Montag, 11. März 2013




Zum EU Heads of mission Jerusalem Report 2012

 
Der Bericht liest sich für mich als hätte ihn ein Fatah Aktivist einem angehenden EU Diplomaten diktiert. Es gibt Teile die sich auf Schikanen beziehen denen die Araber aus Ost-Jerusalem von Israelischer Seite ausgesetzt sein sollen. Dazu kann ich mangels Wissen nichts schreiben.
Ich habe wohl den Eindruck das deren Leben nicht so unbeschwert ist wie meins. Man kann alles was in dem Gebiet geschieht im Lichte des Israelischen Sicherheitsdenkens sehen. Die Absperranlage wurde errichtet um zu verhindern daß Palästinenser ins Israelische Kernland gelangen. Israelische Ortschaften auf das Gebiet verteilt sollen für mehr Sicherheit durch Präsenz sorgen. Man kann das Ausmaß/die Summe der Schritte die Israel bereit ist für die eigene Sicherheit zu gehen durchaus kritisieren. Aber einiges im Bericht ist irreführend oder einfach falsch und daran störe ich mich.
Die Frage ist letztendlich eine des Vertrauens. Kann man den Palästinensern vertrauen daß sie wirklich nur ihren eigenen Staat wollen oder würden sie die Chance nutzen den ungeliebten Nachbarn schneller los zu werden? Doch nun konkret zu den einzelnen Punkten.
1. No peace possible as long as east-Jerusalem occupied. Need to become capital of two states. Current Israeli settlement activity makes this solution practically unworkable.
Schon klar wo`s langgeht?
2. Israel is systematically undermining Palestinian presence trough restrictive zoning, evitions discriminatory access to religious sites, inequitable education policy, difficult access to health care, inadequate provision of resources, continued closure of Palestinian institutions and restrictive residence permit system. Archiological activity around Temple Mount exclusively stressing the historical connection of the Jewish people and strengthening Israeli control of the area, undermines the universal character of the city.

3.Settlement construction biggest threat to two-state solution. Approval of an unprecedented number of plans in and around... as a response to Palestinian upgrade in the UN. Breach of international humanitarian law - article 49. Cutting East-Jerusalem off from the WestBank and making compromises neccessary for peace = evacuation of large number of settlers harder.
Die Evakuierung von 200.000 Israelis wird also ernsthaft in Betracht gezogen.
4.,5. Most problematic plans are along the southern border: Har Homa to the east / Gilo to the west and south / building of Givat Hamatos / E1 is set to cut off East-Jerusalem from the rest of the WestBank. It will be difficult, if not impossible to ensure territorial contignuity between East-Jerusalem and the southern WestBank. As these settlements grow it will require ever more political will and capital to either evaquate them or find alternatives.
Na, hier wird wenigstens die Möglichkeit irgendeiner Alternative gesehen.
7. The Israeli State does not have the ability to stop any settlement expansion.
Und ich dachte er ist es der sie initiiert und was folgt daraus?


Zahlenspiele
27. 57% of Palestinian areas in East-Jerusalem remain unplanned, 35% defined as open space, only 8% can be used for construction. Permitted building is lower.
Das kann sich so anhören als ob sich alle Araber Ost-Jerusalems auf diese 8% drängen müßten. Daß kann aber nicht sein, wahrscheinlich ist damit gemeint daß die 57% stadtplanerisch noch nicht erfasst sind.
Letztes Jahr wurden in Ost-Jerusalem 52% mehr Häuser abgerissen als im Vorjahr. Das wäre eine tolle Schlagzeile, wenn man aber weiterliest stellt sich heraus daß es insgesamt 64 Gebäude waren und davon nur 24 Wohnhäuser und davon waren lediglich 5 vorher bewohnt. Es wird auf eine Verdoppelung der Betroffenen auf 411 Personen hingewiesen, aber nicht erklärt was damit gemeint ist - keine Wohnung mehr oder Staubbelästigung beim Abriss der Nachbarhauses? 44 Erwachsene und 27 Kinder müßten umziehen aber nur 12 Erwachsene und 10 Kinder infolge von Räumungen.
29. In 2012 64 demolitions (52% increase) but: 40 non-residential structures, of 24 residential only 5 were inhabited. 15 demolished by their owners. 44 adults and 27 children were displaced = 19% decrease, but a large increase (102%) of those affected (411).30. 3 evictions affecting 12 adults and 10 children.

