Sonntag, 26. November 2017


Bemerkungen zum Tempelberg (Ver. 2.0)

 

Vorwort


Wann immer etwas auf dem Tempelberg passiert, oder etwas was mit ihm zu tun hat, geht ein Rauschen durch die Medienlandschaft und Millionen Muslime regen sich auf.
Über den Tempelberg kann man nicht nur Bücher, sondern ganze Büchereien schreiben. Aber darum geht es mir nicht. Hier soll der Leser in möglichst kurzer Form jene Informationen finden die nötig sind um die Zusammenhänge zu verstehen.

Die Klagemauer während des einwöchigen Laubhüttenfests
2015 begann eine Welle der Gewalt mit Ausschreitungen ebendort. Jede Menge Beiträge und Kommentare in den Medien. Die Einen berichteten mehr über randalierende arabische Jugendliche, die Anderen mehr über gutausgerüstete, schwerbewaffnete israelische Polizisten – je nach Gusto. Nur das wesentliche fehlte: eine Erklärung der Hintergründe.
2015 fiel das jüdische Neujahrsfest mit dem muslimischen Eid al Adha zusammen. Der Tempelberg war wie immer an muslimischen Feiertagen voller Gläubiger und der Vorplatz der Klagemauer war wie immer an jüdischen Feiertagen voller Gläubiger.

Quelle: siehe (1)

In Bildern



Das wesentliche kann man ganz einfach durch das anschauen von Bildern verstehen. Leider habe ich keine eigenen Luftbilder, es gibt aber einige passende in dem oben angegebenen Link zu sehen. Im obersten Bild sieht man die gesamte Altstadt, mit einem Teil der Neustadt im Hintergrund und dem Tempelberg im Vordergrund. Vorne in der Mitte, mit dem schwarzen Dach die al-Aqsa Moschee und dahinter mit der goldenen Kuppel der Felsendom. Links, etwas oberhalb der Moschee ist der Vorplatz der Klagemauer erkennbar.
Geht man weiter runter und klickt auf Bild 9 bekommt man es in besserer Auflösung. Nun kann man deutlich die Klagemauer mit dem gesamten Vorplatz im Vordergrund erkennen. Hier kann man den eingeschossigen Bau auf dem Tempelberg, der den oberen Abschluss der Klagemauer bildet, deutlich sehen. In Bild 11 sieht man dasselbe von Süden aus. Vorne die al-Aqsa Moschee, in der Mitte der Felsendom, links davon die Klagemauer. Sie ist eine der Böschungsmauern des Tempelberges. Man muß also lediglich auf das Flachdach eines eingeschossigen Baus klettern um vom Tempelberg aus den ganzen Vorplatz der Klagemauer zu Füßen zu haben.
In Bild 27 kann man rechts vom Felsendom, vorne in der Mauer einen Turm erkennen. In ihm zwei zugemauerte Bögen. Vor ihm muslimische Gräber. Es ist das Goldene Tor, durch das jüdischen Überlieferungen zufolge, einst der Messias nach Jerusalem Einzug halten soll. Der Messias wird ein Kohen sein (Nachfahre jener die für den Tempeldienst bestimmt waren) und die dürfen im wahrsten Sinne des Wortes nicht über Leichen gehen. Hier kann man sehen wie sich Religion auf Stadtplanung auswirken kann.

Ohne Gefühl, Morphologie und Baugeschichte


Der Tempelberg war ursprünglich ein felsiger Hügel der von ebensolchen Hügeln umgeben war. Der erste Tempel wurde um 960 v.Chr auf ihm erbaut und stand 374 Jahre dort bis er von den Iranern, pardon den Persern, um 586 v.Chr zerstört wurde. Bereits 70 Jahre später, im Jahre 516 v.Chr wurde dann der zweite Tempel eingeweiht und stand dort bis zur Zerstörung durch die Römer um 70 n. Chr., also 586 Jahre lang. Damit der Tempel auf dem Hügel von riesigen Höfen umgeben sein kann, die dem Menschenandrang Rechnung tragen können, ließ König Herodes ein etwa 300 x 480m. großes, künstliches Plateau erbauen. Es existiert bis in den heutigen Tag und ist das was wir heute als Tempelberg kennen. Ein kleiner Teil einer der Böschungsmauern ist die Klagemauer.
Insgesamt stand an diesem Ort 960 Jahre lang ein jüdisches Heiligtum.

In Byzantinischer Zeit hat dort wahrscheinlich ein Kloster gestanden.
621 Jahre nach der Zerstörung des zweiten Tempels und 70 Jahre nach der „Nachtreise“ Mohammeds, wird 691 n.Chr. der Felsendom eingeweiht, gefolgt 715 n.Chr. von der ersten al-Aksa Moschee. Der Felsendom ist das älteste, heute noch erhaltene Werk islamischer Architektur. Der Initiator des Baues, der Kalif Omar, wollte an dem Ort ein alternatives Machtzentrum zu Mekka und Medina errichten.

Zuviel Gefühl? Bedeutung des Ortes


Beim Jüdischen Neujahrsfest wünscht man sich gegenseitig das nächste Jahr in Jerusalem zu sein und selbst wenn man als Jude ein Dankgebet für das Essen sagt ist auch hier von Moriah, Zion und Jerusalem die Rede.
Um sich auf sein Gebet konzentrieren zu können wird nach Geschlecht getrennt.
Männer auf der linken Seite, Frauen auf der Rechten.
Dieser Ort hat seinen Stellenwert für uns Juden wegen dem ersten Buch Mose, Absatz 22. Abraham soll mit seinem Sohn zu einem Ort im Hügelland Moria kommen der ihm vom Herrn gezeigt werden wird. Um den Sohn zu opfern wie es scheint. Doch es kommt nicht dazu, denn in der Legende geht es darum klarzumachen daß das Judentum nicht nur mit nur einem G-tt, sondern auch ohne Menschenopfer auskommen muß. Bevor man sich nun als aufgeklärter Westeuropäer an den Kopf fasst, sollte man sich vergegenwärtigen daß dieses Vorkommnis etwa 3500 Jahre zurück liegen soll, als Menschenopfer durchaus zur religiösen Praxis gehörten. Wie Moorleichen beweisen, nicht nur im Orient.
Hier findet ein Paradigmenwechsel statt: das Geschöpf existiert nicht um seinem Schöpfer zu dienen, sondern der Schöpfer hat die Schöpfung erschaffen um des Geschöpfes willen. Eine solche Sichtweise räumt dem Geschöpf natürlich Freiheiten ein. Will man den Schöpfer erfreuen, braucht es keine Menschenopfer, sondern lediglich ein Leben seinen Geboten zufolge.
Auch soll von diesem Felsen aus der Herr die Welt erschaffen haben. Eigentlich unlogisch, aber es geht hier um Glauben.
Aus diesen Gründen werden an derselben Stelle später zwei jüdische Tempel in Folge gebaut. Und daher kommt etwa 1000 Jahre später der Gründer der christlichen Religion an diesen Ort und etwa 600 Jahre nach ihm auch der Gründer des Islam, allerdings in einer Vision.

Der muslimischen Tradition zufolge begann hier der Aufstieg Mohammeds himmelwärts vom Tempelberg, wo er den Koran in Empfang nehmen sollte. Direkt erwähnt wird der Ort im Koran aber nicht.

