Donnerstag, 28. November 2013

Zum Thema Beschneidung


Was habe ich damit zu tun?

Die Diskussion um dieses Thema leidet an einem fürchterlichen Wissensdefizit. Als aufgeklärt erzogener Jude möchte ich meinen Beitrag dazu leisten dieses Defizit zu reduzieren damit die Diskussion halbwegs vernünftig geführt werden kann.
 

Worum geht es hier?

Ein Kölner Gericht urteilte, daß ein muslimischer Arzt, der einen vier Jahre alten Jungen auf Wunsch seiner Eltern beschnitten hatte, eine Körperverletzung beging. Das Urteil vom Juni 2012 stellte das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit über dem Recht der Eltern und der Freiheit der Religionsausübung. Der Arzt wurde freigesprochen weil er nicht wissen konnte daß dies verboten war. Danach könne aber kein Arzt dies mehr behaupten.
Die ehemalige Kinderschutzbeauftragte des Bundestages beantragte daraufhin die Beschneidung zu verbieten. Dies wurde jedoch durch das sogenannte Beschneidungsgesetz vom Dezember 2012 verhindert. Ende der Geschichte? Nein, denn dieselbe Frau hat als erste "Generalberichterstatterin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates für Belange der Kinder" der EU einen Bericht vorgelegt und die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat daraufhin ein Dokument vorgelegt in dem die Beschneidung zusammen mit der genitalen Verstümmelung von Mädchen = FGM als Grund "besonderer Besorgnis" bezeichnet. Die Mitgliedsstaaten des Europarates sollten deshalb das Bewusstsein für Risiken solcher Praktiken fördern und das Kindeswohl in den Mittelpunkt stellen.

Sind Beschneidung und FGM vergleichbar?

Unter http://en.wikipedia.org/wiki/FGM#Reasons finden sich folgende Erklärungen für FGM: die Verhinderung von vorehelichem Geschlechtsverkehr und/oder die Reduzierung der weiblichen Lust damit es dem Mann leichter fällt mehrere Frauen zu haben. Bei den Dogon in Mali steht anscheinend feucht für weiblich und trocken für männlich, daher wird das jeweils andersartige weggeschnitten. Schon bei den alten Ägyptern findet sich dieses Vorgehen.
FGM fügt den Mädchen unbestritten einen anhaltenden Schaden zu und bringt auch keinerlei medizinische Vorteile. Die Beschneidung hingegen fügt keinen anhaltenden Schaden zu und galt bis zum Ausbruch der Beschneidungsdebatte sogar als medizinisch vorteilhaft - siehe http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2011-11/weltaidstag
Dieser Quelle zufolge: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidung-eine-dauerhafte-und-irreparable-veraenderung-11799975.html hat man auch eine Moorleiche in Norddeutschland gefunden die Beschnitten war.

Warum wird so sehr aufs Judentum fokussiert (und nicht auch auf den Islam)?

Mohammed zählt die Beschneidung als eine der Weisungen für die fitrah auf. Die befolgung der fitrah soll dem Gläubigen Anerkennung und Würde verleihen. Im Koran steht: "Folge dem Glauben Ibrahims, dem Aufrechten im Glauben." (16:123) Aussagen zum Glauben Ibrahims oder auch Abrahams finden wir in der Torah, so auch explizit die Weisung zu Beschneiden. In Mose 1,Kapitel 17 ab Vers 9 wird Abraham vom Herrn mit der Ausführung beauftragt.
Eigene Übersetzung:
9:" Und der Herr sagte zu Abraham: bewahre meinen Bund, du und der Same der nach dir kommt für alle Generationen. 10 Dies ist mein Bund den ihr wahren sollt zwischen mir und euch und eurem Samen der nach euch kommt. 11 Beschneiden sollt ihr euch jeden männlichen (Nachkommen). 12 Beschneidet das Fleisch der Vorhaut und es soll werden zum Zeichen eines Bundes zwischen mir und euch. 13 Und acht Tage alt beschneidet euch jeden der männlich ist für alle Generationen, den im Haus geborenen und den für Geld erworbenen von jedwedem Fremden der nicht von deinem Samen ist. Beschneide den in deinem Haus geborenen und den für Geld erworbenen und es ward mein Bund in eurem Fleische zu einem Bund solange die Welt besteht. 14 Der männliche welcher nicht das Fleisch seiner Vorhaut wird beschneiden, herausgerissen (ist) jene Seele aus seinem Volke, gegen meinen Bund hat sie verstossen."
Dieses Gebot wird schon im ersten der Fünf Bücher Mose ausgesprochen, noch vor den 10 Geboten.