Irreführend:
41. "...,many children still attend school in overcrowded buildings, many of which are sub-standard."
Das kann ich bestätigen da ich letzten Monat Abiturprüfungen in einer Arabischen Schule beaufsichtigt habe. Allerdings, vor ein paar Jahren habe ich dasselbe in einer Jüdischen Schule, am anderen Ende derselben Straße gemacht und auch da war die Bausubstanz nicht in einem besseren Zustand.
34. "The barrier disconnects East Jerusalem from the rest of the WestBank and physically separates Palestinian communities within East-Jerusalem."
37. "... and in some cases runs trough the middle of densely populated Palestinian neighbourhoods."

Welchen Sinn macht daß?

51. The barrier has in effect isolated East Jerusalem from the rest of the WestBank. Due to the extremly limited access...
Was mich vor allem stört ist, daß mit keinem Wort erwähnt wird das die Mauer nur in Teilstücken existiert, dies da der Oberste Israelische Gerichtshof Einsprüchen von Arabischer Seite gegen ihren Verlauf stattgegeben hat.
19.,20. Outer Ring has settlements on the west side of the barrier: Giv'at Ze'ev, Ma'ale Adumim and Gush Etzon block ~100000 settlers. Beitar Illit tenders for 379 units, Giv'at Ze'ev 180 units.
Maale Adumim kann nicht westlich von der Mauer sein da es hier keine Mauer gibt.

Siedlungen
54. A number of infrastructure/transport projects strengthen the Israeli control over East Jerusalem. The light rail which connects Israeli settlements in East Jerusalem with the centre in West Jerusalem including a few stops in the Palestinian neighbourhoods of Shu'afat and Beit Hanina began passenger service during summer 2011. ...a third section between Pisgat Ze'ev and Neveh Ja'acov beeing also contemplated. If it was implemented, this third section would significantly increase the this light rail's contribution to the "unification" of Jerusalem.
Die neue Strassenbahn ist also ein weiteres Projekt welches die israelische Kontrolle über Ost-Jerusalem stärken soll denn sie verbindet die nördlich gelegenen "Siedlungen" mit dem Stadtzentrum. Aber es werden ja auch zwei Arabische Stadtteile angebunden. Nicht erwähnt wird daß die Waggons made by Siemens sind und daß der Betreiber Veolia eine Französische Firma ist.
21. E1 3426 units for ~ 14500 settlers. The implementation of the E1 project, which treatens 2300 Bedouin with forcible transfer, would effectively divide the WestBank into separate northern and southern parts. Moreover, it would prevent Palestinians in East-Jerusalem from further urban development and cut off East-Jerusalem from the rest of the WestBank.

2300 Beduinen würden zwangsumgesiedelt sollte E1 zur Ausführung kommen? Na da geht mir aber der Hut hoch. Die Beduinen haben ihre Hütten nämlich ganz woanders, auf einem Hügel zwischen Maale und Azararia, einem Ausläufer von Ost-Jerusalem. Dann gibt es noch einige Zelte unten im Tal und noch einige am Östlichen Zipfel von E1, nahe am Barmherzigen Samariter (heute ein kleines Museum).
55. During recent years a separate and inferior set of bypass roads for Palestinians has been set up around Jerusalem, in order to connect Palestinian neighbourhoods outside the separation barrier north and south of Jerusalem. The declared purpose of the israeli authorities for these roads is to secure a so called "transport contiguity" for Palestinians living in the north and the south of the WestBank, who are denied travelling from Ramallah to Betlehem trough East Jerusalem without a permit.

Was ist daran so schlecht daß Israel den Palästinensern eine Straße baut damit sie unbehelligt von einer Palästinensischen Stadt in die andere kommen können? Die Existenz einer solchen Strasse wiederlegt sogar das Palästinensische Narrativ von der Zerschneidung der WestBank sobald E1 bei Maale Adumim bebaut wird.

Altstadt
8. Settlement enclaves within the Old City and its surrounding Palestinian neighbourhoods. Inside and outside the city boundaries there are two rings of settlements.

Der Wiederaufbau des Jüdischen Teils der Altstadt wird uns hier als Siedlerenklave aufgetischt.

25. Tourist centre will create a physical link between City of David and Western Wall Plaza. ...Silwan spring, a place of Jewish-Israeli importance, since it is considered to be the spring around which Jerusalem was founded.
Die Planung eines Besucherzentrums daß die Altstadt mit der Davidsstadt verbinden würde wird angeprangert, unter demselben Punkt wird aber zugegeben daß die im Bereich der Davidsstadt liegende Silwan Quelle für die Jüdische Seite von Bedeutung ist da hier Jerusalem gegründet wurde. Dazu muß man wissen daß die Stadt zu biblischen Zeiten an dieser Quelle lag und sich erst später auf die Anhöhe verlagen konnte, nachdem nämlich ein Tunnel gegraben wurde um unterirdisch an das Quellwasser heranzukommen.

