Posts mit dem Label Propaganda werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Propaganda werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 25. August 2022

Apartheidsstraßen im Westjordanland? Selber nachprüfen.

Neulich hat mich wieder einmal jemand im Forum von „Der Standard“ mit der Behauptung geärgert hier im Westjordanland wären sogar die Straßen für Israelis und Palästinenser getrennt. Bei meiner Suche nach einem Gegenbeweis bin ich auf den folgenden Videoclip gestossen:

https://www.youtube.com/watch?v=sJXtpa8R6so

Da hat jemand einfach eine Busfahrt im November 2021 von Jerusalem aus zur Jordansenke gefilmt. Am kleinen grünen X an dem Fahrkartenhalter kann man erkennen daß es sich um einen israelischen „Egged“ Linienbus handelt. Man kann sich den Clip anschauen und selber nach israelischen und palästinensischen Kennzeichen suchen. Auf dem Weg kommt man auch an einigen Orten vorbei die im neuen Testament und in der Weltpresse von sich reden gemacht haben. Ausserdem kann man einen Teil der zahlreichen Beduinencamps entlang dieser Schnellstraße sehen.

Damit es leichter fällt und schneller geht gebe ich im folgenden für alles meiner Meinung nach wichtige Minutenangaben an, darunter auch die Autos mit palästinensischem Kennzeichen.

Meine Behauptung: auf dieser wichtigen Schnellstraße (die Nr. 1), die von Tel Aviv kommend über Jerusalem bis zur Jordansenke führt, kann man hinter Jerusalem, also im Westjordanland israelische wie palästinensische Autos sehen. Getrennt sind nur die Zufahrten zu den einzelnen Orten und ein Sonderfall (den wir sehen werden) um den Palästinensern einen Checkpoint zu ersparen.

Erläuterung: Gelbe Minibusse sind palästinensische Sammeltaxis, weisse Kennzeichen, grüne Kennzeichen = Palästinenser, Gelbe Kennzeichen = Israelis.

Los geht’s:

Minute 4:08 Baustelle für den Tunnel unter dem French Hill,

ab 5:10 ist das in Bau befindliche Park and Ride Parkhaus am French Hill über dem Tunneleingang zu sehen.

Israelischer Alltag: 5:50 da der Abschleppwagen in der Haltebucht des Busses parkt, wie auch ein PKW, kann der Bus diese nicht benutzen und blockiert so die eine Fahrspur runter zum Jordantal. 6:43 hier sieht man die versteckte Ampel über die ich mich jedesmal ärgere.

7:08 die Skyline des Shuafat Flüchtlingslagers taucht auf.

7:24 die Baustelle für den Tunnelausgang.

7:54 die Abfahrt zur Tankstelle von Issawieh, das zu Ost-Jerusalem gehört und von Ost-Jerusalemern betrieben wird. Rechts die Häuser von Issawieh, links die von Shuafat.

8:50 die Kreuzung rechts nach Issawieh, links der Sonderfall, die berüchtigte "Apartheidsstraße", bei uns 4370 oder auch östliche Ringstraße genannt. Hier sieht man die Einmündung des Teils für israelische Autos. Parallel dazu führt die Straße für palästinensische Autos hinter der Absperranlage, die etwas weiter so in eine Anschlussstelle mündet daß die palästinensischen Autos separiert bleiben. Den palästinensischen Autofahrern wird so ein zusätzlicher Checkpoint erspart. An den Strassenlaternen kann man sehen das die separate Strasse links hinter der Trennmauer verläuft.

9:43 die „Mechlaf Ha Seitim“ genannte Anschlussstelle kommt ins Bild. Links geht es nach Ost- Jerusalem, rechts zum Ölberg.

10:02 unter der Brücke der Östlichen Ringstraße durch geht es in eine Unterführung.

10:35 links der Checkpoint nach Jerusalem hin, von rechts hintereinander zwei Einmündungen für die aus Ost-Jerusalem kommenden Autos.

10:54 links das bei „Kennern“ berühmt berüchtigte E1 (separater Beitrag im Blog),

11:44 die Abfahrt nach Maale (wenn Sie mich besuchen wollten)(separater Beitrag im Blog). Im Hintergrund auf dem rechten Hügel die Häuser von Azariah und auf dem linken die von Maale.

12:58 Anschlussstelle Maale Adummim. Hier kommen die Autos der Palästinenser, von Azariah und Abu Dis kommend, dazu.

13:42 gerademal ein Schuppen ist zu sehen, aber links liegt direkt an der Straße das Beduinencamp Khan al Ahmar. Es war in der Weltpresse als es geräumt werden sollte, (separater Beitrag im Blog) was bis heute nicht geschehen ist.

15:21 Die vielen parkenden Autos mit weissem Kenzeichen gehören Palästinensern die im rechts gelegenen Mishor Adummim Industriegebiet arbeiten.

15:23 rechts der Abzweig nach Mishor Adummim,

15:30 Ein gelber Minibus mit grünem Kennzeichen ist ein palästinensisches Sammeltaxi. Er biegt an der Ampel links in Richtung Hizmeh ab.

15:59 Beduinencamp rechts.

16:33 Beduinencamp links.

16:40 Palästinensischer Kia Forte,

17:17 die gelben Poller an der Bushaltestelle (Kfar Adummim) sollen verhindern daß die Wartenden von einem palästinensischen Auto angefahren werden.

17:47 Links und rechts oben die Gebäude des „Barmherzigen Samariter“.

17:57 Abzweig zum Barmherzigen Samariter, hier befand sich zu ottomanischen Zeiten eine Zollstation, heute ein Museum mit Mosaiken aus dem gesamten Westjordanland.

18:27 – 18:40 rechts im Tal noch ein Beduinencamp.

