Donnerstag, 25. August 2022

 

Tipps aus der Wüste


Statt wie sonst immer Blogbeiträge zur Lage hier zu verfassen dachte ich mir es könnte angebracht sein meine Erkenntnisse vom Leben mit der Sommerhitze im Blog zu teilen. Nicht alles ist direkt übertragbar, das meiste aber doch.

Gehen wir von Innen nach außen, also vom Körper über die Kleidung weiter zur Behausung die einzelnen Aspekte durch.

Körper: Erste Regel: wann Immer es heiß ist: früh genug genug trinken. Warum ein solch komplizierter Satz? Der Körper braucht einige Zeit um Flüssigkeit aufzunehmen. Wenn man wartet bis man richtig durstig ist, kann es meist schon zu Spät sein. Am besten eignet sich Wasser oder Tee. Am erfrischendsten – während einer zweimonatigen Radtour getestet – ist Wasser mit dem Saft einer frisch gepressten Zitrone.

Essen verdirbt in der Hitze viel schneller, Schokolade kann schmelzen - der Kühlschrank wird also noch wichtiger.

Kleidung: Ich gehe nie aus dem Haus ohne eine Halbliter Wasserflasche. Einerseits will man genug Wasser in den Körper reinkriegen, andererseits macht es Sinn das möglichst wenig aus dem Körper entweicht. Außerdem kann zuviel Sonnenstrahlung zu Hautkrebs führen, besonders wenn man genetisch nicht für viel Sonne ausgelegt ist. Das falscheste ist demnach also wegen der Hitze in einer Badehose herumzulaufen. Ich trage einen Hut mit Krempe, Sonnenbrille, beschmiere mein Gesicht mit Sonnencreme und trage ein langärmeliges Hemd über einem T-Shirt (ohne Unterhemd) und lange Hose (mit Unterhose). Alles was die Haut berührt sollte aus Baumwolle sein weil die den Schweiß am besten aufnehmen kann. Das Langärmelige Hemd kann dunkel sein. Es gibt eine These die besagt das die dunkle Kleidung sich mehr erwärmt und so zu einem schweißtrocknenden Luftzug führt.

Nach einer Expedition in die unwirtliche Außenwelt kann eine lauwarme Dusche sehr erfrischend sein. Zum einen wird der Schweiß aus den Poren geschwemmt und zum anderen kann der Körper durch die Haut bis zu 2% seines Wasserbedarfs aufnehmen.

Moslems sollen sich die Füße vor dem Gebet waschen. Keine schlechte Idee. Daß unsere Füße den ganzen Tag in Strümpfen stecken die ihrerseits in Schuhe gezwängt werden ist nur für Fußpilze erfreulich. Sandalen ohne Strümpfe sind eine bessere Alternative.

Eine Fußwaschung einmal am Tag nach dem nach Hause kommen, wenn man sich an dem Tag nicht duscht halte ich für angemessen.

Behausung:

Nach zwei bis drei heißen Tagen haben sich bei uns die Außenwände aufgewärmt und strahlen die eingefangene Wärme nach innen ab. Ergebnis 31 Grad bei uns. Unter dem Dach ist es naturgemäß wärmer – bei uns beträgt der Unterschied zwischen den Etagen 2 – 3 Grad. Deutsche Häuser sind weit besser gedämmt, aber der Effekt wird derselbe sein. Glashäuser sind Energiefänger. Was im Winter angenehm ist dürfte im neuen deutschen Sommer unerträglich sein. Am bauphysikalisch sinnvollsten ist es solche Bauteile von außen abzudecken. Wenn das nicht möglich ist dann von Innen abdecken und ansonsten vom Rest des Bauwerkes zumindest mit einem dicken Vorhang abtrennen.

Tagsüber lasse ich bei uns die Rollladen runter damit keine Sonnenstrahlung eindringt und öffne die Fenster entsprechend den Windverhältnissen. Nachts reiße ich möglichst alle Fenster auf und ziehe die Rollläden hoch. Eine kühle, windige Nacht kann bei uns die Innentemperatur von 31 auf 27 Grad senken.

Benutzt man Ventilatoren oder Lüfter zur Kühlung sollte man daran denken noch mehr zu trinken da sie eine Austrocknung des Körpers beschleunigen.

Bei uns hat fast jeder eine Klimaanlage. Diese Geräte können auf bis zu 17 Grad runterkühlen und im Winter bei Temperaturen um den Nullpunkt passabel heizen. Bei uns ist die Klimaanlage auf um die 25 Grad eingestellt denn jedes weitere Grad Kühlung bedeutet einen zusätzlichen Energieverbrauch von etwa 5%. Und wenn es draußen heiß ist liegt die gesündeste Innentemperatur bei 25 Grad.