Der islamische Anspruch auf das Tempelbergplateau beruht ausschließlich auf Mohammeds Selbstbeschreibung dieser Nachtreise, die aber nicht einmal Jerusalem, sondern eine "Äussere Moschee" benennt. Ob Traum oder Realerfahrung war schon bei den Zeitgenossen der Quraisch Sippe in Mekka als unglaubwürdig verworfen worden und ist zwischen Schiiten und Sunniten bis heute umstritten.
Auch ein naher Verwandter des Propheten -Mohammed ibn al-Hanafiya (638-700) verunglimpft die Ansicht, dass der Prophet jemals einen Fuß auf den Felsen in Jerusalem gesetzt habe; “diese verdammten Syrer", womit er die Omajjaden meint, "tun so, als ob Allah Seinen Fuß auf den Felsen in Jerusalem setzte, obwohl [nur] eine Person jemals den Felsen betrat, nämlich Abraham."

Der historischen Gerechtigkeit zugute sollte aber auch gesagt werden daß es ebenjene Moslems unter dem Kalifen Omar waren, die 638 n.Chr. den Juden die Wiederkehr in die Stadt erlaubten. Und als Sultan Saladin die Stadt im Jahre 1187 von den Kreuzrittern erobert, erlaubt auch er den Juden wieder in der Stadt zu wohnen.

Jerusalem wird im Alten Testament 699-mal, Zion (Synonym für Jerusalem, manchmal auch für das ganze Land Israel) 154-mal, insgesamt also 823-mal erwähnt. Die christliche Bibel erwähnt Jerusalem 154-mal und Zion 7-mal. Der Koran kein einziges Mal.

Quelle: siehe (2)

  

Heiligkeit/Religion



Um die Bedeutung dieses Ortes zu erfassen muß man sich mit dem Stellenwert von Glauben und Religion befassen.
Die Aufklärung warf der Religion vor sie sei ein Instrument um Gläubige einfach und bequem mithilfe des Glaubens zu lenken. Wenn ich Aufgeklärt bin brauche ich keine heiligen Stätten, folglich kann es auch keinen Streit darum geben. Selbst die Gräber von Descartes, Leibnitz, Lambert und Kant als Wallfahrtsorte brauche ich nicht – wie schön.
Aber bedeutet dies das Glauben von vorneherein etwas Schlechtes ist? Wenn sich Jahrtausende lang Menschen darüber Gedanken machen wie man menschliches Zusammenleben gestalten und regeln kann, sammelt sich dabei eine Unmenge von empirischem Wissen an.
Ist der Ruhetag einmal in der Woche eine Erfindung der Gewerkschaftsbewegung? Das Sie ihren Nachbarn nicht umbringen wenn Sie mit ihm Meinungsverschiedenheiten haben, das Sie es sich zweimal überlegen bevor Sie mit seiner Frau fremdgehen, das Sie sich an die Polizei wenden wenn Sie betrogen worden sind und nicht den Betrüger und auch gleich seine ganze Sippe umbringen – sind dies alles Errungenschaften der modernen Rechtsprechung? Nein, all dies steht schon in den 10 Geboten, im Alten Testament.
Briefkasten des Herrn: man kann eine Bitte auf einen Zettel schreiben
und irgendwo in der Mauer in einen Spalt stecken.
Und nun stellen Sie sich vor das es in Ihrer Umgebung Orte gibt die mit diesen uralten Geboten in direkter Verbindung stehen sollen.
Man überlege sich was es einem Kölner Katholiken macht daß sich der Dreikönigsschrein im dortigen Dom befindet. Man kann die Authentizität anzweifeln, aber wenn es sich vielleicht doch um Caspar, Melchior und Balthasar handelt, würden hier Glaubensinhalte anfassbar. Und wie wäre es um die gebotene Friedfertigkeit bestellt wenn Andersgläubige den Kölner Katholiken den Anspruch auf den Dreikönigsschrein streitig machen wollten? Gleiches gilt für die Machpelah Höhle in Hebron, die Klagemauer und Mekka.
Die Machpelah Höhle ist der Ort wo die Vorväter und Mütter begraben sind – in den alten Schriften findet sich eine genaue Ortsangabe. Sie können nach Hebron fahren und über der Grabeshöhle die im Alten Testament, in Mose1, Kapitel 23 beschrieben ist, beten. Als Aufgeklärter kann man natürlich behaupten daß die Authentizität des Ortes nicht nachweisbar ist. Selbst wenn dies eine Höhle mit Skeletten in Hebron ist, es kann sein daß dies die falsche ist, weil es vielleicht noch eine gibt.
Nicht alle sind durch die Heiligkeit des Ortes ergriffen...
Mit der Authentizität der Klagemauer sieht es schon besser aus. Sie gilt als solch ein anfassbarer Beweis dafür daß der Tempel existiert hat und wird so zum Symbol dafür daß wir Juden eine Bindung zu diesem Ort haben. Wenn auch der Wakf Ausgrabungen zu verhindern sucht, die hebräischen Steinmetzzeichen der Mauerblöcke sprechen im wahrsten Sinne des Wortes eine deutliche Sprache. Der traditionelle und der religiöse Normal-Israeli wächst in dem Bewusstsein auf das hier der Herr durch Abraham und Isaak die Menschenopfer–nein-danke Doktrin in die Welt gesetzt hat und hier die Tempel standen. Das ist für die Realität das wesentliche: Menschen glauben an etwas und handeln danach.
Endlose Streitereien um heilige Orte lassen Religion und Überlieferung in einem schlechten Licht erscheinen. Religion ist aber nicht von vorneherein schlecht. Schlecht ist wenn man ihre Errungenschaften nicht respektiert und noch schlechter wenn man ihre Inhalte missbraucht.

Status Quo

Vor dem Sechstage-Krieg war die Klagemauer, wie auch das jüdische Viertel der Jerusalemer Altstadt für Juden 19 Jahre lang nicht zugänglich da sie jenseits der Grünen Linie liegen.
Das jordanische Königshaus hat in der Mandatszeit das Schlüsselrecht für den Tempelberg bekommen. Es setzt den Wakf ein, eine muslimische Körperschaft für die Verwaltung religiöser muslimischer Stätten die den Ort verwaltet. Nachdem Nord- Ost- und Südjerusalem 1967 von Israel erobert wurden, beließ Verteidigungsminister Dayan erstaunlicherweise die Verwaltung bei dem Wakf. Der dabei festgelegte Status Quo besagt daß dieses Areal zweimal am Tag außer Freitags von Nichtmoslems betreten/besucht werden darf. Beten ist Nicht-Moslems nicht erlaubt, wohl aber der Besuch des schönen Haram al Sharif, des Felsendomes. Für Sicherheit und Archäologie ist Israel zuständig.
Wieso übergibt der Oberbefehlshaber einer siegreichen Armee die Verwaltung eines Ortes, der seiner Religion als heilig gilt, den Vertretern des Gegners?


Als der erste und der zweite Tempel noch existierten, gab es eine Hierarchie von Zonen - eine äußere die auch von Nichtjuden betreten werden durfte, eine die auch von Frauen betreten werden durfte, eine die von allen jüdischen Männern betreten werden durfte, eine die für die Priester reserviert war und ins Allerheiligste durfte nur der Hohepriester nur am Busstag. Heute sind diese Zonen nicht mehr erkennbar, obwohl man davon ausgehen kann daß das Allerheiligste - dort wo die Bundeslade mit den Gesetzestafeln aufbewahrt wurde - etwa dort war wo heute der Felsendom steht.


