Aktualisiert am 4.6.26
Einen Tag vor dem Jerusalemtag stürmte die israelische Polizei die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg. Brutale Provokation des zionistischen Besatzers? Es ist schon etwas komplexer.
Die Klagemauer ist eine der Böschungsmauern des Tempelbergs. Bei begründetem Verdacht (der Berg ist Kameraüberwacht) rückt die Polizei an. Ihrzufolge hatten Ost-Jerusalemer Jugendliche Steine und andere Wurfgeschosse auf dem Tempelberg gelagert. Am folgenden Tag sollte die Flaggenparade am Damaskustor durch das muslimische Viertel der Altstadt bis zum Vorplatz der Klagemauer führen. Auf der Seite des Bergs steht lediglich ein eingeschossiger Bau - kein Problem also von dort Steine zu werfen die dann die unten auf dem Platz vor der Klagemauer versammelten Menschen gefährden würden.
Siehe auch den Blogbeitrag von Jan. 2018 "Bemerkungen zum Tempelberg (Ver.2.0)"
Um die Hintergründe zu verstehen muß man auch auf die beiden relevanten Kalender schauen und nicht nur auf den Gregorianischen.
Muslimischer Kalender: 7.5. letztes Freitagsgebet im Ramadan, jüdischer: 10.5. Jerusalemtag, an dem wir Israelis der Befreiung der Stadt im 6-tage Krieg 1967 gedenken. Der Tag ist mittlerweile zu einer Machtdemonstration der Nationalreligiösen verkommen, an dem sie mit einem Flaggenmarsch durch die Altstadt bis zur Klagemauer paradieren.
Im selben Jahr fiel auf denselben Tag auch der Laylat al-Qadr des Ramadan. Eid al-Fitr am 12.5. markierte das Ende des Fastenmonats. 14.5. AlQuds Tag, dasselbe wie der Jerusalem Tag, nur unter umgekehrtem Vorzeichen: der Fall der Stadt in die Hände der Ungläubigen. Eine Erfindung der Iraner um ihre Solidarität mit den Palästinensern auszudrücken. 15.5. war Nakba Tag, das Gegenstück zum israelischen Unabhängigkeitstag an dem der 710.000 geflüchteten und vertriebenen Palästinenser von 1948 gedacht wird.
Diese unselige Konzentration von Gedenktagen stellt die Vorgänge in den notwendigen Zusammenhang.
Mir scheint ausländischen Berichterstattern sind all diese Zusammenhänge völlig unbekannt oder zu komplex was in Folge das Narrativ vom willkürlich handelnden Israeli und vom seinen Launen schutzlos ausgelieferten Palästinenser nährt. Die Palestinian Authority wartet nur auf eine Gelegenheit zu behaupten der Tempelberg und die Al-Aqsa Moschee wären in Gefahr. Was die Angelegenheit dann auch Medienwirksam dramatisiert.
Scheich Jarrach, Vertreibung oder rechtmäßige Räumung
Gleichzeitig stand die Räumung
von vier Familien im zwei Straßenbahnhaltestellen davon entfernten
arabischen Stadtteil Scheich Jarrach an. Dies infolge eines
Rechtsstreits, denn die Gebäude gehören jüdischen Eigentümern -
es ist aber, wie so vieles bei diesem Konflikt, etwas komplexer.
1875
kaufte eine jüdische Stiftung diese Liegenschaften. Vor allem Juden
aus dem Jemen zogen ein - bis sie 1948 durch die jordanische Armee
vertrieben oder getötet wurden. Fortan bewohnten Araber die Häuser.
Die
jetzigen Bewohner sind Araber die 1948 von Haifa und Jaffa geflohen
waren. Die Jordanier boten ihnen an die Häuser auf ihre Namen zu
registrieren – der Vorgang wurde jedoch von den jordanischen
Behörden nicht zu Ende geführt. Bis in die frühen 1990er-Jahre
zahlten sie den jüdischen Eigentümern auch Miete. Dann untersagten
die palästinensischen Behörden die Mietzahlungen, da dies einer
Anerkennung der israelischen Eroberung/Annektion gleichkäme. Vor einigen Jahren
wurden die Eigentumsrechte von einer Siedlernahen Organisation
aufgekauft. Sie möchte dort Juden ansiedeln, denn die Häuser
befinden sich in der Nähe des Grabes von Simon dem Gerechten (Shimon Ha
Zadik, ca. 300 v. Chr.), einem jüdischen Hohepriester.
Der Rechtsstreit zieht sich schon Jahre hin. Das Jerusalemer Bezirksgericht, vor dem verhandelt wurde, forderte die Seiten zu einem Vergleich auf. Die Palästinenser sollten bis zur Klärung der Rechtslage wieder Miete zahlen und auf ihre Ansprüche verzichten, wozu sie aber nicht bereit waren. Danach wurde der Fall vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof verhandelt.
Quellen:
https://www.jpost.com/middle-east/court-to-hear-today-if-sheikh-jarrah-compromise-reached-667307
Da es die Palästinenserbehörde ist die die Mietzahlungen untersagt, würde ich den Betrag von den Geldern abziehen die Israel an ebenjene PA überweist. So könnten die arabischen Familien weiter dort wohnen, ohne durch ideologische Siedler ersetzt zu werden, die nur für Unruhe sorgen.
Genauso umgekehrt. Vermischung halte ich in dem Fall für ein sicheres Rezept für Ärger.
Den freien Zugang zu religiösen Stätten halte ich für wichtig, und darunter fällt nicht nur der freie Zugang von Moslems zum Tempelberg sondern auch der Zugang zu einem Grab das sich schon vor dem Bau dieses Stadtteils dort befand. Ich glaube aber nicht das ein paar ideologische Siedler für seine Sicherung besser geeignet sind als ein paar zufriedene arabische Cafebesitzer in seiner Nähe und eine Polizei die bei Bedarf für Ordnung sorgt.
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