19:08 rechts noch ein Beduinencamp.

19:13 Palästinensischer Minibus.

19:31 der Abzweig zum recht bekannten Wadi Qelt,

19:38 Palästinensischer Skoda Octavia links.

20:47 Abzweig zum „Meeresspiegel“.

21:02 in dieser Gegend ändert sich vieles sehr schnell und manches gar nicht. Wer genau hinschaut sieht rechts das Kamel, zum erstenmal habe ich es 1967 neben dem Felsen gesehen, noch bevor der grüne Strich die Lage des Meeresspiegels angab (21:03). Touristen können das Kamel für ihre Urlaubsfotos erklimmen. Bezahlung beim irgendwo im Schatten nebendran sitzenden Beduinen.

22:16 Palästinensischer grauer Skoda Octavia rechts.

23:30 links die Strasse nach Jericho.

23:43 Bis auf zwei haben alle anderen Linksabbieger ein palästinensisches Kennzeichen. An der Strasse Cafes und Baumschulen von Betreibern aus Jericho.

25:20 300m unter dem Meeresspiegel. Rechts, nicht zu sehen, das Tote Meer, vor uns, auch nicht zu sehen, Jordanien.

25:46 links geht es auf den Nordteil der Schnellstraße Nr.90, die an der Jordansenke entlangführt. Fährt man weiter geradeaus macht die Schnellstraße Nr. 1 einen Bogen nach rechts und wird zum Südteil der Nr. 90.

26:40 Palästinensischer weisser Minibus.

27:21 Palästinensischer Kleinlaster in Gegenrichtung,

28:57 Palästinensischer Sattelschlepper.

30:06 „St. Gerasimos“. Benannt nach einem asketischen Mönch der einen Löwen gezähmt haben soll. Noch ein palästinensischer Sattelschlepper.

30:27 Und noch ein palästinensischer Sattelschlepper.

30:30 Palästinensischer Ford Focus,

31:25 Palästinensischer grauer Opel Astra.

32:37 „Kasser al Jahud“ – die Taufstelle am Jordan.

33:01 Palästinensischer schwarzer VW Caddy.

34:10 Kreuzung rechts geht es zum Grenzübergang Allenby Brücke und links nach Jericho.

34:36 eines der roten Schilder auf denen steht das Israelis das Fahren auf dieser Straße verboten ist.

Freitag, 22. Juli 2022

 

Empfehlenswerte Quellen, Version 2.0

Die Israelische Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus daß man in ihr alles finden was man sucht, vom sattsam bekannten, mit der Bibel fuchtelnden Ultraorthodoxen Siedler bis zum Ultralinken jüdischen Israelkritiker. Das wiederum erlaubt es den Journalisten auszuwählen, zu editieren um dann nicht etwa eine komplexe, schwer durchschaubare Realität, sondern ein griffiges Schwarz-Weiss Bild darzustellen. Daß sieht spannend aus, gibt aber nicht die Israelische Realität wieder. 
 
Das Grab der Patriarchen mit Hebron drumherum an einem ruhigen Tag.

Um tendenziösen Journalismus etwas entgegenzusetzen muß man ihn erkennen können. Im folgenden einige Links die dabei helfen sollen:

Eine gute Übersicht ist "Israel kurzgefasst", verfasst von Gisela Dachs und herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Auch "Israel - Traum und Wirklichkeit des jüdischen Staates" von Michael Brenner bei C.H.Beck erschienen, netto 235 Seiten, halte ich für empfehlenswert.

Alle desweiteren angegebenen Links führen auf englischsprachige Internetseiten.

Was denken eigentlich die Palästinenser selbst über den Konflikt? Seit über 20 Jahren befasst sich
Dr. Khalil Shikaki mit dieser interessanten Frage. Er hat es sogar 2003 gewagt die Vertriebenen zu fragen ob sie vom Rückkehrrecht überhaupt Gebrauch machen wollen was ihm ziemlichen Ärger von der PA eingebracht hat. Meiner Ansicht nach eine der wenigen wirklich um Objektivität bemühten Quellen auf palästinensischer Seite.
 https://www.pcpsr.org/

Und was denken wir Israelis? An englischsprachigen Quellen zu dem Thema mangelt es nicht.

Was die Israelischen Medien angeht gilt die in Deutschland gern zitierte Haaretz (= das Land) hier als Linksaussen. Ihr Anteil liegt bei gerade mal 5%

"Yedioth Acharonot" (= Letzte Nachrichten) mit 38% Anteil und "Jerusalem Post" und die "Times of Israel" liegen mehr im Mainstream. Hier die Links:


 
 https://www.timesofisrael.com/


Vielgelesen ist auch die gut gemachte "Israel Hayom" (= Israel Heute) auch mit 38% Anteil.


Allerdings muß man wissen daß die Druckausgabe umsonst verteilt wird und von einem Netanyahuunterstützer gegründet wurde. 
 
Die israelische Zivilbehörde die für den Kontakt mit palästinensischen Zivilisten zuständig ist hat eine eigene Internetseite. Eine interessante Quelle wenn man die Unterstellungen der NGO's nicht ungeprüft übernehmen möchte.
 
https://www.gov.il/en/departments/news?OfficeId=f79320cc-188a-43ed-84f2-6b60fe464ad4&skip=0&limit=10

Sie können sich vorstellen daß die Palästinenser auch im Unrecht sein können? Dann können Sie bei "Regavim" reinschauen, eine israelische NGO die den Palästinensern und den Beduinen im Negev auf die Finger schaut.

https://www.regavim.org/

Pro-Israelische Juristen zum Human Rights Watch Report: 

https://www.ilfngo.org/_files/ugd/3445b6_5be4f0805cf04c8ca8f95967b16ef4a0.pdf


Pro-Israelische Juristen zum Amnesty Report: 

 https://www.ilfngo.org/_files/ugd/3445b6_d83af1064ef84d3794bb102c12dd3eea.pdf

Interessant sind die Dokumente der Briten aus der Mandatszeit weil hier eine dritte Seite mit einem bekannten Wertsystem die Lage betrachtet und beurteilt. Hier finden sich Hinweise auf Fragen wie z.B. inwieweit haben die einwandernden Juden das Land aufgebaut und haben die Auseinandersetzungen erst mit der Besetzung des Westjordanlandes oder mit dem Unabhängigkeitskrieg angefangen.
Interessant übrigens daß es bis vor einigen Jahren möglich war diese Berichte auf der UN eigenen Internetseite der UNSIPAL einzusehen - mittlerweile aber nicht mehr.