Suchbild: wer genau hinschaut sieht etwas unerwartetes.
Wenn man heute auf dem Plateau rumspaziert könnte es sein daß man dies unwissentlich in einem Bereich tut den man nicht betreten dürfte, stände der Tempel noch. Daher sind die meisten Rabbiner der Meinung man solle den Tempelberg als Jude gar nicht erst betreten.
Merke: während der Wakf Andersgläubigen das Beten auf dem Tempelberg untersagt, untersagen die Rabbiner nur den eigenen Leuten das Betreten des für sie heiligsten Ortes – nicht den Anderen.
Erstaunlich ist auch das der Status Quo kein geschriebenes Dokument ist, sondern eine mündliche Abmachung.
 

Wakf

Auf dem Gelände gelten die Gesetze Israels, was unter anderem bedeutet dass der Wakf Bau- und Grabungsarbeiten nur in Abstimmung mit der Archäologiebehörde ausführen darf. 1996/2005 wurde die Al Aqsa Moschee um einen Gebetsraum für 7000 Gläubige an der Südostecke des Plateaus unterirdisch erweitert. Zum einen ist es das einzige Beispiel einer unterirdischen Erweiterung einer Moschee daß ich kenne, zum anderen war der Aushub von unschätzbarem archäologischem Wert, da sich ja direkt unter dem heutigen Fußboden die Reste der beiden Tempel befinden. Israelische Archäologen mussten die 300 LKW Ladungen (etwa 13.000 Tonnen) Aushub ausfindig machen um sie zu sieben. Dabei wurden einige wichtige Funde gemacht. Die Arbeiten dauern bis zum heutigen Tag an.
Es gab keine Folgen für den Wakf wahrscheinlich weil der Staat Israel sich nicht mit 1,5 Milliarden Moslems anlegen wollte.
Der Wakf versucht mit allen Mitteln archäologische Grabungen auf dem Tempelbergplateau zu verhindern, da man die Existenz eines Tempels an dem Ort leugnet und offensichtlich daß Auffinden von archäologischen Beweisen für seine Existenz verhindern will.
Quellen: siehe (3 – 5)


Alltag

Das jüdische Viertel gegenüber der Klagemauer.
Während der jordanischen Besetzung völlig zerstört,
nach dem Sechstage Krieg neu aufgebaut
gilt es heute als Siedlung da es jenseits der Grünen Linie liegt
Faktisch ist der Tempelberg mit Al Aqsa Moschee und Felsendom den Moslems zugänglich und die Klagemauer uns Juden. Weil Israel dem Status Quo zufolge für die Sicherheit verantwortlich ist stehen an jedem Zugang zum Tempelberg ständig zwei oder mehr Grenzschützer/Polizisten. Beim Freitagsgebet und besonders an Feiertagen der Moslems herrscht oft großer Andrang und wenn die Polizei oder das Militär die Vermutung haben es könne zu Ausschreitungen kommen wird der Zugang für Männer begrenzt. Meist auf das Alter von zwischen 40 oder 50 Jahren.
Der obere Abschluss der Klagemauer ist ein eigeschossiger Bau auf dem Tempelberg. Von seinem Flachdach könnte man bequem Steine und sonstiges runter in den Vorbereich der Klagemauer werfen. Bewaffnete Grenzschützer sind auf dem Dach eines historischen Turmes postiert um dies zu verhindern.
Bis zu den Vorkommnissen im September 2015 galt eine ungeschriebene Vereinbarung, die besagte daß die Polizei wohl auf dem Tempelberg eingreift, nicht aber in die Al–Aqsa Moschee eindringt.
Die Sicherheitskräfte sind auch da um eine Gruppierung von jüdischen Aktivisten mit dem Namen "Treuhänder des Tempelberges" vom Betreten des Areals abzuhalten. Diese wollen den Felsendom und die Al – Aqsa Moschee irgendwie wegmachen um den Bau des Dritten Tempels schon mal vorzubereiten nach dessen Fertigstellung dann, den Schriften zufolge, der Messias erscheinen soll. Gewissermaßen um sein baldiges Erscheinen zu erzwingen.
Dieses Erscheinen würde auch nötig sein, da nach einem solchen Vorfall die Hölle los sein würde...

Besucher oder Extremisten?

Abbas beschuldigte im Jahre 2015 Israel, die Region in einen "zerstörerischen Religionskrieg" zu stürzen. Israel müsse seine "Siedler und Extremisten von der Al-Aqsa-Moschee und dem Tempelberg fernhalten", forderte er in seiner Rede zum zehnten Todestag von Palästinenserführer Jassir Arafat. Ihr Auftreten sei eine Provokation.
Der Grund: in den letzten Jahren hat sich die Zahl der Besucher verdoppelt!
Als Gegenmaßnahme hatte die Islamische Bewegung in Israel die Murabitat gebildet – die Verteidiger des Glaubens. Es funktionierte so: wenn ein Wakf Vertreter am Eingang zum Berg verdächtige Personen sah, telefonierte er mit den Murabitat, meist eine Gruppe von älteren Frauen, die unweit des Einganges auf dem Tempelberg saß. Sobald sich die Verdächtigen näherten brach ein lautes "Allah hu Akbar"- Geschrei los. Im September 2015 wurde diese Gruppierung von der Regierung verboten.
Quelle: siehe (6)
Ein Vergleich zur Illustration. Wieder mit dem Dom. Man stelle sich vor: der Kölner Dom dürfte nur von Katholiken betreten werden und die Domplatte stünde nur an Wochentagen Andersgläubigen offen, wobei der Erzbischof von Köln von der Stadtverwaltung eine Zugangsbeschränkung für Nicht-Katholiken auf die Domplatte erstreiten möchte. Bei jedem Gerücht eine grosse Nicht-Katholische Besuchergruppe betreffend, stünden sofort die katholischen Pfadfinder "Gewehr bei Fuss" und eigens dafür herangefahrene Reisegruppen von Katholiken und Katholikinnen würden jedem suspekten Besucher das "Vater Unser" oder ein Mariengebet entgegenschreien...
Deutlich ist die hölzerne Rampe zu erkennen. Sie ist der einzige
Zugang für Nicht-Moslems auf den Tempelberg.
Im Vordergrund eine Laubhütte.
Den Tempelberg kann man als Nicht – Moslem von Montag bis Donnerstag, Vormittags und Nachmittags besuchen. Dabei kann man den Haram –a-Sharif, den Felsendom mit seinen wunderschönen Mosaiken und der goldenen Kuppel besichtigen, nach einem Brandanschlag eines christlichen Besuchers in den 90ger-Jahren betritt aber kein Nicht-Moslem mehr die Al-Aqsa Moschee.
In letzter Zeit gibt es Rabbiner, wie Jehuda Glick, die eine Umrundung des Geländes befürworten, weil dies eine Möglichkeit ist Präsenz zu demonstrieren ohne gegen die Zugangsbeschränkungen von Einst zu verstoßen. Und so haben Nationalreligiöse jüdische Aktivisten das Besuchsrecht dazu genutzt in grossen Gruppen auf den Berg zu kommen um ihn zu besichtigen und zu singen – und wer weiß, wahrscheinlich in dem Getümmel auch zu beten.
Konkrete Zahlen habe ich in der בשבע  (BeSheva) Zeitung vom 14,4,16 gefunden. Dem nationalreligiös orientierten Blatt zufolge kamen im Jahr 2009 5.658 jüdische Besucher, im Jahr 2014 11.754 jüdische Besucher, im Jahr 2015 11.001 jüdische Besucher auf den Tempelberg.
Von jährlich 5.658 auf rund 11.754 Besucher. Die jüdischen Besucher kommen meist rund um die jüdischen Feiertage. Gehen wir mal davon aus das 6.000 Besucher sich weiterhin auf die etwa 200 Besuchstage pro Jahr verteilen. Das sind 30 Besucher pro Tag. Die 5.754 Anderen kommen geballt an den rund 18 jüdischen Feiertagen – macht etwa 320 zusätzliche Besucher an einem solchen Tag die das 300 x 480m. große Areal umrunden.
Quellen:
(2)   Middle East Forum Danielpipes über wissenswerte Umstände des moslemischen Anspruchs auf den Tempelberg http://de.danielpipes.org...
  Zu den unkontrollierten Grabungen des Wakf:
(3)   http://en.wikipedia.org/wiki/Excavations_at_the_Temple_Mount
(4)   http://en.wikipedia.org/wiki/Temple_Mount_Sifting_Project
(5)   http://www.echad.info/sifting/media/jpost14-4-05.html
(6)   https://en.wikipedia.org/wiki/Murabitat