Wäsche trocknet innerhalb von etwa 3 – 4 Stunden in der Sonne ohne Strom zu verbrauchen. So kann man an heißen Tagen auf den Trockner (der ja auch Wärme abgibt) verzichten und mit der niedrigsten Drehzahl die Wäsche schleudern.

Allerdings kann die Sonne die Farben ausbleichen wenn man die Wäsche länger in der Sonne läßt.

In trockenen Gebieten (bis zu 50% Luftfeuchtigkeit) kann man die Wäsche in der Wohnung trocknen. Die verdunstende Feuchtigkeit kann die Temperatur senken. Man kann auch den Boden nass abwischen um die Innenräume so zu kühlen.

Statt einer zu warmen Decke kann man auch die Bezüge für die Bettdecke ohne ebenjene verwenden wenn sie aus Baumwolle sind.

Lederne Uhrenarmbänder weichen durch den Schweiß auf. Besser sind solche aus Silikon und noch besser sind solche aus geflochtenen Baumwollschnüren.

 Auto: für die Windschutzscheibe gibt es Abdeckungen (jalusien) die die Aufheizung drinnen verzögern. Auch das Lenkrad kann heiß werden. Man kann es vorsorglich mit einem alten Handtuch abdecken.

Für Brillenträger gibt es aufsteckbare Sonnenbrillen die sich hochklappen lassen. Sehr praktisch wenn man plötzlich in eine Unterführung reinfährt.

Zu Fuss: möglichst im Schatten gehen auch wenn es ein kleiner Umweg ist. Auf der Straßenseite entlanggehen wo die Häuser Schatten werfen.

Apartheidsstraßen im Westjordanland? Selber nachprüfen.

Neulich hat mich wieder einmal jemand im Forum von „Der Standard“ mit der Behauptung geärgert hier im Westjordanland wären sogar die Straßen für Israelis und Palästinenser getrennt. Bei meiner Suche nach einem Gegenbeweis bin ich auf den folgenden Videoclip gestossen:

https://www.youtube.com/watch?v=sJXtpa8R6so

Da hat jemand einfach eine Busfahrt im November 2021 von Jerusalem aus zur Jordansenke gefilmt. Am kleinen grünen X an dem Fahrkartenhalter kann man erkennen daß es sich um einen israelischen „Egged“ Linienbus handelt. Man kann sich den Clip anschauen und selber nach israelischen und palästinensischen Kennzeichen suchen. Auf dem Weg kommt man auch an einigen Orten vorbei die im neuen Testament und in der Weltpresse von sich reden gemacht haben. Ausserdem kann man einen Teil der zahlreichen Beduinencamps entlang dieser Schnellstraße sehen.

Damit es leichter fällt und schneller geht gebe ich im folgenden für alles meiner Meinung nach wichtige Minutenangaben an, darunter auch die Autos mit palästinensischem Kennzeichen.

Meine Behauptung: auf dieser wichtigen Schnellstraße (die Nr. 1), die von Tel Aviv kommend über Jerusalem bis zur Jordansenke führt, kann man hinter Jerusalem, also im Westjordanland israelische wie palästinensische Autos sehen. Getrennt sind nur die Zufahrten zu den einzelnen Orten und ein Sonderfall (den wir sehen werden) um den Palästinensern einen Checkpoint zu ersparen.

Erläuterung: Gelbe Minibusse sind palästinensische Sammeltaxis, weisse Kennzeichen, grüne Kennzeichen = Palästinenser, Gelbe Kennzeichen = Israelis.

Los geht’s:

Minute 4:08 Baustelle für den Tunnel unter dem French Hill,

ab 5:10 ist das in Bau befindliche Park and Ride Parkhaus am French Hill über dem Tunneleingang zu sehen.

Israelischer Alltag: 5:50 da der Abschleppwagen in der Haltebucht des Busses parkt, wie auch ein PKW, kann der Bus diese nicht benutzen und blockiert so die eine Fahrspur runter zum Jordantal. 6:43 hier sieht man die versteckte Ampel über die ich mich jedesmal ärgere.

7:08 die Skyline des Shuafat Flüchtlingslagers taucht auf.

7:24 die Baustelle für den Tunnelausgang.

7:54 die Abfahrt zur Tankstelle von Issawieh, das zu Ost-Jerusalem gehört und von Ost-Jerusalemern betrieben wird. Rechts die Häuser von Issawieh, links die von Shuafat.

