizisten. Beim Freitagsgebet und besonders an Feiertagen der Moslems herrscht oft großer Andrang und wenn die Polizei oder das Militär die Vermutung haben es könne zu Ausschreitungen kommen wird der Zugang für Männer begrenzt. Meist auf das Alter von zwischen 40 oder 50 Jahren.
Der obere Abschluss der Klagemauer ist ein eigeschossiger Bau auf dem Tempelberg. Von seinem Flachdach könnte man bequem Steine und sonstiges runter in den Vorbereich der Klagemauer werfen. Bewaffnete Grenzschützer sind auf dem Dach eines historischen Turmes postiert um dies zu verhindern.
Bis zu den Vorkommnissen im September 2015 galt eine ungeschriebene Vereinbarung, die besagte daß die Polizei wohl auf dem Tempelberg eingreift, nicht aber in die Al–Aqsa Moschee eindringt.
Die Sicherheitskräfte sind auch da um eine Gruppierung von jüdischen Aktivisten mit dem Namen "Treuhänder des Tempelberges" vom Betreten des Areals abzuhalten. Diese wollen den Felsendom und die Al – Aqsa Moschee irgendwie wegmachen um den Bau des Dritten Tempels schon mal vorzubereiten nach dessen Fertigstellung dann, den Schriften zufolge, der Messias erscheinen soll. Gewissermaßen um sein baldiges Erscheinen zu erzwingen.
Dieses Erscheinen würde auch nötig sein, da nach einem solchen Vorfall die Hölle los sein würde...

Besucher oder Extremisten?

Abbas beschuldigte im Jahre 2015 Israel, die Region in einen "zerstörerischen Religionskrieg" zu stürzen. Israel müsse seine "Siedler und Extremisten von der Al-Aqsa-Moschee und dem Tempelberg fernhalten", forderte er in seiner Rede zum zehnten Todestag von Palästinenserführer Jassir Arafat. Ihr Auftreten sei eine Provokation.
Der Grund: in den letzten Jahren hat sich die Zahl der Besucher verdoppelt!
Als Gegenmaßnahme hatte die Islamische Bewegung in Israel die Murabitat gebildet – die Verteidiger des Glaubens. Es funktionierte so: wenn ein Wakf Vertreter am Eingang zum Berg verdächtige Personen sah, telefonierte er mit den Murabitat, meist eine Gruppe von älteren Frauen, die unweit des Einganges auf dem Tempelberg saß. Sobald sich die Verdächtigen näherten brach ein lautes "Allah hu Akbar"- Geschrei los. Im September 2015 wurde diese Gruppierung von der Regierung verboten.
Quelle: siehe (6)
Ein Vergleich zur Illustration. Wieder mit dem Dom. Man stelle sich vor: der Kölner Dom dürfte nur von Katholiken betreten werden und die Domplatte stünde nur an Wochentagen Andersgläubigen offen, wobei der Erzbischof von Köln von der Stadtverwaltung eine Zugangsbeschränkung für Nicht-Katholiken auf die Domplatte erstreiten möchte. Bei jedem Gerücht eine grosse Nicht-Katholische Besuchergruppe betreffend, stünden sofort die katholischen Pfadfinder "Gewehr bei Fuss" und eigens dafür herangefahrene Reisegruppen von Katholiken und Katholikinnen würden jedem suspekten Besucher das "Vater Unser" oder ein Mariengebet entgegenschreien...
Deutlich ist die hölzerne Rampe zu erkennen. Sie ist der einzige
Zugang für Nicht-Moslems auf den Tempelberg.
Im Vordergrund eine Laubhütte.
Den Tempelberg kann man als Nicht – Moslem von Montag bis Donnerstag, Vormittags und Nachmittags besuchen. Dabei kann man den Haram –a-Sharif, den Felsendom mit seinen wunderschönen Mosaiken und der goldenen Kuppel besichtigen, nach einem Brandanschlag eines christlichen Besuchers in den 90ger-Jahren betritt aber kein Nicht-Moslem mehr die Al-Aqsa Moschee.
In letzter Zeit gibt es Rabbiner, wie Jehuda Glick, die eine Umrundung des Geländes befürworten, weil dies eine Möglichkeit ist Präsenz zu demonstrieren ohne gegen die Zugangsbeschränkungen von Einst zu verstoßen. Und so haben Nationalreligiöse jüdische Aktivisten das Besuchsrecht dazu genutzt in grossen Gruppen auf den Berg zu kommen um ihn zu besichtigen und zu singen – und wer weiß, wahrscheinlich in dem Getümmel auch zu beten.
Konkrete Zahlen habe ich in der בשבע  (BeSheva) Zeitung vom 14,4,16 gefunden. Dem nationalreligiös orientierten Blatt zufolge kamen im Jahr 2009 5.658 jüdische Besucher, im Jahr 2014 11.754 jüdische Besucher, im Jahr 2015 11.001 jüdische Besucher auf den Tempelberg.
Von jährlich 5.658 auf rund 11.754 Besucher. Die jüdischen Besucher kommen meist rund um die jüdischen Feiertage. Gehen wir mal davon aus das 6.000 Besucher sich weiterhin auf die etwa 200 Besuchstage pro Jahr verteilen. Das sind 30 Besucher pro Tag. Die 5.754 Anderen kommen geballt an den rund 18 jüdischen Feiertagen – macht etwa 320 zusätzliche Besucher an einem solchen Tag die das 300 x 480m. große Areal umrunden.
Quellen:
(2)   Middle East Forum Danielpipes über wissenswerte Umstände des moslemischen Anspruchs auf den Tempelberg http://de.danielpipes.org...
  Zu den unkontrollierten Grabungen des Wakf:
(3)   http://en.wikipedia.org/wiki/Excavations_at_the_Temple_Mount
(4)   http://en.wikipedia.org/wiki/Temple_Mount_Sifting_Project
(5)   http://www.echad.info/sifting/media/jpost14-4-05.html
(6)   https://en.wikipedia.org/wiki/Murabitat