12. Encircle historic basin, cut off Muslim and Christian Holy Places. City of David - new visitor center / Kings Garden - Al Bustan would require demolition of Palestinian houses.
Christliche und Muslimische Heilige Stätten sollten also abgeschnitten werden, es wird aber nicht erklärt wo und wie dies konkret geschieht.
61. Church leaders have complained that access restrictions to the Old City have increased troughout the year, by closing Yaffa Gate and only allowing entry based on permits.

Wie kann daß sein? Die Tore sind zwar noch da, aber in den über 20 Jahren die ich im Raum Jerusalem bin, habe ich das Tor noch nie geschlossen gesehen und selbst wenn, direkt daneben wurde eine breite Öffnung in die Mauer gerissen damit man mit dem Taxi bis zum Eingang der Davidszitadelle mit ihrem Museum kommt. Na ja eigendlich war es für Kaiser Wilhelm II damit er bei seinem Besuch 1898 auf seinem weißen Pferd in die Altstadt rein konnte.

Natürlich ist auch vom Tempelberg die Rede.

23. Management and excavations carried out by Elad in Wadi Hilweh - without any kind of Palestinian involvement or international oversight.
Und was ist mit den Grabungen die der Islamische Waqf, der den Tempelberg verwaltet, vornimmt um die Al-Aqsa Moschee unterirdisch zu erweitern und den Aushub, der natürlich Archäologisch interessantes Material enthält irgendwo auf Palästinensische Müllkippen schafft?
26. The result has been a partisan historical narrative of Jerusalem, placing emphasis on biblical and Jewish connotations of the area while neglecting Cristian/Muslim claims of historic-archeological ties to the same place.
Während also unter Punkt 26 beklagt wird daß von Israelischer Seite nur die Jüdische Geschichte von Interesse ist, wird verschwiegen daß die Arabische Seite mit seiner Beseitigung beschäftigt ist.
 
Berlin eignet sich um einem Nicht-Israeli zu Veranschaulichen wie man sich beim lesen dieses Berichtes fühlt.
Stellen wir uns mal vor die Grenze zwischen Ost und West verlief am Hohenzollernkanal und dann an der Spree entlang, bis zu der Ecke wo die Mauer war. Von da aus an der Mauer und dann an der Bahnlinie entlang bis zur U-Bahnhaltestelle Tempelhof um dann, zwischen Schmargendorf und Friedenau nach Südwesten wieder aus der Stadt rauszuführen. Und nun stellen wir uns vor daß die UNO nach der Wiedervereinigung diese für illegitim erklärt da der Osten an den Westen angeschlossen wurde, anstatt gemeinsam eine neue Verfassung auszuarbeiten wie es eigendlich vorgesehen war, wenn ich mich recht entsinne. Die in der Stadt befindlichen Vertreter der AU = Afrikanische Union stellen nun jährlich einen Bericht zusammen in dem jegliche Veränderungen des Ursprungszustandes in der Stadt und ihrer Umgebung als Versuch der Westler dargestellt wird vom Osten Besitz zu ergreifen. Sagen wir mal der massive Umzug von Westberlinern in den Ostteil der Stadt, der damit verbundene Ausbau von Straßen und ganz besonders die Renovierung des Reichstags und seine derzeitige Nutzung. Wir wohnen im schönen Petershagen/Eggersdorf, direkt da wo die A10 die B1 kreuzt welches von den Afrikanern besonders kritisiert wird wegen des sehr hohen Anteils von Westdeutschen und wegen der Erweiterungspläne des Bürgermeisters. Auch wird der Ausbau der Altlandsberger Chaussee zur L33 hin kritisiert und die Zunahme der S-Bahnen nach Bernau.
Da wir in Tanzania augewachsen sind schauen wir in dortige Internetforen rein. Zu unserem Erstaunen entdecken wir daß dort der Konflikt intensivst diskutiert wird und sogar an Bildern aus Petershagen/Eggersdorf fehlt es nicht. Als ehemalige Deutsche Kolonie meint man in Tanzania das kriegerische Deutsche Wesen gut zu kennen. Als Quellen werden Englische Zeitungen oder lokale Internetseiten zitiert.
Und nun zu den Fragen: wie fühlen Sie sich in einem Staat zu leben der nicht entsprechend seiner eigenen Verfassung gehandelt hat? Wie stehen Sie zum Ausbau der Stadtteile im ehemaligen Ostteil der Stadt und/oder der Verdrängung von (ehemaligen) Ostberlinern in weiter entfernte Stadtteile? How does it feel?
 
EU Heads of mission Jerusalem Report 2012 Quelle:

 

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