Das Mandat

https://www.jewishvirtuallibrary.org/text-of-the-british-mandate-for-palestine

REPORT for 1921

https://archive.org/details/report-admin-palestine-1920/page/n15/mode/2up

REPORT for 1922


REPORT for 1923

https://yplus.ps/wp-content/uploads/2021/01/Palestine-%E2%80%93-Report-by-His-Britannic-Majestys-Government-on-the-Palestine-Administration-1923.pdf

REPORT for 1936




Freitag, 28. September 2018

Vor der eigenen Haustüre - Khan al-Ahmar



In der letzten Zeit tauchen hier und da Bilder einer Ansammlung von Schuppen irgendwo im Westjordanland immer wieder in der Weltpresse auf. 173 Beduinen (53 Familien) des Jahalin Stammes sollen ihre Behausungen in Khan al-Ahmar in der Judäischen Wüste bis zum 1.10.18 räumen.
Ein Beduinencamp mitten in der Wüste wie man es gewohnt ist...


 Man ist verführt den Text gar nicht erst zu lesen. Wieder arme, wehrlose, indigene Ureinwohner die nun von bösen, traumatisierten Kolonialisten, die selber noch vor drei oder vier Generationen wehrlos waren, vertrieben werden sollen. Kolonialisten denen das ihnen schon zugestandene Territorium nicht genug war und sich bei einer sich bietenden Gelegenheit auch noch den benachbarten Teil, der für die Ureinwohner gedacht war, unter den Nagel gerissen haben, eben weil sie so traumatisiert und böse sind. Letztere werden nun systematisch drangsaliert um sie zu vertreiben – zugunsten der territorialen Expansion der Ersteren.
Stoff der geeignet ist das Weltbild gutmenschiger Israelkritiker zu festigen.
Zu Beginn des Monats September hat die EU eine Resolution gegen die Räumung verabschiedet und bei der letzten Sicherheitsratssitzung der UN am 17.9.18 sprachen sich auch die UN Botschafter von Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Italien, Polen und Schweden dagegen aus.
Wie soll ich sagen? Ich sehe das anders.


...wenn man sich allerdings etwas nach Süden wendet sieht man eine voll ausgebaute 4-spurige Schnellstrasse...
 
Dieser Beitrag soll nicht ein griffiges Gegennarrativ aufstellen das keine Gegenrede mehr zulässt (das wäre Propaganda), sondern mit Bildern und Informationen zu einer ernstzunehmenden Diskussion führen. Nicht Mäuler stopfen, sondern Gehirne füttern.

Gibt man bei Bing „Jahalin“ ein bekommt man etwa 25.000 Treffer.
Es kommt daher daß dieser derzeit 15.000 Seelen zählende Beduinenstamm nicht alleine in der Welt dasteht. bimkom.org, peacenow.org, btselem.org, unwra.org, Dikania, Amnesty, Rabbis for human rights, Roman Catholic Society of St. Yves, The Palestinian human rights group Land and Water Establishment (LAWE) und nicht zuletzt Jahalin.org, sie alle stehen ihnen zur Seite wie man bei den Suchergebnissen sehen kann.

Im Unabhängigkeitskrieg wurde der Stamm aus dem Negev nach Norden vertrieben und lebte auf beiden Seiten der Jordansenke.
Ich hatte Gelegenheit mich mit einer der Gründermütter von Maale Adumim zu unterhalten. Sie hat mit erzählt daß ebenjene Jahalin Beduinen seinerzeit (1975) nur im Winter ihre Herden in diese Gegend hochtrieben. Einfach weil es hier kaum Wasser gab. Das änderte sich Anfang der 80ger mit dem Bau der Wasserleitung nach Maale und Kfar Adumim.
Der Name Khan al-Ahmar ist eigentlich die Bezeichnung für Überreste eines byzantinischen Einsiedlerklosters der mit seiner riesigen Zisterne später als Khan, als Herberge für Karawanen diente. Heute liegt er mitten im Mishor Adumim Industriegebiet, zweieinhalb Km entfernt von den Schuppen die mit diesem uralten und bedeutenden Namen bedacht wurden. Wie alt ist der heutige Khan al-Ahmar? In der folgenden Quelle kann man eine Reihe von Luftbildern sehen. Ihr zufolge tauchten die ersten Bauten um 1980 auf.
https://www.camera.org/article/the-la-times-the-bedouin-of-khan-al-ahmar-and-their-land/
Den jüdischen Anwohnern der nahegelegenen Siedlung Kfar Adumim zufolge, vergeht kein Monat ohne Steinwürfe. Aber das scheint mir nicht das wesentliche.