 
 









 


Dienstag, 3. Mai 2016

Kolonialisten - im Ernst? (Ver. 2)


Kolonialisten - im Ernst? (Ver. 2)


Das Narrativ der Palästinenser möchte es so darstellen als seien wir Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels (dessen Existenz sie in Frage stellen) um 70 n. Chr. durch die Römer aus dem Land vertrieben worden. Rund 1.800 Jahre später erinnerten wir uns dann an diese Geschichte und kamen auf die Idee ausgerechnet an diesem Ort eine Autonomie zu gründen. Und so kam 1882 die erste Einwanderungswelle aus Osteuropa. Doch was war davor? Nur rechtschaffende, bodenständige Palästinenser die nicht ahnten daß ihnen eine Zionistische Invasion bevorsteht? Schon in meinen Kindertagen erzählte mir meine Mutter daß trotz der Tempelzerstörungskatastrophe, nicht viele, aber doch ständig Juden in vier Städten im Land gelebt haben. Dies wurde im Zeitforum von einem Mitforisten "vom Tisch gewischt" woraufhin ich mich hilfesuchend an die Wikipedia wandte. Das Ergebnis:
Abraham verläßt das Land wegen einer Dürreperiode, kehrt aber zurück. Joseph verläßt das Land unfreiwillig, holt dann 70 Familienangehörige nach, aus denen nach 400 Jahren etwa 4,2 Millionen Menschen werden, die mit Moses ins Land zurückkehren.
Der Auszug aus Ägypten könnte im April 1335 v. Chr. gewesen sein, weil kurz vorher eine Sonnenfinsternis stattfand, was sich mit der einen von den 10 Plagen decken würde. Ankunft in Jericho wäre dann im Jahre 1295 v. Chr.
Rund 285 Jahre später, also 1010 v. Chr. soll König David sein Königreich mit Hauptstadt Jerusalem gegründet haben. Handfeste Beweise für all dies gibt es allerdings meines Wissens nicht.
Was natürlich nicht heißen soll daß es gar keine Beweise gibt. Der älteste konkrete Beweis für eine jüdische Präsenz im Lande findet sich in einem Tunnel in Jerusalem. Es ist der Hiskija-Tunnel mit einer Inschrift auf Alt-Hebräisch der den Namen des Initiators trägt. Dem amerikanischen Archäologen Edwin R. Thiele zufolge, der judäische König mit ebendiesem Namen, der dem Alten Testament zufolge etwa um 700 v. Chr. herrschte.
Aus derselben Zeit wurden Hebräische Siegel in Lachish gefunden. Sie verweisen auf einen jüdischen König von Hebron. Die Stadt war im Altertum ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum, strategisch günstig gelegen mit dem Toten Meer im Osten, Jerusalem im Norden, Negev und Ägypten im Süden und die Küstenebene im Westen.
Aus der Zeit vor der Zerstörung des ersten Tempels (586 v. Chr.) finden sich auf dem Hügel gegenüber der Jerusalemer Altstadt, Gräber von Priestern des Tempels mit entsprechenden Inschriften. Auch eine Gruft mit einer Inschrift derzufolge dort ein Priester bestattet ist, der nach Babylon verschleppt wurde und dessen Leichnam hierher gebracht wurde um ihn an dieser Stelle zu beerdigen. Die Zerstörung des ersten Tempels und der Verschleppung der jüdischen Intelligensia durch die Perser bedeutete nach 424 Jahren das Aus für das jüdische Königreich. Um 379 v. Chr. erlaubte der persische Herrscher den Nachfahren die Rückkehr – 42.000 Juden sollen davon Gebrauch gemacht haben.
Abgesehen vom Tempelberg mangelt es in Jerusalem nicht an Ausgrabungen, so auch im ganzen Land und es ist kein Problem eine jüdische Präsenz bis zur Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. nachzuweisen. Und danach? Verschwanden wir Juden wirklich für 1.812 Jahre, bis zur ersten Einwanderungswelle 1882 ganz aus dem Land?

In Safed und Tiberias, beide in Galiläa und etwa 160 Km von Jerusalem entfernt, fanden die jüdischen Gelehrten nach der Zerstörung des zweiten Tempels Zuflucht. Die 35 Km. voneinander liegenden Städte entwickelten sich zu den wichtigsten Zentren jüdischen Lernens im Land. Daher finden sich auch kontinuierlich Belege für eine jüdische Präsenz in beiden Städten.
Safed findet schon im Jahr der Tempelzerstörung in den Berichten des jüdischen Historikers in römischen Diensten, Josephus, Erwähnung.
Im Jerusalemer Talmud aus dem 4 – 5ten Jhdt. n.Chr. wird die Stadt nochmals erwähnt.
Obwohl erst im Jahre 20 n. Chr. gegründet, wurde Tiberias nach der Vertreibung aller Juden aus Jerusalem um 135 n.Chr., in Folge des jüdischen Bar-Kochbah Aufstandes, mit dem benachbarten Sepphoris zu einem jüdisch-kulturellen Zentrum. Beide Städte konnten sich in ihrer Bedeutung für die jüdische Welt mit Babylon, Alexandria, Aleppo und dem Perserreich messen. Der Sanhedrin, der höchste jüdische Gerichtshof, kam im Jahre 150 n. Chr. in die Stadt. 13 Synagogen gab es hier im 2ten Jhdt..