8:50 die Kreuzung rechts nach Issawieh, links der Sonderfall, die berüchtigte "Apartheidsstraße", bei uns 4370 oder auch östliche Ringstraße genannt. Hier sieht man die Einmündung des Teils für israelische Autos. Parallel dazu führt die Straße für palästinensische Autos hinter der Absperranlage, die etwas weiter so in eine Anschlussstelle mündet daß die palästinensischen Autos separiert bleiben. Den palästinensischen Autofahrern wird so ein zusätzlicher Checkpoint erspart. An den Strassenlaternen kann man sehen das die separate Strasse links hinter der Trennmauer verläuft.

9:43 die „Mechlaf Ha Seitim“ genannte Anschlussstelle kommt ins Bild. Links geht es nach Ost- Jerusalem, rechts zum Ölberg.

10:02 unter der Brücke der Östlichen Ringstraße durch geht es in eine Unterführung.

10:35 links der Checkpoint nach Jerusalem hin, von rechts hintereinander zwei Einmündungen für die aus Ost-Jerusalem kommenden Autos.

10:54 links das bei „Kennern“ berühmt berüchtigte E1 (separater Beitrag im Blog),

11:44 die Abfahrt nach Maale (wenn Sie mich besuchen wollten)(separater Beitrag im Blog). Im Hintergrund auf dem rechten Hügel die Häuser von Azariah und auf dem linken die von Maale.

12:58 Anschlussstelle Maale Adummim. Hier kommen die Autos der Palästinenser, von Azariah und Abu Dis kommend, dazu.

13:42 gerademal ein Schuppen ist zu sehen, aber links liegt direkt an der Straße das Beduinencamp Khan al Ahmar. Es war in der Weltpresse als es geräumt werden sollte, (separater Beitrag im Blog) was bis heute nicht geschehen ist.

15:21 Die vielen parkenden Autos mit weissem Kenzeichen gehören Palästinensern die im rechts gelegenen Mishor Adummim Industriegebiet arbeiten.

15:23 rechts der Abzweig nach Mishor Adummim,

15:30 Ein gelber Minibus mit grünem Kennzeichen ist ein palästinensisches Sammeltaxi. Er biegt an der Ampel links in Richtung Hizmeh ab.

15:59 Beduinencamp rechts.

16:33 Beduinencamp links.

16:40 Palästinensischer Kia Forte,

17:17 die gelben Poller an der Bushaltestelle (Kfar Adummim) sollen verhindern daß die Wartenden von einem palästinensischen Auto angefahren werden.

17:47 Links und rechts oben die Gebäude des „Barmherzigen Samariter“.

17:57 Abzweig zum Barmherzigen Samariter, hier befand sich zu ottomanischen Zeiten eine Zollstation, heute ein Museum mit Mosaiken aus dem gesamten Westjordanland.

18:27 – 18:40 rechts im Tal noch ein Beduinencamp.

19:08 rechts noch ein Beduinencamp.

19:13 Palästinensischer Minibus.

19:31 der Abzweig zum recht bekannten Wadi Qelt,

19:38 Palästinensischer Skoda Octavia links.

20:47 Abzweig zum „Meeresspiegel“.

21:02 in dieser Gegend ändert sich vieles sehr schnell und manches gar nicht. Wer genau hinschaut sieht rechts das Kamel, zum erstenmal habe ich es 1967 neben dem Felsen gesehen, noch bevor der grüne Strich die Lage des Meeresspiegels angab (21:03). Touristen können das Kamel für ihre Urlaubsfotos erklimmen. Bezahlung beim irgendwo im Schatten nebendran sitzenden Beduinen.

22:16 Palästinensischer grauer Skoda Octavia rechts.

23:30 links die Strasse nach Jericho.

23:43 Bis auf zwei haben alle anderen Linksabbieger ein palästinensisches Kennzeichen. An der Strasse Cafes und Baumschulen von Betreibern aus Jericho.

25:20 300m unter dem Meeresspiegel. Rechts, nicht zu sehen, das Tote Meer, vor uns, auch nicht zu sehen, Jordanien.

25:46 links geht es auf den Nordteil der Schnellstraße Nr.90, die an der Jordansenke entlangführt. Fährt man weiter geradeaus macht die Schnellstraße Nr. 1 einen Bogen nach rechts und wird zum Südteil der Nr. 90.

26:40 Palästinensischer weisser Minibus.

27:21 Palästinensischer Kleinlaster in Gegenrichtung,

28:57 Palästinensischer Sattelschlepper.