... warum seine Zelte mit Kindern, Schafen und Ziegen so nahe an der Strasse aufschlagen?
Längst sind die traditionellen Zelte kleinen Gruppen von Holz- und Blechhütten gewichen, was auch darauf hindeutet das ihre Bewohner mittlerweile sesshaft geworden sind. Man würde erwarten daß sie weiträumig auf den Hügeln und Abhängen der judäischen Wüste verteilt wären, da Beduinen meist Schaf und Ziegenherden und auch Kamele halten. Die etwa 30 Camps der Jahalin liegen aber fast ausnahmslos direkt an einer Schnellstraße. Ende 2014 hat die rechte NGO „Regavim“ einen Bericht vorgelegt demzufolge aus 209 Bauten im Jahre 2003 in 11 Jahren 774 Bauten geworden sind.
Eine Fahrt in Richtung Jordantal und zurück...
...der Blick nach Süden...


...Und der Blick nach Norden.
Die Schnellstraße ist nicht irgendeine Schnellstraße. Jerusalem liegt in 800 Höhenmetern auf einem Bergrücken. Nach Osten hin fällt das Terrain bis zum Toten Meer auf minus 400 Höhenmeter ab. Entlang der Jordansenke verläuft die Grenze nach Jordanien. Diese Straße, die Nr.1, ist die für Israel strategisch wichtige West – Ost Verbindung in der Mitte des Landes, die von Tel Aviv kommend über Jerusalem runter zur Jordansenke bis zur Grenze führt.


Und noch eins...

...und noch eins...
Der Palästinenserführung ist die Verbindung von Samaria im Norden und Judäa im Süden wichtig. Hier, östlich von Jerusalem, wo auch der zum Politdrama avancierte Hügel E1 liegt, treffen sich die beiden Entwicklungsachsen.

...und noch eins...
„Regavim“ zufolge, versucht die PA (Palestinian Authority) ein Band von Beduinencamps entlang der Straße zu schaffen. Das kann jeder selber nachprüfen. 
Eine genaue Karte findet sich hier: https://www.btselem.org/map
Östlich von Jerusalem hineinzoomen und entlang der nach Osten verlaufenden Schnellstraße Nr.1 nach den braunen Flecken schauen. Etwa von Bir al-Maskub A über Khan al-Ahmar bis nach Wadi al-Qatif, nachdem die Straße nach Süden abschwenkt. 
 Da beduinische Männer mehrere Frauen heiraten können und 30% von ihnen dies auch tun, sind sie Weltmeister was die Wachstumsrate angeht – sie liegt bei ihnen bei 5,5%. Das bedeutet eine Verdoppelung jeweils innerhalb von 14 Jahren. Wie man an meinen Bildern sehen kann ist der Khan wirklich nicht das einzige Beduinencamp entlang der Strasse.

...und noch einer...
...und noch eins. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Da der Khan al-Ahmar in der Zone C liegt, hat laut Osloer Abkommen Israel die Planungshoheit. Demzufolge kann die israelische Zivilverwaltung (COGAT) den Abriss anordnen.
Es geht auch anders. Zwei Beispiele für Camps die mitten in der Landschaft liegen
Würde es sich um eine entschädigungslose Vertreibung handeln so wäre die mediale und politische Aufregung im Ausland vielleicht noch nachvollziehbar. Als 1997 27 Familien von einem Hügel direkt am Stadteingang von Maale Adumim umgesiedelt wurden, haben sie vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof dagegen geklagt. Dieser entschied daß sie zwar kein Anrecht auf das Land hatten, wohl aber mit einer dauerhaften Lösung entschädigt werden müssen. Wie man im folgenden Link sehen kann, existieren bereits jeweils 1000 Qm große Grundstücke mit Wasser und Stromanschluss am Ortsrand des nahegelegenen, palästinensischen Abu Dis. Jede Frau die sich zur Umsiedlung bereit erklärt erhält ein solches Grundstück. Der Beduine der mehr als eine Frau hat profitiert also. Dazu gibt es eine finanzielle Unterstützung von umgerechnet etwa 10.000 Euro laut „Btselem“ und 117.000 Euro dem Gatestone Institut zufolge. In einer 10 Jahre andauernden Schlacht vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof um alternative Standorte für den Khan hat dieser nun festgelegt daß die Einwände, wie z.B. die Nähe zur Jerusalemer Müllkippe, unbegründet sind.

An dieser Schlacht um die Dominanz der Entwicklungsachsen beteiligen sich seit einigen Jahren auch unerwartete Mitspieler. Die EU und einige ihrer Mitgliedsstaaten.
181 Behausungen und 232 Schuppen wurden von der EU finanziert. Diese Bauten bestehen aus Paneelen die einen Aufbau innerhalb von Stunden erlauben. Da es sich um ungenehmigte Bauten handelt kommt ein EU Aufkleber drauf der ihnen diplomatische Immunität verleihen und so den Abriss verhindern soll.
Wer genau hinschaut kann auf den Bauten die dunkelblauen Aufkleber der EU erkennen.

2014 wurden 11 Mill. Euro allein für die Beduinen in Zone C aufgewendet.

Mehr zu den Hintergründen findet sich bei "Regavim"  hier: 

https://www.regavim.org/category/e1-adumim-region/

und speziell in dem Clip hier:

https://www.regavim.org/how-the-palestinian-authority-cynically-uses-bedouin/ 

Ein solches Vorgehen halte ich aus zwei Gründen für falsch. Zum einen wird die Verhandlungsbereitschaft der Palästinenser herabgesetzt wenn tatkräftig bei der Schaffung vorhandener Tatsachen geholfen wird. Zum anderen ist es moralisch fraglich ob man einerseits 11 Mill. Euro in beduinische Outposts investieren kann, und gleichzeitig lauthals gegen jüdische Outposts protestieren kann.

Der einen Seite helfen vorhandene Tatsachen zu schaffen ist kein probates Mittel um beide Seiten zu einer Verhandlungslösung zu bewegen.