Brauch, Tradition oder was?

Beschneidungsgegner tun die Beschneidung als archaisch/primitive Tradition ab. Ein Brauch, eine Tradition ist etwas was sich in Folge der Auslegung der Schriften etabliert hat und geändert werden könnte wenn man nur bereit wäre die Schriften anders auszulegen. Da die Beschneidung aber in der Torah direkt angesprochen wird, ist sie nicht Tradition oder Brauch sondern ein Gebot des Jüdischen Glaubens und indirekt auch des Islam.

Man kann die Jüdische Religion mit einer Zwiebel vergleichen. Innen ist die Torah (5 Bücher Mose) Neviim (Propheten) und Ketuvim (Schriften). Darüber legen sich die älteren und jüngeren Auslegungen und darüber kommen die Auslegungen der zeitgenössischen Rabbiner. Über die Auslegungen kann man sich streiten da es Menschenwerk ist und die können sich ändern wenn es die äußeren Umstände erfordern. Die Tora selber allerdings wird als ein von Moses geschriebenes Buch angesehen. Also auch Menschenwerk? Nein denn dies wird als von G-tt diktiertes Werk angesehen welches nicht angetastet werden soll. "Nicht hinzufügen zu dem welches ich euch auftrage und nicht abziehen von ihm sollt ihr, bewahret die Gebote G-ttes, eures Herrn die ich euch auftrage." so steht es in der Tora selbst - Mose 5, Kapitel 4, Satz 2.

Man könnte demnach fordern daß die Eltern über ihr Handeln aufgeklärt werden, man kann sogar fordern daß der Vorgang selber von medizinisch geschultem Personal vorgenommen wird ohne mit dem Gebot selbst in Konflikt zu kommen.
 

Pro und Kontra Beschneidung

Pro:
Man braucht kein Doktor zu sein um sich denken zu können daß Hautfalten ein vorzüglicher Aufenthaltsort für Bakterien/Krankheitskeime sind.

- Es kann sein daß nachdem durch die Wehen/Schmerzen der Mutter bei der Geburt des Kindes eine gefühlsmäßige Bindung entsteht, mit der Beschneidung ähnliches beim Vater erreicht werden soll. Der Schmerz des Kindes festigt die Bindung zum mitfühlenden Vater. - Es kann sein daß Identität und Zugehörigkeit frühestmöglich festgelegt werden sollen. - Es kann sein daß genau da wo der Samen aus dem Körper des Mannes in den der Frau übergeht und so den Fortbestand des Volkes sichert, der junge Mann daran erinnert werden soll zu welchem Lager er gehört. Wenn man bedenkt daß bei Abrahams Nachbarn Menschenopfer en vogue waren, sieht die Anweisung des Herrn schon sinnvoll aus. Es ist eine Grundaussage des Glaubens daß wir uns sichtbar von den anderen unterscheiden wollen. Das wäre letztendlich Endogamie, also der Versuch sicherzustellen daß eine Partnerin aus der eigenen Religionsgemeinschaft gewählt wird.

Kann sein dies, kann sein das - leider findet sich im Alten Testament keine Erklärung für dieses Gebot. Schluderigkeit beim Niederschreiben der Anweisungen? Ich glaube nicht. Da es nicht das einzige Mal ist, geht es wohl eher darum die Gläubigen zu nötigen sich Gedanken über deren Inhalt zu machen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Circumcision - hier findet sich folgendes:
Neonatal circumcision is generally safe when done by an experienced practitioner... complications occur in less than 1% of procedures, and constitute the vast majority of all acute circumcision complications in the United States. Minor complications are reported to occur in 3% of procedures...
Significant acute complications happen rarely, occurring in about 1 in 500 newborn procedures in the United States... The mortality risk is estimated at 1 in every 500,000 neonatal procedures conducted within the United States.

Der "Shulchan Aruch" (Gedeckter Tisch), ist eine praktische Auslegung der Gebote der Tora, die von dem Rabbiner Yosef Karo 1563 zusammengestellt wurde. Dort finden sich 8 Punkte zur Durchführung einer Beschneidung. Demnach muß der Beschneider vorher ermitteln ob das Kind gesund ist und die Mutter dazu anhalten ihm sofort Bescheidzusagen wenn sie irgendetwas ungewöhnliches am Neugeborenen bemerkt. Die Beschneidung ist so wichtig daß sogar ein vor dem achten Tag verstorbener Säugling vor der Beerdigung beschnitten werden soll.
Es heißt daß am 8ten Tag die Selbstheilungskräfte am stärksten sind.