30:06 „St. Gerasimos“. Benannt nach einem asketischen Mönch der einen Löwen gezähmt haben soll. Noch ein palästinensischer Sattelschlepper.

30:27 Und noch ein palästinensischer Sattelschlepper.

30:30 Palästinensischer Ford Focus,

31:25 Palästinensischer grauer Opel Astra.

32:37 „Kasser al Jahud“ – die Taufstelle am Jordan.

33:01 Palästinensischer schwarzer VW Caddy.

34:10 Kreuzung rechts geht es zum Grenzübergang Allenby Brücke und links nach Jericho.

34:36 eines der roten Schilder auf denen steht das Israelis das Fahren auf dieser Straße verboten ist.

Freitag, 22. Juli 2022

 

Empfehlenswerte Quellen, Version 2.0

Die Israelische Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus daß man in ihr alles finden was man sucht, vom sattsam bekannten, mit der Bibel fuchtelnden Ultraorthodoxen Siedler bis zum Ultralinken jüdischen Israelkritiker. Das wiederum erlaubt es den Journalisten auszuwählen, zu editieren um dann nicht etwa eine komplexe, schwer durchschaubare Realität, sondern ein griffiges Schwarz-Weiss Bild darzustellen. Daß sieht spannend aus, gibt aber nicht die Israelische Realität wieder. 
 
Das Grab der Patriarchen mit Hebron drumherum an einem ruhigen Tag.

Um tendenziösen Journalismus etwas entgegenzusetzen muß man ihn erkennen können. Im folgenden einige Links die dabei helfen sollen:

Eine gute Übersicht ist "Israel kurzgefasst", verfasst von Gisela Dachs und herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Auch "Israel - Traum und Wirklichkeit des jüdischen Staates" von Michael Brenner bei C.H.Beck erschienen, netto 235 Seiten, halte ich für empfehlenswert.

Alle desweiteren angegebenen Links führen auf englischsprachige Internetseiten.

Was denken eigentlich die Palästinenser selbst über den Konflikt? Seit über 20 Jahren befasst sich
Dr. Khalil Shikaki mit dieser interessanten Frage. Er hat es sogar 2003 gewagt die Vertriebenen zu fragen ob sie vom Rückkehrrecht überhaupt Gebrauch machen wollen was ihm ziemlichen Ärger von der PA eingebracht hat. Meiner Ansicht nach eine der wenigen wirklich um Objektivität bemühten Quellen auf palästinensischer Seite.
 https://www.pcpsr.org/

Und was denken wir Israelis? An englischsprachigen Quellen zu dem Thema mangelt es nicht.

Was die Israelischen Medien angeht gilt die in Deutschland gern zitierte Haaretz (= das Land) hier als Linksaussen. Ihr Anteil liegt bei gerade mal 5%

"Yedioth Acharonot" (= Letzte Nachrichten) mit 38% Anteil und "Jerusalem Post" und die "Times of Israel" liegen mehr im Mainstream. Hier die Links:


 
 https://www.timesofisrael.com/


Vielgelesen ist auch die gut gemachte "Israel Hayom" (= Israel Heute) auch mit 38% Anteil.


Allerdings muß man wissen daß die Druckausgabe umsonst verteilt wird und von einem Netanyahuunterstützer gegründet wurde. 
 
Die israelische Zivilbehörde die für den Kontakt mit palästinensischen Zivilisten zuständig ist hat eine eigene Internetseite. Eine interessante Quelle wenn man die Unterstellungen der NGO's nicht ungeprüft übernehmen möchte.
 
https://www.gov.il/en/departments/news?OfficeId=f79320cc-188a-43ed-84f2-6b60fe464ad4&skip=0&limit=10

Sie können sich vorstellen daß die Palästinenser auch im Unrecht sein können? Dann können Sie bei "Regavim" reinschauen, eine israelische NGO die den Palästinensern und den Beduinen im Negev auf die Finger schaut.

https://www.regavim.org/

Pro-Israelische Juristen zum Human Rights Watch Report: 

https://www.ilfngo.org/_files/ugd/3445b6_5be4f0805cf04c8ca8f95967b16ef4a0.pdf


Pro-Israelische Juristen zum Amnesty Report: 

 https://www.ilfngo.org/_files/ugd/3445b6_d83af1064ef84d3794bb102c12dd3eea.pdf

Interessant sind die Dokumente der Briten aus der Mandatszeit weil hier eine dritte Seite mit einem bekannten Wertsystem die Lage betrachtet und beurteilt. Hier finden sich Hinweise auf Fragen wie z.B. inwieweit haben die einwandernden Juden das Land aufgebaut und haben die Auseinandersetzungen erst mit der Besetzung des Westjordanlandes oder mit dem Unabhängigkeitskrieg angefangen.
Interessant übrigens daß es bis vor einigen Jahren möglich war diese Berichte auf der UN eigenen Internetseite der UNSIPAL einzusehen - mittlerweile aber nicht mehr.