Dienstag, 10. April 2018


 

Narrative

Um Vorgänge einordnen zu können ist es hilfreich die Narrative der beteiligten Parteien zu kennen. Es gibt keine Positionspapiere in denen die einzelnen Narrative festgelegt sind. Sie werden aber über längere Zeit hinweg klarer. Und so ist das was ich hier wiedergebe die Zusammenfassung aus vielen einzelnen Eindrücken über etwa zweieinhalb Jahrzehnte hinweg – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Das faszinierende daran ist wie man dieselben Vorgänge völlig anders darstellen kann. Die Grenzen zwischen dem palästinensischen und dem westlich linken Narrativ sind fließend, so wie auch die Grenzen zwischen dem der Siedler und dem allgemeinen Israelischen. Ausgehend von den Gegensätzen in den Narrativen kann man beginnen nachzuforschen wo denn die Wahrheit unter all den Behauptungen verschüttet liegt.

Das palästinensische Narrativ

Eines Tages kamen die bösen Zionisten aus dem Nichts um sich die fruchtbaren Felder der palästinensischen Ureinwohner unter den Nagel zu reißen. Das ist nicht verwunderlich, denn Juden sind von Natur aus habgierig und böse. Die Idee kam von einem reichen Juden aus Wien und ist eigentlich eine Neuauflage des Kolonialismus. Und so kamen Leute, die sich für ein Volk ohne Land hielten, in ein Land von dem sie behaupteten es habe kein Volk. Dabei ist das Volk der Philister mindestens ebenso alt wie das jüdische. Sie kamen in ein entwickeltes Land und behaupteten später alles selber aufgebaut zu haben, was natürlich auch einen rassistischen Unterton enthält, so als ob die Palästinenser nicht in der Lage wären etwas aufzubauen. Obwohl selber von den Nazis vertrieben, taten sie das dasselbe in zwei Kriegen, der Nakba und der Nachsa, der Urbevölkerung an. Wer blieb wurde Unterdrückt. Da alle Juden aus dem Ausland kamen wäre es die beste Lösung wenn sie wieder dorthin zurückkehren würden. Die meisten kamen aus der USA und der ehemaligen UDSSR und man sieht ihnen sofort an das sie nicht hier hingehören. Am schlimmsten sind die Siedler. Während arme Palästinenserkinder nach Wasser dürsten, schwimmen die in ihren privaten Swimmingpools. Dank ihrer zionistischen Ideologie haben sie auch keinerlei Skrupel im Westjordanland eine Apartheid einzurichten.
Darüber hinaus versucht man nun den Tempelberg zu erobern. Schon seit Jahren wird der Zugang zum Berg für g-ttesfürchtige Muslime, die dort beten wollen, von der Polizei immer wieder beschränkt. Nun haben die Siedler begonnen den Berg in grossen Besuchsgruppen systematisch zu überfluten. Jeder Muslim muß alles ihm Mögliche tun um dem Einhalt zu gebieten. Abgesehen von heimlichen archäologischen Grabungen unter dem Berg betreibt ein privater Verband Grabungen nebenan (Silwan) wobei nur die für Juden relevanten der 22 vorhandenen Schichten berücksichtigt werden.

Das westlich-linke Narrativ

Am Anfang war der Teilungsvorschlag. Die Juden stimmten schon damals zu und bekamen sofort ihren Staat von der UN. Nun wollen die Palästinenser ihren Teil und die frechen Juden, die inzwischen diesen Teil erobert haben, wollen ihn nicht mehr hergeben. UN Resolutionen die Israel zu einer Räumung auffordern (die haben ja schon ihren Staat bekommen) und die Unrechtmäßigkeit der Besiedelung beweisen, werden von Israel einfach ignoriert. Dabei ist ganz klar das nur eine 2-Staaten Lösung, die sich an der Grünen Linie orientiert, Frieden schaffen kann. Laut Artikel 49 der 4ten Genfer Konvention sind Siedlungen eindeutig Völkerrechtswidrig.
Da Israel der stärkere ist, muß es den ersten Schritt hin zu einem Frieden machen. Aber Israel kann sich ja alles erlauben da das Weltjudentum die USA in der Hand hat und diese schützt Israel in der UN mit ihrem Vetorecht.
Und so wird aus den einst vom Reich des Bösen unterdrückten und verfolgten, das Reich des Bösen von Heute, welches im Unterschied zu den Deutschen, nichts dazugelernt hat und daher skrupellos die armen Palästinenser unterdrücken kann. Diese haben natürlich keine andere Wahl als mit Terror und Feuerwerkskörpern aus dem Gazastreifen zu antworten. Obwohl 2005 geräumt, ist der Streifen ein riesiges Freiluftgefängnis für 2 Mill. Menschen. Von Mal zu Mal startet der jüdische Aggressor einen Krieg um Völkermord begehen zu können und so die Zahl der Palästinenser dort niedrigzuhalten.

Das Narrativ der ideologischen nationalreligiösen Siedler*

Zum einen hat uns der Herr das ganze Land westlich des Jordans versprochen (und eigentlich auch östlich davon) und daher gehört es uns, zum anderen gibt es keinen Gesprächspartner. Daher ist das Westjordanland zu annektieren – ohne die Zonen A und B in der weicheren Version und völlig in der puristischen Version. Wer von den dortigen Arabern bereit ist zu kuschen, darf bleiben - vielleicht.
Derzeit tobt ein Krieg um das Land. Nicht mit Waffen sondern mit Tatsachen vor Ort. Wir bauen Siedlungen dort wo schon zu biblischen Zeiten jüdische Ortschaften existierten und die Palästinenser benutzen die Beduinen um östlich von Jerusalem eine Nord-Süd Achse zu schaffen und am Rand der Negev Wüste um Gaza mit dem Westjordanland zu verbinden.
Wenn wir das Westjordanland erstmal annektiert haben werden sich die da draußen entweder schon daran gewohnen, oder sie sind Antisemiten und daher sowieso in jedem Fall gegen uns.