Nachdem im Jahre 638 n. Chr., nach der Eroberung durch das islamische Kalifat, Juden wieder in Jerusalem wohnen durften, darunter auch 70 Familien aus Tiberias, begann etwa um 1000 n.Chr. eine Blütezeit die aber 1099 abrupt endete, als die Stadt durch die Kreuzritter erobert wurde und alle Nicht-Christen ermordet oder vertrieben wurden. Und wieder erlaubt ein muslimischer Eroberer, diesmal Sultan Saladin um 1187 den Juden nach Jerusalem zurückzukehren.
Auch in Hebron wurde zu Beginn der islamischen Ära (um 638 n. Chr.) den Juden erlaubt wieder in der Stadt zu wohnen und auch eine Synagoge dort zu errichten.
Geniza Dokumente aus dem 9ten Jhdt. n.Chr. Beschreiben eine Synagoge, neben dem Grab der Patri- und der Matriarchen mit einer organisierten jüdischen Gemeinde die sich um die Versorgung von jüdischen Pilgern und Kaufleuten kümmerte.
Geniza ist eine Sammlung von etwa 300.000 Dokumenten aller Art die in einer Synagoge in der Kairoer Altstadt gefunden wurden. Die ältesten sind aus dem Jahre 870 n. Chr bis zum 19 Jhdt. Dazu muss man wissen daß Schriftstücke auf denen der Name des Herrn geschrieben steht nicht vernichtet, sondern begraben werden. In diesem Fall wurden sie in eine halbverborgene Nische in einer Synagoge abgelegt, die sich langsam auffüllte bis ihr historischer Wert gegen Ende des 19 Jhdt. erkannt und die Dokumente zur Auswertung nach England gebracht wurden.
Laut Anton Kisa, einem deutschen Kunsthistoriker des späten 19 Jhdt.(Das Glas im Altertum), gründeten Juden aus Hebron schon im 9ten Jhdt. n.Chr. die bis heute dort ansässige Glasindustrie.

Das 8te Jhdt. n.Chr. war das goldene Zeitalter von Tiberias, sie galt als eine der tolerantesten, multikulturellen Städte im westlichen Asien. Vom 8ten bis zum 10ten Jhdt. war die Stadt ein Zentrum jüdischer Gelehrter. Bis zum 10 Jhdt. war dies die größte jüdische Stadt in Galiläa und ein wichtiges jüdisches Zentrum mit landesweiter Bedeutung. Zu Beginn des 12ten Jhdt. zählte die jüdische Gemeinde in Tiberias 50 Familien.
Ein französischer Rabbiner der Safed um 1210 besuchte berichtete von einer jüdischen Gemeinde mit etwa 50 Mitgliedern. Infolge seiner Berichte kamen 300 englische und französische Juden in das Land um sich dort anzusiedeln.
Rabbi Yechiel kommt 1258 von Paris ins Land und gründet eine Yeshiva in Akko. Auch der Ramban kommt aus Ägypten nach Akko.

1492 fand die spanische Inquisition statt. Sie brachte viele sephardische Juden in die ottomanischen Provinzen und so auch einen langsamen Zustrom in das Land.
1481 fand der jüdisch italienische Reisende Meshulam von Volterra 20 jüdische Familien in Hebron. Einige Kabbalisten/jüd. Mystiker ließen sich in der Stadt nieder. Um 1540 gründete Malkiel Ashkenazi, ein Rabbiner aus Saloniki, der sich mit Kabbala/Mystik befasste, eine Synagoge. Zu dieser Zeit lebten 8-10 jüdische Familien in der Stadt. 1659 gründete ein Abraham Pereyra aus Amsterdam in Hebron eine Yeshiva/Betschule die viele Schüler anzog.

1558 erhielt eine portugiesisch stämmige Marrano, Donna Gracia, die Gewähr zur Steuereintreibung in Tiberias und ihrer Umgebung durch Sultan Süleyman den Prächtigen. Sie erhielt die Genehmigung eine jüdische Autonomie einzurichten da sie die Stadt zu einer jüdischen Fluchtburg ausbauen wollte. 1561 wurde ihr Neffe, Josef Nasi, Fürst von Tiberias und lud Juden ein dorthin zu kommen. Mit einem Dekret des Sultans wurden die Stadtmauern erneuert und der Grundstein für die lokale Seidenherstellung gelegt indem Maulbeerbäume gepflanzt wurden und Fachleute vor Ort gebracht wurden.
Viele Rabbiner kamen mit ihren Gemeinden nach Safed. 1525-6 hatte die Stadt 232 jüdische Haushalte. Um 1553-4 waren es bereits 716 und 56 jüdische Junggesellen. Einer Aufstellung von 1584 zufolge gab es in der Stadt 32 Synagogen. Zu der Zeit war die Stadt ein Zentrum des jüdischen Mystizismus. Um 1625 schreibt Franciscus Quaresmius, ein italienischer Orientalist, daß die Stadt vornehmlich von Juden bewohnt war, die Synagogen und ihre eigenen Schulen unterhielten.
1660 wurden Safed und Tiberias von Drusen zerstört. Die Juden von Tiberias verließen daraufhin die Stadt. Zahir al-Umar (1720 – 42), Scheich und autonomer Herrscher in Nord-Palästina lud Juden ein sich wieder in der Stadt anzusiedeln. So auch den Rabbiner Chaim Abulafia aus Smyrna um die jüdische Gemeinde der Stadt wiederaufzubauen. 1780 siedelten polnische Juden in Tiberias. Als die Stadt 1837 von einem starken Erdbeben getroffen wurde starben 500 Juden. Fünf Jahre später hatte die Stadt bereits 3.900 Einwohner, ein Drittel davon Juden. 1850 gab es in Tiberias 3 sephardische Synagogen für 80 Familien und 100 aschkenasische (polnische und russische) Familien. 1901 hatte die Stadt 3.600 Einwohner, davon 2.000 Juden. 1912 waren es 6.500 Einwohner, davon 4.500 Juden.
Um 1776 und um 1781 kamen russische Juden nach Safed. 1809 und 1810 kamen litauische Juden in die Stadt.

Um 1700 wandert der Hassidische Rabbi Yehuda mit einer 1000 Köpfigen Gefolgschaft aus Polen ein. Sie siedeln sich in Jerusalem an.1836 erlaubte Ibrahim Pasha, der Gouverneur von Ägypten den Wiederaufbau von vier Synagogen in Jerusalem. 1845 erarbeitete der preussische Konsul in Jerusalem eine Aufstellung der Einwohner. Ihr zufolge hatte die Stadt 16.410 Einwohner, davon 7.120 Juden, 5.000 Moslems, 3.390 Christen, 800 türkische Soldaten und 100 Europäer.
1850 bestand die jüdische Bevölkerung Hebrons aus 45-60 Sephardischen Familien und 50 Ashkenasischen Familien aus Polen und Russland die 1823 eingewandert waren.
 
https://en.wikipedia.org/wiki/Cairo_Geniza
https://en.wikipedia.org/wiki/Jerusalem#Overview_of_Jerusalem.27s_historical_periods
https://de.wikipedia.org/wiki/Hiskija-Tunnel
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Safed
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Tiberias

Dienstag, 4. August 2015

Meine Siedlung


Was ist das für eine Siedlung die unweit von Jerusalem jenseits der Grünen Linie liegt, einen eigenen Siedlungsblock darstellt und mit ihren über 40.000 Einwohnern in sämtlichen EU Jahresberichten erwähnt wird?
Sie liegt im Westjordanland in der Zone C, die dem Osloer Abkommen entsprechend unter Israelischer Verwaltung steht. An dem einen Ende ist sie 7 Km und an dem anderen Ende 11 Km von der Grünen Linie entfernt.

Eines der Mosaiken beim Barmherzigen Samariter
Das Siedlungsgebiet, einschließlich Industriegebiet umfasst großzügige 50 QKm (48.000 Dunam). In dieser Fläche sind ebenso Truppenübungsplätze wie die Überreste zweier byzantinischer Einsiedlerklöster und eine Zollstation aus ottomanischer Zeit enthalten. Letztere ist als Barmherziger Samariter besser bekannt. Heute findet man dort ein Museum mit Mosaiken aus römischer und byzantinischer Zeit und kann auch eine Wohnhöhle besichtigen die seit der frühen Eisenzeit genutzt wurde.