Das Mandat

https://www.jewishvirtuallibrary.org/text-of-the-british-mandate-for-palestine

REPORT for 1921

https://archive.org/details/report-admin-palestine-1920/page/n15/mode/2up

REPORT for 1922


REPORT for 1923

https://yplus.ps/wp-content/uploads/2021/01/Palestine-%E2%80%93-Report-by-His-Britannic-Majestys-Government-on-the-Palestine-Administration-1923.pdf

REPORT for 1936




Dienstag, 21. September 2021

Israelische Impressionen 

Statt meiner Cousine eine Email mit Geburtstagsgrüßen und einer Menge angehängter Bilder zu schicken widme ich ihr diesen, zur Abwechslung mal Apolitischen Beitrag.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag liebe Dorit..


Eine Straße in Haifa mit deutschen Wurzeln.

 



Etwas weiter findet man die israelische Schreibweise für Strudel ...
 
 

Dieselbe Straße der ehemaligen Templerkolonie: ein Büro des Lubavitcher Rebbe...

 
 


... und daneben eines der Siebentags Adventisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Beschilderung nicht zur Information, sondern als Denkanstoß

 

Auf dem großen Schild steht „Kein Ausgang“, auf dem kleinen darunter „Ausgang“.
Der ehemalige Ausgang wurde zum Eingang umfunktioniert - ist doch klar, das entsprechende Schild ist größer.
 
 
 
Rechts oben die Öffnungszeiten, darunter steht zweimal groß und dreimal klein „Geöffnet“ und darunter das Vorhängeschloss.
 



Fussgänger in Jerusalem 1: Hier kann man auf dem Bürgersteig durchkommen, wer allerdings genau hinschaut sieht daß der Kran gerade eine Last über ihn hinweghievt. In der heiligen Stadt geht man wohl davon aus das noch weiter oben jemand über einen wacht...

 


Fussgänger in Jerusalem 2: Hier kann man auf dem Bürgersteig nicht durchkommen. Der Baum war vorher da und die Autos sind hier wichtiger als Fussgänger, schließlich gibt es wesentlich mehr Fussgänger als Autos.

Parken in Jerusalem: mitten auf den Staßenbahnschienen? Kein Problem, denn  Samstags gibt es hier keinen ÖPNV.


Wer kann der darf 1

Hochkarätige Polizeioffiziere auf einer Tribüne neben der Knesset in Jerusalem.

Auf dem Schild steht:“Besteigen verboten"


Wer kann der darf 2  Da kein Polizist je einem Kollegen ein Knöllchen ausstellen wird, kann man beim Parken Kreativität an den Tag legen.

 








 

Wer kann der darf 3  

Auch auf dem Supermarktparkplatz kann man sich mit etwas Einfallsreichtum und Wagemut das duchqueren des weiten Platzes in der heißen Mittagssonne sparen. Rechts parken die Einkaufswagen.

 

Gegenseitige Rücksichtnahme in der israelischen Version

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1976 erbaut und von dem israelischen Architekten Zwi Hecker geplant, sollte dieses 720 Wohneinheiten zählende Großprojekt in einem Jerusalemer Vorort, (nein, tut jetzt nichts zur Sache ob diesseits oder jenseits der Grünen Linie) im Kontrast zum Einheitsgrau der normalen Wohnprojekte stehen. Es sollte etwas neues symbolisieren. 

 

Hecker befasste sich mit geometrischen Formen und war vom japanischen Metabolismus beeinflusst (kein medizinischer Zustand, sondern eine Stilrichtung die Architektonische Megastrukturen mit natürlichen Wachstumsvorgängen verbinden will) 

Für dieses Projekt experimentierte er mit Fünfecken.



Den religiös-orthodoxen Bewohnern sagte seine Progressivität weniger zu. 

Sie wollen ,vor allem für ihre Bücherregale mit Lehrbüchern, lieber normale Räume in normalen Wohnungen, als das Gefühl Biene in Bienenwaben zu sein. 

Und so sehen wir hier einen einmaligen Vorgang: ein Bau wird von seinen Auf-, An- und Umbauten langsam verschluckt.