*Diese enge Eingrenzung ist wichtig, denn NICHT jeder der jenseits der Grünen Linie lebt denkt so, ich eingeschlossen. Vor einiger Zeit wurde dieser Abschnitt im Forum von "der Standard" wiedergegeben und als meine Position dargestellt.

Das israelische Narrativ

Am Anfang war eine abgelegene, heruntergekommene Provinz des Ottomanischen Reiches. Hier lebte eine kleine, verarmte jüdische Minderheit, dies aber zu allen Zeiten. Sie wurden auch zu allen Zeiten von Juden, die nicht im Land lebten, finanziell unterstützt. Weil wir eine Bindung zu diesem Land haben. Hier sind unsere Wurzeln.
Mitte des 19ten Jahrhunderts wurden die Ottomanen von europäischen Mächten unterstützt und in der Folge zu einer Öffnung des Landes gezwungen. Pilger aus Europa fingen an das Land zu besuchen. Erste Schritte zum Aufbau einer modernen Infrastruktur wurden gemacht. Mit dem Aufkommen der zionistischen Idee, die aus den bleichen Gettojuden selbstständige Menschen machen wollte, kamen ab 1882 Juden nach Pogromen in Rumänien und Russland ins Land. Sie wurden von reichen Jüdischen Gönnern aus Westeuropa unterstützt die für sie den arabischen Großgrundbesitzern Ländereien abkauften.
Der Aufbauwille der Neueinwanderer verbesserte die Infrastruktur. Die Kindersterblichkeitsrate sank dramatisch und entstehende Arbeitsplätze zogen Araber aus den umliegenden Ländern an (etwa 100.000). Den Arabern bereitete der ständige Zustrom von Juden aus Europa Unbehagen, obwohl es nicht mehr als etwa 10.000 pro Jahr waren. In den zwanziger Jahren begann mit dem britischen Mandat, die Patenschaft eines fortschrittlichen Landes um dem rückständigen Gebiet auf die Beine zu helfen. Bestandteil des Mandates war auch die Schaffung einer Heimstatt für das jüdische Volk durch Besiedelung, dort wo es die Anderen nicht störte.
Während der gesamten Mandatszeit gab es Unruhen zwischen Arabern und Juden. Dies obwohl der Peel Kommission zufolge, die 1936 für einige Monate im Land weilte, die Araber von dem jüdischen Aufbau profitierten. Die Kommission kam zu dem Ergebnis das es gemeinsam nicht geht, also müsse, entsprechend der demografischen Verteilung, geteilt werden. Die Situation verschärfte sich als durch den zweiten Weltkrieg hunderttausende Juden ins Land kamen. Der Teilungsvorschlag, der auf den Erkenntnissen der Peel-Kommission basierte, kam auf den Tisch. Er wurde aber von der Arabischen Liga abgelehnt und so kam es 1948 zum Unabhängigkeitskrieg. In der Unabhängigkeitserklärung wurden die Araber im Land aufgefordert sich am Aufbau zu beteiligen. Die Arabische Liga hingegen forderte die arabischen Bewohner zur vorübergehenden Räumung auf damit man das zionistische Gebilde ungestört vernichten könne. Einige leisteten dem Aufruf Folge, andere flohen aus Angst. Es gab feindlich gesinnte Dörfer und solche mit denen man Stillhalteabkommen hatte.
1967 griff Israel Ägypten und Syrien an um ihnen zuvorzukommen. Es lief besser als erwartet und so wurden Gazastreifen, Westjordanland und die Golanhöhen erobert. Die eroberten Gebiete wurden nicht besiedelt um als Faustpfand für den Frieden dienen zu können. Nach dem fast verlorenen Yom-Kippur Krieg von 1973 und nachdem die Likud 1977 die Regierung stellte, änderte sich die Auffassung. Man setzte von nun ab auf Sicherheit durch Präsenz. Seither und bis Abschluss des Oslo Abkommens wurden Siedlungen gebaut. Der Bau von Siedlungen ist legal, da die Zone C im Westjordanland rechtlich gesehen noch nicht verteiltes Mandatsgebiet ist, dem Mandat zufolge die Besiedelung durch Juden legitim ist und es seit dem Niedergang des Ottomanischen Reiches keinen legalen Souverän in dem Gebiet gab.
Mit dem Abschluss des Osloer Abkommens von 1993/95 verwalten sich die Palästinenser selbst, wobei immer noch die aus Sicherheitsgründen notwendige Kontrolle ausgeübt werden kann. Darüber hinaus wurde der Gazastreifen 2005 geräumt.

Dienstag, 3. Mai 2016

Kolonialisten - im Ernst? (Ver. 2)


Kolonialisten - im Ernst? (Ver. 2)


