Montag, 19. Oktober 2015

Zur aktuellen Welle der Gewalt 2015


Ich habe mir die Mühe gemacht all die Angriffe der letzten Zeit aus den israelischen Medien aufzulisten. Es ist eine traurig lange Liste die den normalen Westeuropäer wohl kaum interessieren wird. Viel interessanter ist die Frage nach der Ursache. Was bringt den breiten Palästinensischen Mann auf der Strasse und auch die Frau dazu wutentbrannt mit Messern auf Juden loszugehen? Obwohl es an Palästinensern und Ost-Jerusalemern in meiner Umgebung nicht mangelt tue auch ich mich mit der Erklärung nicht leicht.
Die Auflistung zeigt daß die meisten der Angreifer männliche Teenager aus Ost-Jerusalem sind. Da sie sich als Bewohner des wiedervereinigten Jerusalem in Israel frei bewegen können ist es eigentlich nicht so verwunderlich. Aber was ist das Motiv? Etwa die Unterdrückung durch den zionistisch, kolonialistischen, rassistischen Agressor? Nein, das kann nicht so ganz stimmen, denn die Ost-Jerusalemer haben zwar nicht die israelische Staatsangehörigkeit, aber wie gesagt Bewegungsfreiheit und sie haben das kommunale Wahlrecht. Sie können ihre eigenen Vertreter in den Stadtrat wählen, die sich dann um ihre Belange kümmern würden. Warum schreibe ich "würden"? Weil sie die Kommunalwahlen boykottieren um so kundzutun daß sie die Wiedervereinigung Jerusalems von vor 48 Jahren nicht akzeptieren wollen. Und so müssen sich die jüdischen Stadträte entscheiden ob sie Geld in diese Stadtteile investieren oder in die meist ebenfalls ärmlichen Stadtteile der religiösen Juden. Ich habe ab und zu in einer arabischen Mädchenschule zu tun. Sie wurde letztes Jahr renoviert, ein Klassenraum mit PCs inklusive.

Es scheint eine Ursache zu geben die auf fast jeden Ost-Jerusalemer, Westjordanländler, Gazastreifler und sogar arabischen Israeli wirkt als hätte man ihn oder sie in den Bauchnabel gepiekst.
Ich schaue auf den ersten Anschlag in meiner langen Liste. Es ist der Steinwurf der am Abend des am Abend des jüdischen Neujahrsfestes, dem 14.9., die Scheiben des Autos von Alexander Levlovich, 64 zertrümmerte. In der Folge verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug welches gegen einen Baum fuhr und in einem Graben landete. Levlovich starb, zwei Mitfahrerinnen wurden verletzt. Einer der Täter, der 19-jährige Abad Dawiyat aus dem benachbarten Sur Baher gab an die Tat bewusst an diesem Abend geplant zu haben. Dies als Rache für das israelische Vorgehen am Tempelberg.

Was also ist auf dem Tempelberg los?
Am Vortag hatten sich Palästinensische Jugendliche in der Al-Aksa Moschee auf dem Tempelberg verschanzt. Da dies unmittelbar vor dem jüdischen Neujahrsfest geschah an dem der darunterliegende Vorplatz der Klagemauer voller Menschen ist, drang die Polizei in die Moschee ein um den Unruhen ein Ende zu setzen. Bisher galt das Innere der Moschee in einer ungeschriebenen Vereinbarung mit dem Wakf als "freio".

Hier ist es nötig auf den Status Quo einzugehen. Seine derzeitige Form ist einem erstaunlichen Umstand zu verdanken. Als Nord, Ost und Süd-Jerusalem 1967 von Israel erobert wurde gab Verteidigungsminister Dayan dem Wakf das Recht den Tempelberg zu verwalten, der uns Juden als heiligster Ort gilt, dies weil sich dort der Haram al Sharif und die Al-Aksa Moschee befinden.
Der Tempelberg ist ein 300 x 600 Meter grosses Areal. Zweimal am Tag dürfen seither Nicht-Moslems dieses Areal besuchen, dürfen dabei allerdings weder beten noch die Moschee betreten. Der jordanische König hat seit der Mandatszeit das Schlüsselrecht, der muslimische Wakf verwaltet,und Israel ist für die Sicherheit zuständig. Bauarbeiten müssen mit der israelischen Archäologiebehörde abgestimmt werden – der Wakf pfeift allerdings darauf.
In letzter Zeit haben Nationalreligiöse Aktivisten das Besuchsrecht dazu genutzt in grossen Gruppen auf den Berg zu kommen und zu singen – und wer weiß, wahrscheinlich in dem Getümmel auch zu beten. Als Gegenmaßnahme hat die Islamische Bewegung in Israel die Murabitat gebildet – die Verteidiger des Glaubens. Es funktioniert so: wenn ein Wakf Vertreter am Eingang zum Berg verdächtige Personen sieht, telefoniert er mit den Murabitat, meist eine Gruppe von älteren Frauen die unweit des Einganges auf dem Tempelberg sitzt. Sobald sich die Verdächtigen nähern bricht ein lautes "Allah hu Akbar"- Geschrei los. Im September wurde diese Gruppierung von der Regierung verboten was zu begrüßen ist. Allerdings steht die israelische Regierung in der Verantwortung auch dafür zu sorgen daß keine Provokationen von der nationalreligiös israelischen Seite vorkommen denn sie sind es die der Islamischen Bewegung Israels und der Hamas als Vorwand dienen um ihr Palästinensisches Publikum aufzuhetzen.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Murabitat

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