 



Überraschend

Verfolgt mich die Werbung aus Deutschland bis vor die eigene Haustüre in Maale Adummim? Nein, soweit sind wir noch nicht. Die lokale Supermarktkette kauft ihre Einkaufswagen in Deutschland gebraucht ein und läßt für etwas ausländischen Flair die Werbung einfach dran.

Sonntag, 1. August 2021

Was verschiedene Kalender mit der Stürmung der Al Aqsa Moschee durch die Polizei zu tun hatten.

Aktualisiert am 4.6.26 

Einen Tag vor dem Jerusalemtag stürmte die israelische Polizei die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg. Brutale Provokation des zionistischen Besatzers? Es ist schon etwas komplexer.

Die Klagemauer ist eine der Böschungsmauern des Tempelbergs. Bei begründetem Verdacht (der Berg ist Kameraüberwacht) rückt die Polizei an. Ihrzufolge hatten Ost-Jerusalemer Jugendliche Steine und andere Wurfgeschosse auf dem Tempelberg gelagert. Am folgenden Tag sollte die Flaggenparade am Damaskustor durch das muslimische Viertel der Altstadt bis zum Vorplatz der Klagemauer führen. Auf der Seite des Bergs steht lediglich ein eingeschossiger Bau - kein Problem also von dort Steine zu werfen die dann die unten auf dem Platz vor der Klagemauer versammelten Menschen gefährden würden.

 Siehe auch den Blogbeitrag von Jan. 2018 "Bemerkungen zum Tempelberg (Ver.2.0)"

Um die Hintergründe zu verstehen muß man auch auf die beiden relevanten Kalender schauen und nicht nur auf den Gregorianischen.

Muslimischer Kalender: 7.5. letztes Freitagsgebet im Ramadan, jüdischer: 10.5. Jerusalemtag, an dem wir Israelis der Befreiung der Stadt im 6-tage Krieg 1967 gedenken. Der Tag ist mittlerweile zu einer Machtdemonstration der Nationalreligiösen verkommen, an dem sie mit einem Flaggenmarsch durch die Altstadt bis zur Klagemauer paradieren. 

Im selben Jahr fiel auf denselben Tag auch der Laylat al-Qadr des Ramadan. Eid al-Fitr am 12.5. markierte das Ende des Fastenmonats. 14.5. AlQuds Tag, dasselbe wie der Jerusalem Tag, nur unter umgekehrtem Vorzeichen: der Fall der Stadt in die Hände der Ungläubigen. Eine Erfindung der Iraner um ihre Solidarität mit den Palästinensern auszudrücken. 15.5. war Nakba Tag, das Gegenstück zum israelischen Unabhängigkeitstag an dem der 710.000 geflüchteten und vertriebenen Palästinenser von 1948 gedacht wird.

Diese unselige Konzentration von Gedenktagen stellt die Vorgänge in den notwendigen Zusammenhang.

Mir scheint ausländischen Berichterstattern sind all diese Zusammenhänge völlig unbekannt oder zu komplex was in Folge das Narrativ vom willkürlich handelnden Israeli und vom seinen Launen schutzlos ausgelieferten Palästinenser nährt. Die Palestinian Authority wartet nur auf eine Gelegenheit zu behaupten der Tempelberg und die Al-Aqsa Moschee wären in Gefahr. Was die Angelegenheit dann auch Medienwirksam dramatisiert.

Scheich Jarrach, Vertreibung oder rechtmäßige Räumung

Gleichzeitig stand die Räumung von vier Familien im zwei Straßenbahnhaltestellen davon entfernten arabischen Stadtteil Scheich Jarrach an. Dies infolge eines Rechtsstreits, denn die Gebäude gehören jüdischen Eigentümern - es ist aber, wie so vieles bei diesem Konflikt, etwas komplexer.
1875 kaufte eine jüdische Stiftung diese Liegenschaften. Vor allem Juden aus dem Jemen zogen ein - bis sie 1948 durch die jordanische Armee vertrieben oder getötet wurden. Fortan bewohnten Araber die Häuser.
Die jetzigen Bewohner sind Araber die 1948 von Haifa und Jaffa geflohen waren. Die Jordanier boten ihnen an die Häuser auf ihre Namen zu registrieren – der Vorgang wurde jedoch von den jordanischen Behörden nicht zu Ende geführt. Bis in die frühen 1990er-Jahre zahlten sie den jüdischen Eigentümern auch Miete. Dann untersagten die palästinensischen Behörden die Mietzahlungen, da dies einer Anerkennung der israelischen Eroberung/Annektion gleichkäme. Vor einigen Jahren wurden die Eigentumsrechte von einer Siedlernahen Organisation aufgekauft. Sie möchte dort Juden ansiedeln, denn die Häuser befinden sich in der Nähe des Grabes von Simon dem Gerechten (Shimon Ha Zadik, ca. 300 v. Chr.), einem jüdischen Hohepriester.