Contra:
Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit gemäß Artikel 2 des Grundgesetzes.

G-tt hat uns perfekt gemacht, er will nicht, dass wir da etwas wegschneiden. Und noch obendrein ohne das erklärte Einverständnis des Betroffenen. Das sagt die Frau die hinter dieser Initiative steckt, zu lesen in diesem Beitrag: http://www.zeit.de/2012/42/Beschneidung-Gesetz

Traumatisiert oder fröhlich?
Ein Facharzt der im Zeit Online Beitrag "Das richtige Urteil!" zu Wort kommt http://www.zeit.de/2012/29/Beschneidungsdebatte/seite-2, konstatiert: "Die Entfernung der Vorhaut stellt ein Trauma dar und kann zu erheblichen körperlichen, sexuellen oder psychischen Komplikationen und Leidenszuständen bis ins Erwachsenenalter führen." Wie weist man nach daß Komplikationen eines Erwachsenen mit einem Vorgang zu tun haben der soweit zurückliegt daß er sich bestimmt nicht daran erinnern kann?

An die erste Beschneidung bei der ich dabei war kann ich mich nicht mehr erinnern, dafür war ich zu jung. Auch an die Schmerzen kann ich mich nicht mehr erinnern und bin daher meinen Eltern für die schnelle Erledigung der Angelegenheit dankbar. Ich kann aber auf folgendes Link verweisen: 
http://dradler-berlin.de/media/operation-beschneidung.pdf:
Dort findet sich folgendes:
Die Fachwelt ist sich uneins, wie ausgeprägt Schmerzempfindungen in der Genitalregion des Neugeborenen bzw. die Schmerzverarbeitung des Nervensystems beim Neugeborenen sind.
Tatsächlich weinen die Kleinen oft gar nicht, oder nur kurz, bzw. schreien bereits, wenn sie noch nicht mal entblößt sind, weil sie die ungewohnten Geräusche, die fremden Menschen und die fehlende Nähe zur Mutter missmutig stimmen. Sicher ist jedoch, das die Schmerzempfindung deutlich zunimmt, je älter das Kind ist. Schon drei Wochen nach der Geburt eines reif geborenen Kindes sind die Schmerzreaktionen deutlich und heftig weshalb spätestens dann eine örtliche Betäubung mittels Spritze und zuvor mittels Betäubungscreme erfolgen sollte.

Ist die medizinische Indikation hier relevant?

Ich meine - nein, weil es sich um ein Gebot handelt. Als Gläubiger wird man auch ohne erwiesene medizinische Vorteile beschneiden denn gläubig sein heißt zum einen die menschliche Unvollkommenheit zu sehen und zum anderen an eine höhere Instanz zu glauben die schon ihre Gründe haben wird wenn sie etwas anordnet.
 

Rechtslage

Im folgenden einige Kommentare aus dem Zeit-Forum die mir relevant erschienen.

Bei der Abwägung zwischen dem Recht der Eltern aus Artikel 6 sowie deren Recht auf die Freiheit der Religionsausübung gemäß Artikel 4 des Grundgesetzes auf der einen Seite und dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit (Artikel 2 Grundgesetz) auf der anderen Seite sei festzustellen, dass die Beschneidung als traditionell-rituelle Handlungsweise der Dokumentation der kulturellen und religiösen Zugehörigkeit zur muslimischen Lebensgemeinschaft diene. „Damit wird zugleich einer drohenden Stigmatisierung des Kindes entgegengewirkt“, heißt es im erstinstanzlichen Urteil welches dann in zweiter Instanz revidiert wurde.