Das Narrativ der Palästinenser möchte es so darstellen als seien wir Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels (dessen Existenz sie in Frage stellen) um 70 n. Chr. durch die Römer aus dem Land vertrieben worden. Rund 1.800 Jahre später erinnerten wir uns dann an diese Geschichte und kamen auf die Idee ausgerechnet an diesem Ort eine Autonomie zu gründen. Und so kam 1882 die erste Einwanderungswelle aus Osteuropa. Doch was war davor? Nur rechtschaffende, bodenständige Palästinenser die nicht ahnten daß ihnen eine Zionistische Invasion bevorsteht? Schon in meinen Kindertagen erzählte mir meine Mutter daß trotz der Tempelzerstörungskatastrophe, nicht viele, aber doch ständig Juden in vier Städten im Land gelebt haben. Dies wurde im Zeitforum von einem Mitforisten "vom Tisch gewischt" woraufhin ich mich hilfesuchend an die Wikipedia wandte. Das Ergebnis:
Abraham verläßt das Land wegen einer Dürreperiode, kehrt aber zurück. Joseph verläßt das Land unfreiwillig, holt dann 70 Familienangehörige nach, aus denen nach 400 Jahren etwa 4,2 Millionen Menschen werden, die mit Moses ins Land zurückkehren.
Der Auszug aus Ägypten könnte im April 1335 v. Chr. gewesen sein, weil kurz vorher eine Sonnenfinsternis stattfand, was sich mit der einen von den 10 Plagen decken würde. Ankunft in Jericho wäre dann im Jahre 1295 v. Chr.
Rund 285 Jahre später, also 1010 v. Chr. soll König David sein Königreich mit Hauptstadt Jerusalem gegründet haben. Handfeste Beweise für all dies gibt es allerdings meines Wissens nicht.
Was natürlich nicht heißen soll daß es gar keine Beweise gibt. Der älteste konkrete Beweis für eine jüdische Präsenz im Lande findet sich in einem Tunnel in Jerusalem. Es ist der Hiskija-Tunnel mit einer Inschrift auf Alt-Hebräisch der den Namen des Initiators trägt. Dem amerikanischen Archäologen Edwin R. Thiele zufolge, der judäische König mit ebendiesem Namen, der dem Alten Testament zufolge etwa um 700 v. Chr. herrschte.
Aus derselben Zeit wurden Hebräische Siegel in Lachish gefunden. Sie verweisen auf einen jüdischen König von Hebron. Die Stadt war im Altertum ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum, strategisch günstig gelegen mit dem Toten Meer im Osten, Jerusalem im Norden, Negev und Ägypten im Süden und die Küstenebene im Westen.
Aus der Zeit vor der Zerstörung des ersten Tempels (586 v. Chr.) finden sich auf dem Hügel gegenüber der Jerusalemer Altstadt, Gräber von Priestern des Tempels mit entsprechenden Inschriften. Auch eine Gruft mit einer Inschrift derzufolge dort ein Priester bestattet ist, der nach Babylon verschleppt wurde und dessen Leichnam hierher gebracht wurde um ihn an dieser Stelle zu beerdigen. Die Zerstörung des ersten Tempels und der Verschleppung der jüdischen Intelligensia durch die Perser bedeutete nach 424 Jahren das Aus für das jüdische Königreich. Um 379 v. Chr. erlaubte der persische Herrscher den Nachfahren die Rückkehr – 42.000 Juden sollen davon Gebrauch gemacht haben.
Abgesehen vom Tempelberg mangelt es in Jerusalem nicht an Ausgrabungen, so auch im ganzen Land und es ist kein Problem eine jüdische Präsenz bis zur Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. nachzuweisen. Und danach? Verschwanden wir Juden wirklich für 1.812 Jahre, bis zur ersten Einwanderungswelle 1882 ganz aus dem Land?

In Safed und Tiberias, beide in Galiläa und etwa 160 Km von Jerusalem entfernt, fanden die jüdischen Gelehrten nach der Zerstörung des zweiten Tempels Zuflucht. Die 35 Km. voneinander liegenden Städte entwickelten sich zu den wichtigsten Zentren jüdischen Lernens im Land. Daher finden sich auch kontinuierlich Belege für eine jüdische Präsenz in beiden Städten.
Safed findet schon im Jahr der Tempelzerstörung in den Berichten des jüdischen Historikers in römischen Diensten, Josephus, Erwähnung.
Im Jerusalemer Talmud aus dem 4 – 5ten Jhdt. n.Chr. wird die Stadt nochmals erwähnt.
Obwohl erst im Jahre 20 n. Chr. gegründet, wurde Tiberias nach der Vertreibung aller Juden aus Jerusalem um 135 n.Chr., in Folge des jüdischen Bar-Kochbah Aufstandes, mit dem benachbarten Sepphoris zu einem jüdisch-kulturellen Zentrum. Beide Städte konnten sich in ihrer Bedeutung für die jüdische Welt mit Babylon, Alexandria, Aleppo und dem Perserreich messen. Der Sanhedrin, der höchste jüdische Gerichtshof, kam im Jahre 150 n. Chr. in die Stadt. 13 Synagogen gab es hier im 2ten Jhdt..

Nachdem im Jahre 638 n. Chr., nach der Eroberung durch das islamische Kalifat, Juden wieder in Jerusalem wohnen durften, darunter auch 70 Familien aus Tiberias, begann etwa um 1000 n.Chr. eine Blütezeit die aber 1099 abrupt endete, als die Stadt durch die Kreuzritter erobert wurde und alle Nicht-Christen ermordet oder vertrieben wurden. Und wieder erlaubt ein muslimischer Eroberer, diesmal Sultan Saladin um 1187 den Juden nach Jerusalem zurückzukehren.
Auch in Hebron wurde zu Beginn der islamischen Ära (um 638 n. Chr.) den Juden erlaubt wieder in der Stadt zu wohnen und auch eine Synagoge dort zu errichten.
Geniza Dokumente aus dem 9ten Jhdt. n.Chr. Beschreiben eine Synagoge, neben dem Grab der Patri- und der Matriarchen mit einer organisierten jüdischen Gemeinde die sich um die Versorgung von jüdischen Pilgern und Kaufleuten kümmerte.
Geniza ist eine Sammlung von etwa 300.000 Dokumenten aller Art die in einer Synagoge in der Kairoer Altstadt gefunden wurden. Die ältesten sind aus dem Jahre 870 n. Chr bis zum 19 Jhdt. Dazu muss man wissen daß Schriftstücke auf denen der Name des Herrn geschrieben steht nicht vernichtet, sondern begraben werden. In diesem Fall wurden sie in eine halbverborgene Nische in einer Synagoge abgelegt, die sich langsam auffüllte bis ihr historischer Wert gegen Ende des 19 Jhdt. erkannt und die Dokumente zur Auswertung nach England gebracht wurden.
Laut Anton Kisa, einem deutschen Kunsthistoriker des späten 19 Jhdt.(Das Glas im Altertum), gründeten Juden aus Hebron schon im 9ten Jhdt. n.Chr. die bis heute dort ansässige Glasindustrie.