Die Überreste des Martyriusklosters in Maale Adumim

Das Klima ist im Winter nicht so kalt wie in Jerusalem weil man durch den Bergrücken auf dem Jerusalem liegt von den Niederschlagsreichen Westwinden vom Mittelmeer geschützt ist. Dafür liegt aber die jährliche Niederschlagsmenge zwischen 160 und 400 mm. Tagsüber ist es heiß und angenehm trocken und nachts kann es kühl werden.

Die Überreste des Hortymiusklosters in Mishor Adumim


Der Name kommt aus dem Alten Testament, dem Buch des Josua, Kap.15, Verse 6 – 18 (15:7,18:17). Dort wird diese Gegend als Grenze zwischen den Territorien der jüdischen Stämme Benjamin und Judah erwähnt. Der Name bedeutet Rotsteig und bezieht sich auf die Felsen die den alten Handelsweg von der Jordansenke rauf nach Jerusalem säumten, denn im Sandstein fand sich eine rote Maserung.
Nein, keine Kathedrale sondern die riesige Zisterne des Hortymiusklosters


Entstehungsgeschichte

Bis 1965          König Hussein von Jordanien lässt eine Verbindungsstraße von Amman nach Jerusalem bauen. Seine Familie bekam von den Briten das Hausrecht auf dem Tempelberg und außerdem lässt er auf dem Bergkamm, etwas weiter nördlich eine Supermoderne Villa für die Sommermonate erbauen. Sie bleibt unvollendet – der Rohbau kann heute in der Nähe des jüdischen Stadtteils Pisgat Zeev besichtigt werden. Die arabischen Dörfer um Ostjerusalem haben weder Strom noch fließend Wasser. Nur einmal im Jahr, am jüdischen Busstag dürfen einige Juden an der Klagemauer beten. Alle anderen können von einem Aussichtspunkt im jüdischen Stadtteil Talpiot aus auf den Tempelberg schauen.
1967    Israel hofft daß der jordanische König sich nicht am Krieg beteiligen wird. Er tut es aber doch. Innerhalb von zwei Stunden stehen jordanische Truppen in Jerusalem. Trotzdem kommt das Westjordanland in israelische Hand und damit auch Nord- Ost und Südjerusalem. Nach 19 Jahren ist die Stadt nun endlich wieder geeint ist soll sie nie mehr geteilt werden. Der Zugang zur Klagemauer der vorher hinter ärmlichen Schuppen verborgen war wird freigeräumt und das zerstörte jüdische Viertel in der Altstadt modern wiederaufgebaut.
1973    Yom Kippur Krieg; Israel ist trotz Vorwarnungen unvorbereitet und verliert diesen Krieg fast. Vielen Israelis wird klar daß man trotz des erfolgreichen 6-tage Krieges nicht unbesiegbar ist.
1974    Es gibt verschiedene Initiativen das Westjordanland zu besiedeln um die Sicherheitslage zu verbessern. Allen voran eine "Die Grüne Linie auslöschen" Aktion der nationalreligiösen Gush Emmunim Bewegung. In Jerusalem bildet sich ein Garin = Kern, eine Initiative die im Gebiet östlich von Jerusalem, an der Strasse runter zur strategisch wichtigen Jordansenke eine Siedlung gründen möchte um Jerusalem nach Osten hin zu schützen. Der Garin besteht aus einem breiten Spektrum von Aktivisten: Gush Emmunim, Angehörige der Likud Jugendorganisation und auch einige von der linken Mapai die aus einer Initiative zur Stadtteilerneuerung kommen. Dort wo die Aktivisten vom Militär aufgehalten werden beschließen sie auf dem naheliegenden Hügel die Siedlung zu gründen.
Die regierende Mapai Linksregierung beschließt dort ein Industriegebiet zu errichten und willigt ein daß Behausungen für die dort Arbeitenden errichtet werden. Das Gebiet ist zu der Zeit völlig unbesiedelt da es kein Wasser gibt.
1975    Der Garin errichtet im Frühjahr das erste Haus, es ist eine sogenannte Ashkubit, ein Gebäude aus Betonfertigteilen. Die Wasserleitung kommt vom Jerusalem (vom French Hill). Nach langen Diskussionen in der Regierung wird die Behausung durch das Militär geräumt.
Zum Unabhängigkeitstag wird das geräumte Haus in eine Synagoge umfunktioniert die rund um die Uhr bemannt ist. Hier finden Gebete und Familienfeiern statt und ihre Wochenenden verbringen die Familien hier.
Im Herbst kommen 23 Familien und 6 Unverheiratete in die auf einem 250 m ü.d.M. liegenden Hügel gelegene Siedlung um es zu ihrem ständigen Wohnort zu machen. Einer der Junggesellen, Uri Ariel, wird 38 Jahre später Wohnungsbauminister werden.
Während die Jahalin Beduinen vorher nur im Sommer von Jericho heraufkamen um ihre Schaf- und Ziegenherden hier zu weiden beginnen sie sich nun in der Gegend niederzulassen denn nun gibt es hier Wasser aus der Leitung. Das Verhältnis zu ihnen ist gut. Die 50 Kamele eines Scheichs sind eine Attraktion für die Kinder der Siedler.
1977    Die Wende kommt mit der erstmaligen Wahl einer Likudregierung unter Premierminister Begin. Die Regierung beschließt östlich von Jerusalem, an der strategisch wichtigen Straße runter zur Jordansenke eine Siedlung zu errichten, auch um Jerusalem nach Osten zu sichern.
1979    Die Siedlung neben dem Industriegebiet ist mittlerweile auf 50 Familien herangewachsen und auch eine Yeshiva, ein theologisches Seminar, finden sich auf dem Hügel. Als erste Siedlung in der Zone C erhält Maale Adumim den Status einer Gemeinde.
Im selben Jahr findet auch die Grundsteinlegung für die auf dem Reißbrett von einem Herrn Leitersdorf geplante, etwas weiter westlich, in Richtung Jerusalem liegende Siedlung, die, wie die Finger einer Hand, auf den Hügeln oberhalb der Straße nach Jericho liegen soll. Weil 200 Höhenmeter höher ist diese Lage, neben den Ausläufern Ostjerusalems, klimatisch günstiger.
Das 2014 mit Spenden aus den USA erbaute Konsevatorium, dahinter der Veranstaltungssaal mit 570 Plätzen der demnächst fertiggestellt wird. Im Hintergrund die 2005 eröffnete Bücherei mit 85.000 Titeln.
Links das im Jahr 2000 fertiggestellte Rathaus
1982    Die ersten Bewohner beziehen die fertiggestellten Wohnungen in der Siedlung. Erste Läden Kindergärten und Schulen werden eröffnet. Der Garin spaltet sich auf, da einige der Aktivisten nicht in einer Stadt, sondern in einer kleineren Siedlung leben möchten.
 1995    Die Siedlung hat nun über 20.000 Einwohner. Im Industriegebiet sind 90 Betriebe ansässig.