Wie sich aus der ständigen Rechtsprechung des BVerfG ergibt, üben die Eltern das Grundrecht der Religionsfreiheit gewissermaßen Treuhänderisch für das unmündige Kind aus. Deshalb muss sich ein Verbot der Beschneidung von Knaben am Maßstab des Art. 4 GG prüfen lassen. "Die in Art. 4 Abs. 1 GG verbürgte Glaubensfreiheit umfasst auch den Anspruch, nach eigenen Glaubensüberzeugungen leben und handeln zu dürfen (vgl. BVerfGE 32, 98 <106>; 93, 1 <15>). In Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG, der den Eltern das Recht zur Pflege und Erziehung ihrer Kinder garantiert, gewährt Art. 4 Abs. 1 GG das Recht zur Kindererziehung in religiöser und weltanschaulicher Hinsicht. Danach ist es Sache der Eltern, ihren Kindern Überzeugungen in Glaubens- und Weltanschauungsfragen zu vermitteln (vgl. BVerfGE 41, 29 <44, 47 f.>) und nicht geteilte Ansichten von ihnen fernzuhalten (vgl. BVerfGE 93, 1 <17>)."

BVerfGE 93, 1:
"Zur Glaubensfreiheit gehört aber nicht nur die Freiheit, einen Glauben zu haben, sondern auch die Freiheit, nach den eigenen Glaubensüberzeugungen zu leben und zu handeln (vgl. BVerfGE 32, 98 [106]). Insbesondere gewährleistet die Glaubensfreiheit die Teilnahme an den kultischen Handlungen, die ein Glaube vorschreibt oder in denen er Ausdruck findet"

Problematisch wäre es wenn die Beschneidung zu einer dauerhaften Festlegung auf einen Glauben führen würde. Das ist aber nicht der Fall, jedenfalls ist mir keine Religion bekannt die von ihren Gläubigen verlangt unbeschnitten zu sein.
 

Praktische Konsequenzen eines Verbots

Hier der Versuch sich in die Lage des Kindes zu versetzen sollten die Empfehlungen des Europarates zu Gesetzen reifen.
Jüdische und Muslimische Jungen in Deutschland müßten bis zum Erreichen der Religionsmündigkeit mit 14 abwarten um dann selber entscheiden zu können ob oder ob nicht. Statt daß die Beschneidung zu einem Zeitpunkt vollzogen wird an dem man über die Schmerzempfindung des Betroffenen diskutieren kann, würde sie auf einen Zeitpunkt verlegt wo es zweifellos weh tut - und warum? Weil jemand der eigendlich nichts damit zu tun hat ihm Vorhaut und eine Wahlfreiheit erhalten will die in der Praxis nicht durchsetzbar ist. Oder sollten sie etwa von Zeit zu Zeit vorstellig werden, die Hose runterlassen damit sichergestellt werden kann daß keine Gesetzesübertretung begangen worden ist? Sollten jüdische und muslimische Jungen in speziellen Internaten großgezogen werden damit sie mit 14 Jahren wirklich objektiv, von den Eltern unbeeinflusst entscheiden können?

Ein ziemlich extremes Szenario, realistischer sind diese beiden Möglichkeiten:
Die herannahende Entscheidung bliebe den Schulkameraden nicht verborgen. Würden sie den Jungen darin bestärken sich zu seinem Glauben zu bekennen oder würden sie ihn auffordern, im Sinne der Aufklärung, von diesem archaischen Ritus abzulassen? Wäre es nicht viel naheliegender daß sie die Gelegenheit nutzen würden den Jungen zu hänseln, oder sich sonstwie auf seine Kosten einen Spaß machen? Folge könnte sein daß die Eltern ihre Söhne lieber in "eigene" Schulen schicken um ihnen daß zu ersparen - Segregation statt Integration.
Sollte er bis dahin seine Verwandten in Israel oder der Türkei besuchen, werden die wohl hinter vorgehaltener Hand tuscheln - das wäre ein Beispiel für die im Erstinstanzlichen Urteil angesprochene Stigmatisierung. Ein viel besserer Nährboden für Komplexe als wenn man die ganze Sache in den ersten Lebenstagen hinter sich bringt. Wohl dem der Verwandten hat die bei sowas nicht tuscheln würden.

In welcher Gefühlswelt würde der Junge aufwachsen? Entscheidungsfreiheit statt Zugehörigkeit. Religion nur für Erwachsene - so wie Pornographie.

Noch wahrscheinlicher wäre, daß ein "Beschneidungstourismus" anfinge. Jene denen daran liegt würden ihren Sohn dann ausserhalb der EU beschneiden lassen. Effekt: Kinder würden weiterhin beschnitten werden, nur nicht "vor unserer Haustür". Der Junge müsste natürlich dafür sorgen diesen Umstand bis zu seinem 14ten Geburtstag zu verheimlichen.