Der Rechtsstreit zieht sich schon Jahre hin. Das Jerusalemer Bezirksgericht, vor dem verhandelt wurde, forderte die Seiten zu einem Vergleich auf. Die Palästinenser sollten bis zur Klärung der Rechtslage wieder Miete zahlen und auf ihre Ansprüche verzichten, wozu sie aber nicht bereit waren. Danach wurde der Fall vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof verhandelt.

Quellen:

https://www.jpost.com/israel-news/several-arab-families-in-sheikh-jarrah-in-jerusalem-face-eviction-666954

https://www.jpost.com/middle-east/court-to-hear-today-if-sheikh-jarrah-compromise-reached-667307

Da es die Palästinenserbehörde ist die die Mietzahlungen untersagt, würde ich den Betrag von den Geldern abziehen die Israel an ebenjene PA überweist. So könnten die arabischen Familien weiter dort wohnen, ohne durch ideologische Siedler ersetzt zu werden, die nur für Unruhe sorgen.

Genauso umgekehrt. Vermischung halte ich in dem Fall für ein sicheres Rezept für Ärger.

Den freien Zugang zu religiösen Stätten halte ich für wichtig, und darunter fällt nicht nur der freie Zugang von Moslems zum Tempelberg sondern auch der Zugang zu einem Grab das sich schon vor dem Bau dieses Stadtteils dort befand. Ich glaube aber nicht das ein paar ideologische Siedler für seine Sicherung besser geeignet sind als ein paar zufriedene arabische Cafebesitzer in seiner Nähe und eine Polizei die bei Bedarf für Ordnung sorgt.

Ein Phänomen Namens E1



Gegenüber einer Schlafstadt vor den Toren Jerusalems liegt ein Hügel, E1 genannt.

Mit seinen auf dem 3500 Wohneinheiten, Hotel und einem kleinen Gewerbegebiet das Palästinensern aus dem angrenzenden Nachbarort A-Zaiim in israelischen Betrieben Arbeit bieten sollte ist es ein Phänomen. Obwohl ich auf dem Weg nach Jerusalem an diesem Hügel vorbeifahre hat es einige Zeit gedauert bis mir die weltpolitische Wichtigkeit dieses Hügels am Rande der judäischen Wüste bewusst wurde. Gebe ich "E1, Israel" in eine Suchmaschine ein, bekomme ich 462,000 Treffer. Wie schafft es ein Stadtteil einer jüdischen Schlafstadt im Westjordanland so viel Aufmerksamkeit zu erregen? Wobei er noch gar nicht gebaut wurde.

 

Die derzeitigen Nutzer von E1 ein Beduine mit seinen Ziegen

 

Der Hügel liegt gegenüber von Maale Adummim und sollte eine Stadterweiterung sein. 

 

E1 von Maale Adummim aus gesehen

 

 Geschichtlicher Kontext:

Durch den israelischen Sieg im 6-tage Krieg wurde die Teilung Jerusalems aufgehoben. Nach 19 Jahren war die Klagemauer, der Tempelberg und die Ruinen des von den Jordaniern zerstörten jüdischen Viertels für uns Juden wieder frei zugänglich.
Zu der Zeit entstand die Idee die Stadt mit einem Ring von jüdischen Ortschaften zu umgeben damit sie nie wieder geteilt werden könnte. Nach dem fast verlorenen Yom-Kippur Krieg von 1973 kam die Erkenntnis hinzu das Jerusalem nach Osten hin ungeschützt war. Das war der Grund für die Gründung der Siedlung Maale zwei Jahre später, wie mir eine der Gründermütter in einem Interview erzählte. Erwähnenswert das sich unter den Gründern Sozialdemokraten, Konservative und Nationalreligiöse fanden.

Der Ring aus neuen Stadtteilen existiert mittlerweile. Maale mit seinen 41.000 Einwohnern und seiner Lage direkt an der Hauptstraße von Jerusalem runter zur Jordansenke ist wohl das wichtigste Glied, aber auch Ramot (47.000 Einw.), Gilo (31.000 Einw.), Pisgat Seev (50.000 Einw.)... sind längst fertiggebaut. 