2010    Die Siedlung erreicht die 37.000 Einwohner Marke mit 8500 WE auf 6 Siedlungsteile verteilt.

 Seit 2011 wurden keine Grundstücke mehr in Maale verpachtet. Das kostet die Siedlungsverwaltung 10 Mill. IS im Jahr, wobei die Steuern nur 40% der Aufwendungen decken. Heute werden pro Jahr keine 100 WE in der Siedlung gebaut, dabei besteht ein Bedarf an Wohnungen für hier aufgewachsene die eine eigene Familie gründen.
Die Skyline von Maale Adumim. Links die Bücherei, dahinter der "alte" Siedlungskern, rechts davon das im Jahr 1999 eröffnete Einkaufszentrum, rechts daneben das Rathaus. Im Vordergrund das Gymnasium meiner Tochter mit Solarkollektoren auf dem Dach.

 

Demografische Eckdaten

In den Medien bekommen wir immer dasselbe Bild von etwas seltsam gekleideten, mit der Bibel fuchtelnden, Siedlern serviert. Mal hört man den Begriff Nationalreligiös, mal Ultraorthodox. Meist sind es amerikanische oder russische Juden die hier "natürlich" nichts zu suchen haben.
658.000 Israelis leben jenseits der Grünen Linie. Kann es wirklich sein daß die alle "aus einem Guss" sind?
Maale hat einen Anteil von 18% Nationalreligiösen und lediglich 1% Orthodoxe. Die meisten, nämlich 50% sind Traditionell Konservative. 31% sind Säkular.
Was sind Traditionell Konservative? Es sind Juden die den Samstag und die übrigen jüdischen Feiertage einhalten, an diesen Tagen in die Synagoge gehen, ohne dabei sämtliche 613 Gebote einzuhalten. Äußerlich sind sie von den Säkularen nicht zu unterscheiden denn diese beiden Bezeichnungen beschreiben eigentlich die Bandbreite der Juden die nicht zu den beiden vorgenannten Gruppierungen gehören.
Nur 2% der Bewohner sind in Nordamerika geboren und nur 11% in Osteuropa. Aus Südamerika kommt ein halbes Prozent, Westeuropa 1%, Asien 1%, Afrika 2%. Und die restlichen 82%? Die sind erstaunlicherweise alle in Israel geboren worden.
Wie wählen die "Maalatis"? In den letzten 5 Parlamentswahlen hat die Wahlbeteiligung zwischen 65 und 81% gelegen wobei der Durchschnitt um die 71% liegt.
Und welche Parteien werden gewählt? Die israelische Parteienlandschaft ist sehr dynamisch, Parteien kommen und gehen, schliessen sich zusammen und trennen sich wieder, daher ist es sinnvoller nach Richtungen aufzuteilen.
Hätten die ausländischen Medien mit ihren Schauergeschichten recht so müßten die Nationalreligiösen um die 105 % liegen. Bei den letzten Wahlen lagen sie bei knapp über 25%, davor schwankten sie zwischen 7 und 21%. Am besten fährt der konservative Likud, der normalerweise bei 30 - 40% liegt. In den beiden vorletzten Wahlen, als die Liebermanpartei separat ohne den Likud lief lag sie beidemale über 15%. Auch die Zentrumsparteien können sich nicht beklagen. Obwohl sie ständig wechseln kommen sie immer auf Ergebnisse die über 10% liegen. Shas, die Partei der religiösen Sefaradim liegt immer zwischen 7 und 10%. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei schafft die 5% Hürde kaum oder garnicht.

Bildung

In Israel stehen Kindern und Jugendlichen drei Bildungswege offen. Zum einen der Orthodoxe, der nach einer Art Grundausbildung zur Yeschiva, dem theologischen Seminar führt. Der Lehrplan ist sehr traditionell mit Schwerpunkt auf Erlernen der Bräuche. Englisch und Naturwissenschaften werden garnicht oder kaum gelehrt. Es gibt auch die säkulare Alternative mit den bekannten Lehrinhalten. Die dritte Alternative liegt dazwischen. Es ist die Nationalreligiös geprägte die die bekannten Lehrinhalte mit den religiösen verbindet. Die beiden letzteren Bildungswege führen zum Abitur.
50% des Siedlungsbudgets gehen in die Erziehung. Es gibt hier ein komplettes Bildungsangebot bis hin zum Abitur. Die Siedlung hat 7 säkulare Grundschulen mit 2650 Schülern, 5 Nationalreligiöse mit 1565 Schülern. 5 säkulare weiterführende Schulen mit 2500 Schülern und 4 nationalreligiöse weiterführende Schulen für 1350 Schüler. Insgesamt 78 Kindergärten mit 2000 Plätzen und 21 Schulen.

Die Schul- und Sportstättenachse der Siedlung
Maale Adumim liegt mit 89.2% an siebter Stelle was den Anteil der Jugendlichen angeht die den Wehrdienst antreten. Von den höher platzierten Städten liegt keine einzige jenseits der Grünen Linie.
Quelle: http://news.walla.co.il/item/2692876
9% der Erwachsenen haben bis zu 12 Schuljahre, 70% haben 12 Schuljahre und Abitur, 18% haben einen Abschluss der mit einem Vordiplom vergleichbar ist und 3% haben ein Diplom oder einen höheren Abschluss.
Wo arbeiten die "Maalatis"? 81% arbeiten in Jerusalem, 13% in Maale Adummim, und 6% woanders.

Mishor Adummim

So heißt das 15 QKm große Industriegebiet mit dessen Projektierung eigentlich alles anfing. Es ist eines der ersten bei dem die Verantwortung vom Industrieministerium der Siedlungsverwaltung übertragen wurde, das war 1998. Von den 15 QKm sind 11 QKm im Besitz von Gewerbebetrieben, 2,5 QKm stehen zur Vermarktung bereit und 2 QKm als Reserve für zukünftige Vermarktung. Damit hat dieses Industriegebiet die größten Gebietsreserven im Großraum Jerusalem.

Gesamtansicht auf Mishor Adumim
Rund 300 Gewerbebetriebe sind bereits hier ansässig, darunter Handel, Autowerkstätten, Nahrungsmittelbranche, Textilverarbeitung, Baustoffhandel, Aluminium- und Metallverarbeitung und Druckereien. Flächen können auch angemietet werden.
Der gesamte Industriepark gilt als Vorzugsförderungsgebiet, was bedeutet daß es günstige Anleihen und Steuererleichterungen für Investoren gibt. Die Gemeindesteuer liegt um fast 50% unter der für Gewerbebetriebe in der Heiligen Stadt nebenan.
2000 Palästinenser finden hier eine Beschäftigung. Die Siedlungsverwaltung beschäftigt desweiteren 70 Jahalin Beduinen in den Sektoren Gartenbau und Strassenreinigung.
Die Firma "Soda Stream" zog aus politischen Gründen in den Negev um, der auch als staatlich subventionierter Standort gilt. 500 Palästinenser, 450 arabische und 350 jüdische Israelis mußten sich daher einen neuen Arbeitsplatz suchen.


Montag, 14. Juli 2014

Gaza Karussell

  
Wenn mal wieder Raketen im Gazastreifen abgefeuert werden lässt der Iron Dome zwar praktisch nichts durch, aber bei jedem Alarm muß man doch sicherheitshalber in den nächstgelegenen Schutzraum. Man geht dann für 10 min. in den Schutzraum und schließt die Tür. Der Raum ist so geplant daß man geschützt ist sogar wenn eine Rakete ins Haus einschlägt, in unserem Fall fungiert er als Arbeitsraum. Ansonsten geht der Alltag, abgesehen von der Freizeitgestaltung, seinen gewohnten Gang. Hätte ich Angst würde ich es natürlich niemals zugeben denn genau daß will ja die Hamas, eigendlich bin ich aber eher stolz auf unseren Iron Dome.
 