 Es fragt sich was die Intention jener ist die diese Initiative vorantreiben. Geht es wirklich um den Schutz des Neugeborenen, oder meint man als Mehrheit neugeborene Kinder aus Prinzip bevormunden zu können da man sich sicher ist es besser zu wissen. Dabei müßte man eigendlich als vernünftiger Mensch in der Lage sein, die Initiative mit ihren möglichen Folgen zu durchdenken und den eigenen Handlungsweg zu hinterfragen.

Integration ist nicht Gleichmacherei sondern den Anderen in seinem Anderssein akzeptieren können. Dabei braucht man keine Angst zu haben der Andere könne sich nicht eingliedern nur weil er anders ist. Ich denke die meisten Migranten sind heilfroh in Deutschland zu sein und wenn sie auch nicht ihre eigene Identität ablegen wollen, so werden sie doch wenigstens wie gerngesehene Gäste sein wollen die ihren Teil zum Gesamtwohl beitragen, so war es jedenfalls bei meinen Eltern.

Aufklärung kontra Religion

Der Gläubige Mensch sieht die Unvollkommenheit des Menschen und sucht das vollkommene, das unveränderliche. Dies konnte von Stellvertretern ausgenutzt werden. Die Aufklärung hat es geschafft diesen Misständen durch das Prinzip der Bildung für alle, ein Ende zu setzen. Heute können wir lesen, wir können selber in die Quellen schauen und uns eine eigene Meinung bilden. Nun muß also alles erklär- und begründbar sein. Die Vernunft wird als oberste Instanz gesehen welche sich auf das derzeitige Wissen stützt. Dieses Wissen kann sich aber ändern und die menschliche Vernunft ist ein arg limitiertes und unzuverlässiges Ding. Ein Gläubiger wird nicht anfangen sein heiliges Buch zu editieren weil Teile davon mit dem gerade herrschenden ZeitGeist der Umgebung nicht in Einklang stehen denn in dem Fall hätte er seinen G-tt einem Geist geopfert.

Der Aufgeklärte Mensch denkt mit und hinterfragt. Ist das neu? Nein, daß hatten wir schon, sogar vor ganz langer Zeit. In Mose 1, Kapitel 28, Sätze 20 - 32 will der Herr Sodom vernichten und Abraham handelt ihm das Versprechen ab, davon abzusehen wenn sich Gerechte in der Ortschaft befinden. So auch mit Moses: als der Herr nach dem Skandal mit dem Goldenen Kalb das Volk Israel vernichten und Moses zum Stammvater eines Neuanfangs machen will, weist ihn dieser darauf hin das es schlecht aussehen würde erst ein Volk in die Freiheit zu führen um es dann zu vernichten. Mose 2, Kapitel 32, Sätze 8 - 14.

Eine Errungenschaft der Aufklärung ist daß man über alles offen reden kann, doch wenn als Folge davon die Genitalien Andersgläubiger ins Rampenlicht gezerrt und genauestens inspiziert werden anstatt sich mit dem Glaubens- und Regelgebäude der betroffenen Religionen auseinanderzusetzen um eine sinnvolle Diskussion zu führen wirft dies Fragen zum Wert der Offenheit auf.

Auch wenn man nicht glauben kann daß das was in den Heiligen Büchern erzählt wird in der Form stattgefunden haben kann, der Umstand das soviele Menschen sich bis Heute mit der Materie befassen legt nahe daß man etwas daraus lernen kann. Wenn man der Religion mit Misstrauen begegnet nur weil sie mal von Menschen zu ihren eigenen Zwecken missbraucht wurde kann man von ihren Inhalten nicht profitieren. Nur wer kein Interesse hat sich zu bessern weil er sich für vollkommen hält wird sich daran nicht stören.

zum Nachdenken

Wer die Beschneidung als gewalttätigen und barbarischen Brauch verurteilt sollte sich bewusst sein daß es noch einen Fall gibt in dem die Eltern für das Kind eine Entscheidung treffen, ohne zu warten bis es sich selber dazu äußern kann. Auch hier hat es für die Eltern eine große Bedeutung. Es ist die Abtreibung. Obwohl das Kind die Ausführung der Entscheidung nicht überlebt wird es als eine moderne Errungenschaft im Sinne der Gleichheit, Freiheit und Emanzipation gefeiert. Der Unterschied: bei der Abtreibung ist das Kind (Fötus) ungeboren und wird bis zum Zeitpunkt der Geburt nicht als vollwertiges Individuum angesehen.

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