Das mit dem Ring hat allerdings nicht so recht funktioniert denn auch Schuafat (35.000 Einw.), Sur Baher (15.000 Einw.), Abu Dis (15.000 Einw.), Al-Azarya (Bethanien)(18.000 Einw.)... sind gewachsen. Statt Ring also eher Flickenteppich.

 

Blick in Richtung Maale und Azaria   

 

 Wegen dieser Flickenteppich-Realität wird von israelischer Seite argumentiert das Maale zu einer Enklave werden könnte. 1994 veranlasste der damalige Premierminister Rabin die Planung von E1.

Mit einer Enklave ganz in der Nähe hat man im Unabhängigkeitskrieg (1948) schlechte Erfahrungen gemacht.

„…when a convoy, escorted by Haganah militia, bringing medical and military supplies and personnel to Hadassah Hospital on Mount Scopus, Jerusalem, was ambushed by Arab forces.

Seventy-eight Jewish doctors, nurses, students, patients, faculty members and Haganah fighters, and one British soldier were killed in the attack. Dozens of unidentified bodies, burned beyond recognition, were buried in a mass grave in the Sanhedria Cemetery.”

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Hadassah_medical_convoy_massacre

Und so kommen wir zu den 12 QKm die E1 ausmachen. Es ist das unbebaute Gebiet zwischen Maale und Jerusalem. Begrenzt wird es im Süden und Westen von den benachbarten palästinensischen Ortschaften und nach Norden hin von einem Wadi und einer Straße.

Just an diesem Hügel prallen die Interessen von Israel und PA aufeinander.

Wir Israelis wollen die Verbindung von Tel Aviv über Jerusalem zur Grenze entlang der Jordansenke sichern. In dem Zusammenhang ist auch der große Krach um die Räumung von Khan-al-Ahmar zu sehen. Ein Beduinencamp direkt an der Straße, einen Steinwurf von E1 entfernt. Es soll abgerissen werden, denn die israelische Seite vermutet daß die PA die Beduinen dazu anstiftet sich entlang der Straße niederzulassen um so eine Art Kontrolle ausüben zu können. Die Schuppen der Beduinen erhalten natürlich keine Baugenehmigung von der israelischen Zivilverwaltung und so wird ab und zu abgerissen. Die obdachlos Gemachten kommen aber bei den Verwandten unter bis sie ihre Schuppen neu errichtet haben.

Die israelische Zivilverwaltung möchte sie in neu geschaffenen Ortschaften konzentrieren. Argument ist die bessere Versorgung (Wasser, Elektrizität, Schulen), die Sicherheit spielt wohl auch eine Rolle. Es ist leichter wenige große Ortschaften zu kontrollieren als die vielen kleinen Camps. Dasselbe Vorgehen findet man auch den Beduinen im Negev gegenüber. Siehe z.B. die Stadt Rahat.

Mehr dazu in meinem Blog hier: https://zonecinfo.blogspot.com/2018/09/

Weiterführende Quelle: http://honestreporting.com/despite-the-hype-e1-doesnt-cut-west-bank-in-two/

Blick von Maale in Richtung Jerusalem. E1 ist auf der rechten Seite


Die Palästinenser wollen die Verbindung von Samaria im Norden und Judäa im Süden sichern. Weil Jerusalem durch einen 20 Km langen Korridor nach Westen hin mit dem Rest des Landes verbunden ist, entsteht hier eine Einschnürung im WJL. Die PA (Palästinensische Autonomiebehörde) befürchtet daß aus der Einschnürung durch E1 eine Abschnürung würde denn das Gebiet liegt zentral im WJL auf einer möglichen Entwicklungsachse Ramallah – Betlehem.

2007 hat Israel mit dem Bau einer Straße exklusiv für Palästinenser begonnen die beide Städte verbinden sollte. Man kann einen Teil der Trasse in einem Tal bei Maale sehen. Israelischen Angaben zufolge blieb das Projekt stecken weil die PA sich weigerte die Straße an ihr bereits bestehendes Netz anzubinden. Es hätte das Argument der Abschnürung geschwächt.

Der PA gelang es die Amerikaner von der Gefährlichkeit des E1 Projektes zu überzeugen und von ihnen ein Veto zu erlangen. Dies obwohl es östlich von Maale noch einen 20 Km breiten Streifen bis zur jordanischen Grenze gibt – das Argument der Palästinenser steht also auf wackligen Füßen. Auf dem Hügel wurde bisher nur das Polizeihauptquartier für das WJL = Westjordanland gebaut.