Schaut man in die Medien um zu verstehen was vor sich geht, tragen die Bilder eher zur Verwirrung als zum Verständnis bei. Da heißt es einerseits daß die Hamas ganz Israel mit ihren Raketen beschießt, aber andererseits sieht man nur die Zerstörungen im Gazastreifen und die zahlreichen Toten und Verletzten dort. Genau daß ist das Ziel der Hamas. Netanjahu hat das wesentliche einst in einem Satz zusammengefasst: Israel schützt seine Zivilisten mit Raketen, Hamas schützt seine Raketen mit Zivilisten.
Den Israelischen Medien zufolge gibt es im Gazastreifen mehrere tausende Raketen die unter öffentlichen Gebäuden gelagert sind. Hamas und der Islamische Jihad schießen diese Raketen auf Israel, die jetzt das ganze Land abdecken können. Israel kann natürlich nicht tatenlos zusehen daß seine Bürger gefährdet werden, auch wenn der Iron Dome den Eindruck erweckt es würden lediglich Feuerwerkskörper abgeschossen. Hamas hat einige hundert M-75 Raketen. Dies ist eine Eigenentwicklung, die Zahl gibt die Reichweite an - also bis nach Tel Aviv und Jerusalem. Desweiteren hat man versucht mit Hilfe von langen Tunnels und mit Froschmännern vom Meer aus Israelis zu entführen, wie schon 2006 mit Gilad Shalit geschehen. Die Tunnels wurden entdeckt und gesprengt, die Froschmänner liquidiert.
Die IDF ist klug genug um zu wissen daß zu viele tote Palästinenser unser ohnehin angeschlagenes Image noch weiter verschlechtern würden. Daher wird versucht möglichst gezielt vorzugehen. Als Gegenmaßnahme bombardiert die israelische Luftwaffe die Stellen von denen die Raketen abgeschossen wurden, vermutete Lagerstätten von Raketen und Wohnhäuser von Hamas und Islamischer Jihad Aktivisten. In allen Fällen werden die Bewohner vorher per SMS aufgefordert das Gebäude zu verlassen und/oder es wird eine Rakete ohne Sprengkopf auf das Dach gefeuert. Die Aktivisten sitzen ohnehin in Bunkern die tief in den Sand gegraben sind. Man hört auch von den Pannen wenn das falsche Haus bombardiert wurde oder ein Heim für Geistig Behinderte die nicht in der Lage waren den Spielregeln entsprechend zu handeln.
 
Was sich abspielt ist ein Asymmetrischer Krieg. Eine ordentliche, gut ausgerüstete Armee geht gegen eine Terrororganisation vor. Letztere hat nur Offensivwaffen, nicht etwa weil die Mittel nicht reichen - wie sich gerade zeigt mangelt es nicht an Raketen -, sondern weil Zivilopfer Teil der Strategie sind. Und so werden Raketen in öffentlichen Gebäuden gelagert und von ihnen aus abgeschossen. Laut Kriegsrecht können Gebäude in denen Waffen lagern angegriffen und zerstört werden. Aber mit Bildern der Opfer lässt sich die Weltmeinung vorzüglich gegen Israel lenken. Wie sehr diese Taktik nicht mal im Interesse der Zivilbevölkerung in Gaza ist zeigt folgende Aussage: laut Militärkorrespondentin bei Reshet Bet - Israels populärstem Radiosender, treffen von all den hunderten abgeschossenen Raketen nur 2% wirklich etwas. Um 88% kümmert sich unser Iron Dome (der jetzt nochmehr Kaufinteressenten finden wird). Und die übrigen 10% der Raketen? Die fallen in den Gazastreifen - also mehr als auf Israel.
 
Die Hamas hat im Moment einen schweren Stand weil sie keine Unterstützung mehr aus Syrien und aus Ägypten mehr bekommt. Die ersteren bekämpfen jetzt Sunniten im eigenen Land und bei den letzteren sind die Moslembrüder nicht mehr an der Macht. Militärische Erfolge gegen Israel könnten das angeschlagene Image aufpolieren und so neue Finanzierungsquellen erschließen. Dazu muß man wissen daß die Hamas nicht nur eine Terrororganisation ist sondern wegen dem religiösen Hintergrund sich auch um Wohlfahrt kümmert. Ja, auch den Moslems ist Barmherzigkeit und Fürsorge ein Begriff. Hamas ist also auch Arbeitsamt, Krankenhaus, Kindergarten, Rentenversicherung... Die Frage ist allerdings ob die Religion und die daraus folgende Fürsorge echt ist oder ob sie nur benutzt wird um Anhänger um sich zu scharen. Die Hamas hat die Wahlen im Januar 2006 nicht nur gewonnen weil Palästinenser im Gazastreifen angriffslustiger sind als im Westjordanland, sondern weil die Beamten der PA von Abbas wohl ziemlich korrupt waren. Korrupt bedeutet hier aber nicht unbedingt daß jemand aus niederen Beweggründen in die eigene Tasche arbeitet. Da die Familienbande wesentlich weiter reichen als in Europa üblich, kann sich so mancher veranlasst sehen seine eigenen Leute zu bevorzugen. Im Juni 2007 brachte die Hamas den Gazastreifen dann gewaltsam unter ihre Kontrolle, mit ihrer Legitimität ist es also nicht so weit her.
 
Mit seinen Militäroperationen möchte Israel die Hamas derart schwächen daß sie sich davon nicht mehr erholt, auch soll eine ausreichende Abschreckung erzielt werden damit eine erneut vereinbarte Waffenruhe auch lange genug anhält. Stoppt man zu früh - die Hamas würde ihr Waffenarsenal wieder auffüllen und in ein paar Monaten wären wir wieder am Anfangspunkt. Wie gesagt, je mehr Zerstörung und Zivilopfer auf palästinensischer Seite zu beklagen sind desdo schlechter steht Israel vor der Weltöffentlichkeit da und desdo besser für die Hamas. Israelischen Medien zufolge sind ein Teil der veröffentlichten Bilder garnicht aus dem Gazastreifen sondern aus Syrien und aus dem Irak. Die Vermittlerrolle hat mittlerweile Ägypten übernommen.
 
Wäre es möglich eine konkurrierende Wohlfahrt zur Hamas einzurichten hätte man eine Chance die Hamas bis zur Bedeutungslosigkeit zu schwächen und so die Lage dauerhaft zu beruhigen. Man kann aber nicht von Israel verlangen sich um das Wohlergehen von 2 Millionen Gazastreiflern zu kümmern. UN Soldaten vielleicht, von irgendwoher, die die lokalen Eigenheiten nicht kennen und sich zurückziehen sobald es brenzlig wird, wie z.B. die aus Fiji und Österreich die die Grenze zwischen Israel und Syrien geräumt haben als es ungemütlich wurde? Nein danke. Für realistisch halte ich (unter Missachtung demokratischer Spielregeln) die Verwaltung durch die PA unter dem wachsamen Auge der Ägypter. Beides Araber, beide mögen die Islamisten nicht, beide haben gezeigt daß sie Abmachungen länger als eineinhalb Jahre einhalten können. Verantwortungsbewusste Araber die andere Araber dazu anhalten vernünftig zu handeln.