Das 8te Jhdt. n.Chr. war das goldene Zeitalter von Tiberias, sie galt als eine der tolerantesten, multikulturellen Städte im westlichen Asien. Vom 8ten bis zum 10ten Jhdt. war die Stadt ein Zentrum jüdischer Gelehrter. Bis zum 10 Jhdt. war dies die größte jüdische Stadt in Galiläa und ein wichtiges jüdisches Zentrum mit landesweiter Bedeutung. Zu Beginn des 12ten Jhdt. zählte die jüdische Gemeinde in Tiberias 50 Familien.
Ein französischer Rabbiner der Safed um 1210 besuchte berichtete von einer jüdischen Gemeinde mit etwa 50 Mitgliedern. Infolge seiner Berichte kamen 300 englische und französische Juden in das Land um sich dort anzusiedeln.
Rabbi Yechiel kommt 1258 von Paris ins Land und gründet eine Yeshiva in Akko. Auch der Ramban kommt aus Ägypten nach Akko.

1492 fand die spanische Inquisition statt. Sie brachte viele sephardische Juden in die ottomanischen Provinzen und so auch einen langsamen Zustrom in das Land.
1481 fand der jüdisch italienische Reisende Meshulam von Volterra 20 jüdische Familien in Hebron. Einige Kabbalisten/jüd. Mystiker ließen sich in der Stadt nieder. Um 1540 gründete Malkiel Ashkenazi, ein Rabbiner aus Saloniki, der sich mit Kabbala/Mystik befasste, eine Synagoge. Zu dieser Zeit lebten 8-10 jüdische Familien in der Stadt. 1659 gründete ein Abraham Pereyra aus Amsterdam in Hebron eine Yeshiva/Betschule die viele Schüler anzog.

1558 erhielt eine portugiesisch stämmige Marrano, Donna Gracia, die Gewähr zur Steuereintreibung in Tiberias und ihrer Umgebung durch Sultan Süleyman den Prächtigen. Sie erhielt die Genehmigung eine jüdische Autonomie einzurichten da sie die Stadt zu einer jüdischen Fluchtburg ausbauen wollte. 1561 wurde ihr Neffe, Josef Nasi, Fürst von Tiberias und lud Juden ein dorthin zu kommen. Mit einem Dekret des Sultans wurden die Stadtmauern erneuert und der Grundstein für die lokale Seidenherstellung gelegt indem Maulbeerbäume gepflanzt wurden und Fachleute vor Ort gebracht wurden.
Viele Rabbiner kamen mit ihren Gemeinden nach Safed. 1525-6 hatte die Stadt 232 jüdische Haushalte. Um 1553-4 waren es bereits 716 und 56 jüdische Junggesellen. Einer Aufstellung von 1584 zufolge gab es in der Stadt 32 Synagogen. Zu der Zeit war die Stadt ein Zentrum des jüdischen Mystizismus. Um 1625 schreibt Franciscus Quaresmius, ein italienischer Orientalist, daß die Stadt vornehmlich von Juden bewohnt war, die Synagogen und ihre eigenen Schulen unterhielten.
1660 wurden Safed und Tiberias von Drusen zerstört. Die Juden von Tiberias verließen daraufhin die Stadt. Zahir al-Umar (1720 – 42), Scheich und autonomer Herrscher in Nord-Palästina lud Juden ein sich wieder in der Stadt anzusiedeln. So auch den Rabbiner Chaim Abulafia aus Smyrna um die jüdische Gemeinde der Stadt wiederaufzubauen. 1780 siedelten polnische Juden in Tiberias. Als die Stadt 1837 von einem starken Erdbeben getroffen wurde starben 500 Juden. Fünf Jahre später hatte die Stadt bereits 3.900 Einwohner, ein Drittel davon Juden. 1850 gab es in Tiberias 3 sephardische Synagogen für 80 Familien und 100 aschkenasische (polnische und russische) Familien. 1901 hatte die Stadt 3.600 Einwohner, davon 2.000 Juden. 1912 waren es 6.500 Einwohner, davon 4.500 Juden.
Um 1776 und um 1781 kamen russische Juden nach Safed. 1809 und 1810 kamen litauische Juden in die Stadt.

Um 1700 wandert der Hassidische Rabbi Yehuda mit einer 1000 Köpfigen Gefolgschaft aus Polen ein. Sie siedeln sich in Jerusalem an.1836 erlaubte Ibrahim Pasha, der Gouverneur von Ägypten den Wiederaufbau von vier Synagogen in Jerusalem. 1845 erarbeitete der preussische Konsul in Jerusalem eine Aufstellung der Einwohner. Ihr zufolge hatte die Stadt 16.410 Einwohner, davon 7.120 Juden, 5.000 Moslems, 3.390 Christen, 800 türkische Soldaten und 100 Europäer.
1850 bestand die jüdische Bevölkerung Hebrons aus 45-60 Sephardischen Familien und 50 Ashkenasischen Familien aus Polen und Russland die 1823 eingewandert waren.
 
https://en.wikipedia.org/wiki/Cairo_Geniza
https://en.wikipedia.org/wiki/Jerusalem#Overview_of_Jerusalem.27s_historical_periods
https://de.wikipedia.org/wiki/Hiskija-Tunnel
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Safed
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Tiberias